Ukraine-Krieg und Inflation

Verstärkte Engpässe bei Chipausrüstung

1. Juli 2022, 10:40 Uhr | Ralf Higgelke
IC-Fertigung in Fab12 von TSMC.
© TSMC

Chiphersteller dürften mit noch längeren Lieferzeiten für Fertigungsequipment von 18 bis 30 Monaten zu kämpfen haben. Schuld daran sind laut den Marktforschern von TrendForce nicht nur die Nachwehen der Pandemie, sondern in zunehmendem Maße der Krieg in der Ukraine sowie die Inflation.

Vor der Pandemie lagen die Lieferzeiten für Halbleiterausrüstung laut TrendForce bei etwa drei bis sechs Monaten. Seit 2020 haben strenge pandemiebedingte Grenzkontrollen weltweit die Logistik behindert. Im gleichen Zeitraum profitierten Chiphersteller und Foundries jedoch von der starken Nachfrage nach Endgeräten durch Homeoffice und Home-Schooling und weiteten die Produktion kräftig aus. Dadurch verlängerten sich die Lieferzeiten für Halbleiterausrüstung auf 12 bis 18 Monate.

Doch nun beeinträchtigen neben den logistischen Engpässen und nicht ausreichenden Fertigungskapazitäten für Chips für industrielle Steuerungen auch der Russlands in der Ukraine sowie die steigende Inflation die Beschaffung verschiedener Rohstoffe. Damit wird die die Produktion von Halbleiterausrüstung ab 2022 die Auswirkungen der Rohstoff- und Chipknappheit noch stärker zu spüren bekommen. Mit Ausnahme von EUV-Lithografieanlagen mit festem Jahresausstoß wird sich die Lieferzeit der übrigen Maschinen auf 18 bis 30 Monate verlängern, wobei der Mangel an DUV-Lithografieanlagen (Deep UltraViolet) am gravierendsten ist, gefolgt von CVD/PVD-Beschichtung und Ätztechnik.

Wachstumsrate sinkt erst 2023

Glaubt man den Marktforschern von TrendForce, wird sich für das laufende Jahr 2022 diese Verzögerung nur relativ geringfügig auf die Erweiterungspläne auswirken. Doch im kommenden Jahr 2023 dürften sich diese Auswirkungen manifestieren. Wurde die jährliche Wachstumsrate der 300-mm-Wafer-Äquivalente (einschließlich 300-mm- und 200-mm-Wafer) für die Jahre 2022 und 2023 auf 13 bzw. 10 Prozent beziffert, dürfte das jährliche Kapazitätswachstum in jenem Jahr auf acht Prozent sinken. Damit dürften sich die Wachstumspläne um etwa zwei bis neun Monate nach hinten schieben.

Zudem könnte ab dem zweiten Halbjahr 2022 der hohe Inflationsdruck die weltweite Konsumnachfrage belasten. Doch das könnte laut TrendForce den Chipherstellern und Foundries bei den sich verlängernden Ausbauplänen in die Hände spielen, denn für das Jahr 2023 kursierten Bedenken hinsichtlich eines Überangebots. Dennoch könnte es bei einigen unterversorgten Materialien weiterhin zu Engpässen kommen. Zu diesem Zeitpunkt ist es notwendig, sich auf die diversifizierte Planung der Foundries für jede Endanwendung und jeden Produktprozess zu verlassen, um eine ungleiche Verteilung von schlecht aufeinander abgestimmten Materialressourcen auszugleichen.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

elektroniknet