Stockender US Chips Act

Chiphersteller warten weiter auf Finanzierungszusagen

4. Juli 2022, 10:00 Uhr | Nach Unterlagen von Forbes
Intel-Gelände in Ohio
Bislang sind zwei Halbleiterfabriken in Ohio geplant, Platz gibt es aber insgesamt für acht Fabs.
© Intel

Auch wenn der US-Kongress den US Chips Act im Januar 2021 verabschiedet hat, stehen die zugesagten 52 Mrd. US-Dollar immer noch nicht bereit. Immer mehr Chiphersteller knüpfen daher ihre Ausbaupläne an Finanzierungszusagen, zuletzt GlobalWafers. Auch Intel hat den Bau der Fab in Ohio gestoppt.

GlobalWafers, der weltweit drittgrößte Hersteller von Wafern für die Halbleiterfertigung, hat am 27. Juni 2022 Pläne für den Bau einer neuen Fabrik in den USA im Wert von 5 Milliarden Dollar angekündigt – allerdings nur, wenn die US-Regierung die Kosten dafür übernimmt. »Diese Investition hängt davon ab, dass der Kongress den Chips Act verabschiedet. Die CEO [von GlobalWafers] hat mir das persönlich bestätigt, und das wurde heute noch einmal bekräftigt«, sagte US-Handelsministerin Gina Raimondo gegenüber CNBC am selben Tag, an dem GlobalWafers seinen Investitionsplan bekannt gab.

Der Kongress hatte den Chips Act, der 52 Milliarden Dollar an Finanzmitteln für lokale Akteure vorsah, verabschiedet, um in die US-amerikanische Chipindustrie zu investieren, im Januar 2021 als Teil des National Defense Authorization Act – ein jährlicher Gesetzesentwurf, der als Richtschnur für die Politik und die Finanzierung für das Jahr dienen soll. Doch über ein Jahr später hat der Kongress noch immer keine Haushaltsmittel bereitgestellt, um das Gesetz auch zu finanzieren.

»Das muss erledigt werden, noch bevor [der Kongress] in die Sommerpause im August geht. Ich weiß nicht, wie ich es noch deutlicher sagen kann. Die Vereinbarung [mit GlobalWafers] ... würde platzen, wenn der Kongress nicht handelt«, so Raimondo gegenüber CNBC.

Laut US-Handelsministerin Gina Raimondo könnten die USA Waferfabs verlieren, wenn der Kongress den Chips Act nicht finanziell unterstützt.

Der Chips Act sollte die schwächelnde amerikanische Chipindustrie gegen Chinas beschleunigte Entwicklung einer eigenen Halbleiterindustrie wappnen und die weltweite Produktion von China weg verlagern. Der Großteil der weltweiten Halbleiterproduktion ist in Taiwan angesiedelt, einer unabhängigen Insel, die von Peking als Hoheitsgebiet beansprucht wird.

Unterstützung nicht nur für US-Chiphersteller

Eigentlich sollte der Chips Act nur US-Unternehmen unterstützen, nicht aber ausländische Firmen, die in Amerika investieren. Doch im Dezember 2021 forderte der US-amerikanische Verband der Halbleiterindustrie SEMI den Kongress auf, die Förderung durch den Chips Act auf alle Unternehmen auszudehnen, die in den Vereinigten Staaten investieren.

Das taiwanesische Unternehmen GlobalWafers, das beabsichtigt, sein neues Werk in Texas zu errichten, ist nicht das einzige Unternehmen der Chipindustrie, das seine Investitionen in den USA von staatlichen Mitteln abhängig gemacht hat. Im Jahr 2020 hatte TSMC angekündigt, in Phoenix, Arizona, eine Fab im Wert von 12 Milliarden Dollar zu errichten, um dort modernste Chips zu produzieren. Allerdings machte Mark Liu, CEO von TSMC, deutlich, dass der Ausbau nur dann vorangehen würde, wenn die Regierung »die Differenz zwischen den Betriebskosten von TSMC in den USA und in Taiwan ausgleichen« könnte.

Um TSMCs Fab in Phoenix zu unterstützen, hat der Bundesstaat Arizona mindestens 200 Millionen Dollar an öffentlichen Geldern für die Infrastruktur bewilligt, die unter anderem für Straßen und Abwassersysteme ausgegeben werden sollen. Im Juni 2022 erklärte TSMC, dass sich der Bau seiner Fabrik in Arizona, der noch nicht abgeschlossen ist, als kostspieliger erweist, als das Unternehmen erwartet hatte. Daher forderte das Unternehmen die Regierung in Washington auf, die Hilfe im Rahmen von CHIPS auf ausländische Firmen auszuweiten.

Intel stoppt Bau der Fab in Ohio

Natürlich wollen auch die einheimischen Unternehmen, dass die Regierung ihre eigenen Ausbaumaßnahmen in den Vereinigten Staaten subventioniert. Letzte Woche hat Intel den Bau seiner neuesten Fabrik im Wert von 20 Milliarden Dollar in Ohio gestoppt und die Grundsteinlegung auf unbestimmte Zeit verschoben - oder bis der Kongress Mittel für den Chips Act bereitstellt.

»Leider hat sich die Finanzierung des Chips Act schleppender entwickelt, als wir erwartet haben, und wir wissen immer noch nicht, wann sie abgeschlossen sein wird«, sagte Intel-Sprecher Will Moss dem Wall Street Journal. Er appellierte an den Kongress, zu handeln, damit Intel "mit der Geschwindigkeit und dem Umfang vorankommen kann, die wir uns für Ohio schon lange vorgestellt haben".


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INTEL GmbH, TSMC Europe B.V.