Update: Intel

Magdeburg ist gesetzt, plus weitere EU-Aktiväten

15. März 2022, 15:11 Uhr | Iris Stroh
Intel/Magdeburg
So könnte der zukünftige Standort in Magdeburg aussehen, Intel will aber in die gesamte Lieferkette in Europa investieren, darunter 12 Mrd. Euro in den Standort in Irland und 4,5 Mrd. Euro in den Bau einer Advanced-Packaging-Fab in Italien.
© Intel

Bereits im Februar hieß es, dass sich Intel für Magdeburg als neuen europäischen Fertigungsstandort entschieden hat. Heute erfolgte die offizielle Bestätigung im Rahmen einer Pressekonferenz, plus die Ankündigung von weiteren Aktivitäten in Europa.

Pat Gelsinger, CEO von Intel, erklärt während der offiziellen Bestätigung des Fertigungsstandorts in Magdeburg, dass Intel in den nächsten zehn Jahren 80 Mrd. Euro in Europa investieren will, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette, angefangen bei R&D über die Frontend-Fertigung bis hin zu Advanced Packaging-Technologien (Backend-Fertigung). Laut Gelsinger sollen 17 Mrd. Euro davon nach Magdeburg fließen, um dort zwei Halbleiter-Fabs zu bauen. Der Baubeginn ist für die erste Jahreshälfte 2023 geplant, wobei Intel anmerkt: »Vorbehaltlich der Beihilfengenehmigung durch die EU-Kommission und der Bewilligung der Förderung durch die deutschen Behörden.« Geht alles glatt, soll die Produktion 2027 anlaufen.

Davon ist auszugehen, beispielsweise erklärt Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, zur Intel-Initiative: »Europa ist für Geschäfte offen«, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, wiederum fügt hinzu: »Unser Bundesland und die Stadt Magdeburg sind sehr froh über das Engagement von Intel bei uns. Es wird die größte Investition in der Geschichte Sachsen-Anhalts sein. Ein solch riesiges Investment und viele tausend neue Arbeitsplätze sind ein Quantensprung für unser Land. Das Vorhaben ist auch ein Meilenstein für den ostdeutschen Wirtschaftsraum und ein Erfolg für ganz Deutschland Ich danke Ihnen, dass Intel sich für den Standort Magdeburg entschieden hat. Mein Dank gilt auch allen, die an diesem Erfolg mitgewirkt haben. Wir werden alles tun, um Intel den bestmöglichen Start zu ermöglichen.

»Seien Sie herzlich willkommen in Sachsen-Anhalt!«

Dirk Röhrborn, Vorstandsvorsitzender von Silicon Saxony e. V., wiederum erklärt: »Das ist ein grandioser Gewinn für Europas führenden Hightech-Cluster Silicon Saxony sowie alle Mitglieder unseres Branchenverbandes. Im Städtedreieck Magdeburg, Erfurt/Jena und Dresden produzieren GlobalFoundries, Infineon, Bosch, X-Fab, Siltronic, ZEISS, Jenoptik und demnächst Intel. Die Akteure ergänzen sich in ihren Fähigkeiten und Kompetenzen. Dies festigt substanziell den technologischen Führungsanspruch von Silicon Saxony in Europa, aber auch im internationalen Wettbewerb. Über das Investment von Intel werden die Unternehmen der Region ‚Silicon Saxony‘ noch stärker zusammenwachsen.

Vor allem die Mittelständler, die als Zulieferer, direkt vor ihrer Haustür, Intel beim Aufbau der Produktion unterstützen werden, sind die großen Gewinner. Zusätzlich eröffnet unser Mitglied Intel neue Perspektiven für eine Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung. Auch hinsichtlich internationaler Fachkräfte wird die Region Silicon Saxony profitieren und weiterwachsen.«

Bitkom-Präsident Achim Berg sagt: »Die anhaltende Chip-Krise ist eine große Belastung für die gesamte deutsche Wirtschaft. Jetzt geht es darum, die Weichen zu stellen, um in Zukunft einseitige Abhängigkeiten von Halbleiter-Importen zu reduzieren und eigene Fähigkeiten und Kapazitäten aufzubauen. Wir begrüßen die Standortentscheidung von Intel für den Bau einer großen Chip-Fabrik in Deutschland. In Magdeburg werden künftig im Herzen Deutschlands Halbleiter der nächsten Generation gefertigt. Rund um die Universitätsstadt wird ein weiteres Halbleiter-Ökosystem entstehen, das den Standort Deutschland insgesamt stärkt. Es ist zudem ein wichtiger Schritt, um den stetig wachsenden Bedarf an Hochleistungsprozessoren in Europa zu bedienen. Die digitale Wirtschaft, insbesondere Unternehmen in den Bereichen Telekommunikation und Cloud Computing, sind ebenso auf Nachschub angewiesen wie klassische Industriezweige wie der Automobilbau. Der geplante EU Chips Act wird die Rahmenbedingungen dafür verbessern und ermöglicht es, die Halbleiter-Produktion über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg vom Chip-Design bis zum Packaging zu fördern. Deutschland sollte künftig die Instrumente des EU Chips Act gezielt und konsequent einsetzen, um die Produktionskapazitäten weiter auszubauen. «

