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Stärken und Schwächen der Supply-Chain

»Es hätte deutlich schlimmer kommen können«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Vom Problem zur Lösung

So oder so: »Den Kunden interessiert nicht, ob wir in einer Abschwung- oder Aufschwungphase sind. Er erwartet von der Supply-Chain, dass er die Bauteile, die er braucht, bekommt und möglichst wenig von den Lieferzeit-Schwankungen bemerkt«, bringt es Frank Wolinski auf den Punkt. Das trotz Disruption und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten umzusetzen ist die Kür der Lieferkette und setzt eine langfristige Zusammenarbeit und Planung zwischen allen Beteiligten – Herstellern, Distributoren und Kunden – voraus, wie alle Diskussionsteilnehmer bestätigen.

Wie kann diese Zusammenarbeit gelingen? Dafür gibt es auch im Jahr 2019 keine goldene Regel. Volatilität bestimmt in zunehmendem Maße das Komponentengeschäft. Die Maßnahmen von Herstellern reichen von Channel-Konsolidierung bis zu Long-Term-Agreements mit Key-Distributoren. Bei den Distributoren wiederum versucht man je nach Schwerpunkt, den Forecast zu perfektionieren, ganz klassisch möglichst viel Lagerbestand aufzubauen und auch die M2M-Konnektiviät zwischen den Partnern auszubauen.

Über ein Long-Term-Agreement will zum Beispiel Yageo – u.a. mit den Distributionspartnern Rutronik und Future – die Versorgungssicherheit für High Runner wie besonders gefragte MLCCs sicherstellen. Das soll nach Auskunft von Rutronik vor allem Bestandskunden zugute kommen.

Zahlreiche Hersteller, vor allem aus dem Halbleitersegment, sehen hingegen in der Konsolidierung ihrer Vertriebskanäle ein wirksames Mittel, um die Lieferzeiten besser steuern zu können. Auch TDK hat seit der Zusammenführung des TDK-Bauelementegeschäftes mit dem damaligen Epcos-Konzern seinen Channel stark ausgedünnt und damit sogar Marktanteile gewonnen. »Es war richtig, auf weniger, aber dafür starke Partner zu setzen. Dadurch haben wir insgesamt eine bessere Verfügbarkeit unserer Produkte erreicht. Da wir keine exklusiven Vertriebskanäle geschaffen haben, war der für unsere Kunden wichtige Wettbewerb immer gegeben«, betont Dietmar Jäger, Leiter des globalen TDK-Distributionsgeschäfts.
Andreas Mangler, Director Strategic Marketing von Rutronik, setzt in Anbetracht der Massen, die Rutronik absetzt, auf klassisches Supply-Chain-Management: 120 Milliarden Stück Bauteile hat Rutronik 2018 verkauft – eine Mammutaufgabe. »Forecast und elektronische Schnittstellen sind bei diesem Workload enorm wichtig. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen entscheidend. Das heißt, dass man davon ausgeht, dass der Forecast an einem bestimmten Punkt richtig ist, und ihn einfriert«, erläutert Mangler. Genau dieser Punkt sei jedoch in der Versorgungskette die Variable; die Kunst liegt darin, diesen richtig zu bestimmen. »Dann ist auch die Planung mit dem Hersteller machbar. Aber alles was danach kommt, ist dann auch nicht mehr planbar«, gibt Mangler zu bedenken.

Bedeutung der Online-Distribution wächst

Somit kommt M2M in Zukunft in der Lieferkette eine höhere Bedeutung zu. Davon ist zumindest Hermann Reiter überzeugt, der die Riege der Online-Distributoren in der Runde vertritt. Nahtlose API-Schnittstellen ermöglichen den Digital Touch bis hin zum Endkunden für die Hersteller. Die wiederum schätzen den schnellen Lieferservice für Einzelstückzahlen und kleinere Mengen, den die Klein- bzw. Online-Distributoren den Kunden angedeihen lassen. Sie punkten zudem meist durch eine gute Verfügbarkeit, auch in Allokationszeiten, was den höheren Preis für kleine Mengen für viele Kunden wieder relativiert, und sie sind bereit, bei kleineren Mengen auch tiefer in die Tasche zu greifen. Hinzu kommen praktische Design-Tools, die meist kostenlos zur Verfügung stehen. Der digitale Support für das Bauteil sei bei der Online-Distribution auf einem anderen Niveau als bei der Volumendistribution, lobt Wolinski die Online-Distributoren. Insofern wundert es nicht, dass Unternehmen jener Sparte im vergangenen Jahr wieder beachtliche Rekorde bei der Umsatzsteigerung eingefahren haben. So konnte Digi-Key nach Auskunft von Reiter im vergangenen Jahr eine Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr in der DACH-Region und EMEA generieren.

Auch das EMS-Unternehmen Asteelflash kauft bei Online-Distributoren. Welche Bezeichnung der Distributor trägt, ist für Timmermann sekundär. »Der Service, den ich brauche, ist Verfügbarkeit. Insofern sehe ich keinen besonderen Trend hin zur Online-Distribution, sondern ich kaufe schlichtweg dort, wo die Ware verfügbar ist.«

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