Hybrid-Steckverbinder

Wird Hybrid ein Renner?

17. März 2015, 9:49 Uhr | Ralf Higgelke
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Signale und Leistung über nur einen Steckverbinder und ein Kabel zu übertragen erscheint erstrebenswert, denkt man an die Platzersparnis und die Reduzierung der Komponenten. Doch wird die Hybridtechnologie auf breiter Ebene ein Erfolg werden? Dazu haben wir mehrere Steckverbinder-Hersteller befragt.

Kleiner, schneller, kostengünstiger – diesen Trends kann sich selbst die Industrieelektronik nicht verschließen. Das betrifft auch die Steckverbinder, sind sie doch über die Jahre immer kleiner geworden, die Datenraten sind gestiegen, und gleichzeitig ist der Preis oft gefallen. Seit nicht allzu langer Zeit preisen Hersteller Hybridsteckverbinder als den nächsten Evolutionssprung an. Dabei werden über einen einzigen Stecker sowohl analoge Signale als auch digitale Daten sowie Leistung übertragen. Doch hält das Konzept, was das Marketing verspricht? Wir haben bei einigen Anbietern nachgefragt.

Was ist für Anwender der Hauptgrund, über Hybridsteckverbinder nachzudenken?

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Besonders bei beengten Platzverhätlnissen wirken sich die Vorteile aus, wenn statt dreier Steckverbinder für Power, Signale und Daten jetzt nur noch einer der Größe M23 zum Einsatz kommt.
Gerhard Liewer, Product Manager Pluscon circular, Phoenix Contact Connector: »Besonders bei beengten Platzverhätlnissen wirken sich die Vorteile aus, wenn statt dreier Steckverbinder für Power, Signale und Daten jetzt nur noch einer der Größe M23 zum Einsatz kommt.«
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Darüber sind sich die Experten einig. Gerhard Liewer, Product Manager Pluscon circular bei Phoenix Contact Connector Technology, bringt es stellvertretend folgendermaßen auf den Punkt: »Wo sonst mehrere Steckverbinder eingesetzt wurden, kommt jetzt nur ein Hybridsteckverbinder zum Einsatz. So können unsere Kunden ihre Maschinen und Anlagen erheblich schneller montieren und in Betrieb nehmen.«

Darüber hinaus beobachtet Martin Guserle, Portfolio Management Rundsteckverbinder bei ODU, auch noch folgenden Trend: »Der Anwender hat mehr und mehr den Wunsch, verschiedene Anforderungen in einer Applikation zusammenzufassen. Das passende Stichwort ist hier Industrie 4.0, mit ihrer zunehmenden Vernetzung, neuen technologischen Möglichkeiten und Ressourceneffizienz.«

Welche weiteren Vorteile bieten hybride Schnittstellen?

Durch Hybridsteckverbinder ist das Fehlstecken so gut wie ausgeschlossen. Außerdem spart man deutlich an Bauraum ein.
Michael Meckl, Leiter Produktmanagement bei Molex: »Durch Hybridsteckverbinder ist das Fehlstecken so gut wie ausgeschlossen. Außerdem spart man deutlich an Bauraum ein«.
© Molex Deutschland

Michael Meckl, Leiter Produktmanagement bei Molex, stellt heraus, dass durch Hybridsteckverbinder ein Fehlstecken so gut wie ausgeschlossen sei. Außerdem spare man seiner Ansicht nach deutlich an Bauraum ein. Dem stimmt Martin Guserle zu und ergänzt: »In der Medizintechnik beispielsweise bieten hybride Steckverbindungen Sicherheit in der Anwendung: Ein einziger Steckvorgang stellt eine einwandfreie Verbindung her, ohne dass ein Stecker vergessen oder falsch gesteckt wird. Das kann im Ernstfall Leben retten.« Gerhard Liewer wiederum findet: »Auch die auf nur noch ein Kabel reduzierte Leitungsführung ist ein interessanter Aspekt. Das reduziert nicht nur die Kosten, das erhöht vor allem die Übersicht in komplexen Maschinen und Anlagen.«

Der große Vorteil von Hybridsteckverbindern ist, dass sich anwendungsspezifische Steckverbinder aus Standardmodulen zusammenstellen lassen. Zudem erhält der Kunde die komplette Schnittstelle aus einer Hand.
Mariana Maglione, Head of Product Management, Multi-Contact: »Der große Vorteil von Hybridsteckverbindern ist, dass sich anwendungsspezifische Steckverbinder aus Standardmodulen zusammenstellen lassen. Der Kunde erhält die komplette Schnittstelle aus einer Hand.«
© Multi-Contact

Da Multi-Contact nur hybride Rechteck-Steckverbinder anbietet, sieht Mariana Maglione, dort Head of Product Management, noch andere Vorteile: »Bei Hybridsteckverbindern sprechen wir von modularen Steckverbindern, in denen sich Signale, Daten und Leistung, aber auch Pneumatik- und Flüssigkeitskupplungen, Lichtwellenleiter oder Thermoelemente kombinieren lassen. Der große Vorteil ist, dass sich anwendungsspezifische Steckverbinder mit Standardmodulen zusammenstellen lassen. Zudem erhält der Kunde die komplette Schnittstelle aus einer Hand und muss nicht für jeden Steckverbinder mit einem anderen Lieferanten arbeiten.«

Wo sehen Sie die Nachteile von Hybridsteckverbindern?

Hier kann Mariana Maglione keine wirklichen Nachteile erkennen. Dennoch räumt sie ein: »Sicher kommt man bei wenig komplexen Anwendungen, die nur selten gesteckt werden, auch mit einfachen Steckverbindern klar. Sobald aber Themen wie Wartungszeiten oder Zuverlässigkeit ins Spiel kommen, liegen die Vorteile auf der Hand.« Den Kostenaspekt betont auch Michael Meckl: »Grundsätzlich sind die Kosten etwas höher, da mehr Technik in kleinem Raum untergebracht werden muss«. Dem hält Gerhard Liewer jedoch entgegen: »Statt dreier M23-Steckverbinder muss jetzt aber nur noch ein Stecker konfektioniert werden, und die am Anfang noch geringe Vielfalt an Hybridleitungen nimmt erfreulicherweise mehr und mehr zu.«


  1. Wird Hybrid ein Renner?
  2. Welche Applikationen von Hybridsteckverbindern besonders profitieren

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