Diese Produktionserweiterung will Intel nicht nur für seine eigenen Produkte nutzen, sondern auch für seine Foundry-Aktivitäten. Gelsinger ist voll des Lobes für den deutschen Standort und erklärt, dass Deutschland ideal dafür geeignet sei, um dort ein neues europäisches Zentrum für die Chipherstellung mit Hilfe der neusten Techniken zu errichten: Die Lage mitten in Europa, herausragende Fachkräfte, exzellente Infrastruktur und ein etabliertes Ökosystem aus Zulieferern und Kunden. Der Bau der Fabs dürfte voraussichtlich Jobs für 7.000 Mitarbeiter im Baugewerbe bringen, darüber hinaus geht Intel davon aus, dass dauerhaft 3.000 Hightech-Arbeitsplätze bei Intel selbst entstehen und zehntausende zusätzliche Stellen bei Zulieferern und Partnern geschaffen werden.

12 Mrd. Euro für Ausbau des Standorts in Irland

Darüber hinaus sollen 12 Mrd. Euro in die Erweiterung des bereits bestehenden Standorts in Irland fließen. Mit diesem Geld soll die Produktionsfläche in Irland verdoppelt und die »Intel 4«-Prozesstechnologie nach Europa gebracht und das Foundry-Angebot ausgeweitet werden. Darüber hinaus will sich Intel aber auch in Frankreich, Italien und Spanien engagieren. Gelsinger: »Die Welt braucht Halbleiter in allen Absatzsegmenten. Viele Industrien stehen still, weil es nicht genug Chips gibt. Derzeit werden 80 Prozent der Halbleiter in Asien gefertigt, Intel wird für einer bessere Balance sorgen.« Und weiter: »Das Foundry-Geschäft ist ein Schlüsselsegment in unserer Strategie.«

4,5 Mr. Euro für Advanced-Packaging-Fab in Italien

Intel will die gesamte Wertschöpfungskette in Europa adressieren, nicht nur die Front-End-Wafer-Fertigung. Deshalb erklärt Gelsinger auch, dass Intel mit Italien in Verhandlungen steht, um dort für 4,5 Mrd. Euros eine Back-End-Anlage zu bauen. Mit dieser geplanten Investition würden laut Intel rund 1.500 Stellen bei Intel direkt entstehen, plus zusätzlich 3.500 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Partnern. Aus Gelsingers Sicht passt diese Aktivität hervorragend zur geplanten Übernahme von Tower Semiconductor, denn Tower Semiconductor will mit STMicroelectronics eine ST-Fab in Agrate Brianza nutzen, also wäre diese Investition ein guter Anfang, diese Partnerschaft auf eine gute Basis zu setzen.

Frankreich wird Intel-Zentrale für HPC und KI sowie Foundry Design Center

Nach dem Frontend üvber dass Backend jetzt zu R&D. Intel hat sich Frankreich als F&E-Standort ausgesucht. Das Unternehmen will in Saclay-Plateau ein neues europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum aufbauen und rund 1.000 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen, 450 davon bis Ende 2024. Frankreich soll in Zukunft die europäische Intel-Zentrale für das Design von Chips in den Bereichen High Performance Computing (HPC) und künstlicher Intelligenz (KI) werden. Darüber hinaus plant Intel in Frankreich auch die Errichtung eines europäischen »Foundry Design Centers«, das Design-Dienstleistungen und damit verbundene Leistungen für französische, europäische und weltweite Industriepartner und Kunden erbringen soll.

In Polen werden Neuronale Netze und Cloud Computing erforscht

In Polen wiederum will Intel seine Laborfläche um 50 Prozent erhöhen. Der Schwerpunkt liegt dort auf der Entwicklung von Halbleitern für tiefe Neuronale Netze, Audio, Grafik, Rechenzentren und Cloud Computing. Die Erweiterung wird voraussichtlich im Jahr 2023 abgeschlossen sein.

Zettascale-Architektur in Spanien

Gelsinger weiter: »Wir arbeiten seit vielen Jahren mit dem Barcelona-Supercomputer-Center in Spanien zusammen.« Bislang geht es bei dieser Zusammenarbeit um eine Exascale-Architektur, jetzt geht es um die Entwicklung der Zettascale Architektur. Dementsprechend arbeiten die beiden daran, gemeinsam Labore in Barcelona aufzubauen, um diese Entwicklung voranzutreiben.

 


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