Schwerpunkte

Made in China 2025

China erreicht Selbstversorgungsziel nicht

22. Mai 2020, 11:11 Uhr   |  Heinz Arnold

China erreicht Selbstversorgungsziel nicht
© IC Insights

Die Entwicklung des chinesischen IC-Marktes gegenüber der Fertigung von ICs durch chinesische Hersteller zwischen 2009 und 2024.

70 Prozent der im Inland benötigten ICs selber produzieren? Von diesem Ziel ist China laut IC Insights weit entfernt.

China hatte sich zum Ziel gesetzt, dass chinesische Halbleiterhersteller bis 2025 rund 70 Prozent der Chips, den die heimische Industrie benötigt, selber produzieren. Das wäre laut IC Insights aber kaum zu schaffen.

Im vergangenen Jahr hat der chinesische Halbleitermarkt einen Umsatz von 125 Mrd. Dollar erreicht. Der Anteil der chinesischen Hersteller daran kam auf 15,7 Prozent. Das ist nur unerheblich mehr als die 15,1 Prozent, die die chinesischen Hersteller vor fünf Jahren erreicht hatten, wie aus der neusten Marktstudie von IC Insights hervorgeht. Die Marktforscher prognostizieren, dass der Anteil der chinesischen Hersteller am chinesischen Markt bis 2024 um 5 Prozentpunkte auf 20,7 Prozent klettern wird, also weit unter den für 2025 anvisierten 70 Prozent.

Von den ICs im Wert von 19,5 Mrd. Dollar, die 2019 innerhalb von China gefertigt wurden, produzierten Hersteller mit Sitz in China ICs im Wert von nur 7,6 Mrd. Dollar, was einem Anteil von 38,7 Prozent entspricht. Das wiederum macht einen Anteil von nur 6,1 Prozent am Gesamtmarkt in China von 124,6 Mrd. Dollar aus. Den Rest produzierten TSMC, SK Hynix, Samsung, Intel und andere Hersteller, die Fabs in China betreiben. IC Insights schätzt, dass von den ICs im Wert von 7,6 Mrd. Dollar, die chinesische Hersteller produzierten, die IDMs 1,8 Mrd. Dollar beisteuerten, die Foundries wie SMIC 5,8 Mrd. Dollar.

Wenn der Umsatz der chinesischen Hersteller bis 2024 auf 43 Mrd. Dollar steigt, wie IC Insights prognostiziert, wird die chinesische Produktion lediglich auf 8,5 Prozent des weltweiten IC-Marktes erreichen, der dann laut der Prognose von IC Insights auf 507,5 Mrd. Dollar kommen wird.  

Die Produktion von ICs in China wird laut IC Insights zwischen 2019 und 2024 eine sehr hohe durchschnittliche Wachstumsrate pro Jahr (CAGR) von 17 Prozent erreichen. Doch lag der Umsatz 2019 bei 19,5 Mrd. Dollar, das starke Wachstum geht also von einer relativ kleinen Basis aus.

Auch wenn neue chinesische Hersteller wie YMTC und CXMT ihre Produktionen hochfahren, werden die ausländischen IC-Hersteller – SK Hynix, Samsung, Intel, TSMC, UMC und Powerchip – auch 2024 noch ICs im Wert von 50 Prozent des Gesamtumsatzes der in China gefertigten ICs beisteuern.

Und das obwohl China im Zeichen der Handelskrieges mit den USA alles versucht, um die heimische Produktion zu steigern und sich von der Abhängigkeit der USA und anderer Länder zu befreien.

Doch hat der erste chinesische DRAM-Hersteller, Changxin Memory Technologies (CXMT) erst im vierten Quartal 2019 eine erste begrenzte Produktion gestartet. Das Unternehmen beschäftigt einige Tausend Mitarbeiter und könne laut IC Insights 1,5 Mrd. Dollar pro Jahr investieren. Dagegen haben Micron und SK Hynix jeweils 30.000 Mitarbeiter, Samsung beschäftigt sogar 40.000 Mitarbeiter. Zusammen haben diese drei Hersteller allein im vergangenen Jahr 39,7 Mrd. Dollar investiert.

Deshalb bleiben die Analysten von IC Insights skeptisch, ob es China gelingen könne, eine nennenswerte eigene und wettbewerbsfähige  Speicher-IC-Industrie aufzubauen, die selbst über einen Zeitraum von zehn Jahren auch nur in die Nähe komme, den inländischen Speicherbedarf abdecken zu können.

In den übrigen IC-Märkten hinkten chinesische Hersteller noch weiter hinterher. Derzeit gebe es keine großen chinesischen Unternehmen, die analoge ICs, Mixed-Signal-ICs, Prozessoren, Mikrocontroller und weitere Logik-ICs fertigen. Auf diese Segmente waren aber über 50 Prozent des chinesischen IC-Marktes im vergangenen Jahr entfallen. Diese Märkte dominieren ausländische IC-Hersteller, die über Jahrzehnte Erfahrung gesammelt haben und Tausende von Mitarbeitern beschäftigen.  

Den Grad der Selbstversorgung in diesen Segmenten zu erhöhen, dürfte für China also noch schwieriger werden als im Speicher-IC-Markt. IC Insights geht deshalb davon aus, dass es Jahrzehnte dauern werde, bis China im Sektor der Nichtspeicherprodukte wettbewerbsfähig werden könne.

Dazu kommt noch, dass es für China wegen der US-Handelsbeschränkungen schwieriger werde, an die dringend benötigten Maschinen für die Halbleiterfertigung heran zu kommen. Die Analysten von IC Insight sind deshalb überzeugt, dass China auf dem Weg zur Selbstversorgung über die nächsten fünf, ja noch nicht einmal über die nächsten zehn Jahre wesentliche Fortschritte machen könnte.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

9 neue 300-mm-Waver-Fabs, 5 davon in China
Erste DRAMs aus China noch in diesem Jahr
China braucht noch Jahrzehnte
DRAMs aus China fallen noch nicht ins Gewicht
China wächst kräftig
In China haben eigene Chips erste Priorität

Verwandte Artikel

IC Insights Inc.