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Greenwashing? Zieht bei Elektromobilität nicht!

22. September 2020, 10:54 Uhr   |  Ute Häußler

Greenwashing? Zieht bei Elektromobilität nicht!
© Pixabay | Schalocka

Auch bei Elektromobilität lohnt ein genaues Hinschauen zur Nachhgaltigkeit der Materialien, der Herstellung und der Lieferketten.

Elektromobilität boomt, endlich. Hersteller und Käufer reagierten über Jahre eher verhalten auf Stromer, vom Tesla-Hype mal abgesehen. Nun scheint ein Wendepunkt gekommen, 2020 könnte trotz Corona-Krise ein Rekordjahr für die Elektromobilität in Deutschland werden. Oder vielleicht gerade deshalb?

Im August 2020 erreichte der Elektroabsatz mit 13,2 % seinen bisher höchsten Anteil, insgesamt wurden bis August 162.666 Elektrofahrzeuge angemeldet. Bereits im Juli wurde das Vorjahr geknackt.

Aufgrund der, pardon, ewigen Lieferzeiten der Autobauer sind die Zahlen wahrscheinlich noch auf die alte E-Auto-Prämie zurückzuführen. Kommt der richtige Boom also erst nächstes Jahr? Die Zahlen wachsen auf allen Ebenen. Die verfügbaren E-Modelle und deren Reichweite steigen stetig, ganze Serien gestalten den Weg zur elektrischen Normalität. VW hat endlich den ID.3 gelauncht und bekommt viel Applaus. Aktueller Gewinner der E-Zulassungen ist jedoch der Renault Zoe: spritzig, günstig – und in zwei Monaten lieferbar. Nun ja, die Hersteller stellen nicht ganz freiwillig auf Stromer um. Der Green Deal der EU droht mit saftigen Strafen, wenn die Autobauer die 95 g/km CO2 2021 im Flottendurchschnitt überschreiten. 2025 sind es dann 80 g/km, 2030 sind nochmal 20 g/km weniger erlaubt. Es muss also schnell gehen mit der Elektrifizierung. Damit rücken weitere Fragen zur Nachhaltigkeit in den Fokus. Wie klimafreundlich wird die Batterie hergestellt, unter welchen Bedingungen das (noch) benötigte Kobalt gefördert? Wird der Strom für die Akkus aus regenerativen Quellen gewonnen? Denn die besten Elektroautos bringen nichts, wenn für deren Antrieb Kohle verbrannt wird oder seltene Erden verschwinden.

BMW plant bis 2030 sieben Millionen E-Fahrzeuge und setzt auf einen geschlossenen Wertstoffkreislauf für Batteriezellen. Ebenso haben im August Mercedes-Benz und sein Lieferant CATL vereinbart, Batteriezellen CO2-neutral zu produzieren. Doch was passiert am Ende eines Akku-Lebens? Tatsächlich stellt das Wiederverwerten der Li-Ionen-Batterien eine ernsthafte Herausforderung dar, noch landen über 35 % auf Deponien. Das soll sich ändern: Die Marktforscher von Yole Développement sagen voraus, dass 2040 quasi alle Batterien recycelt werden – mit 26 Milliarden Dollar wiedergewonnenem Materialwert ist das, neben dem Umweltgedanken, bares Geld.

Greenwashing zieht bei Elektromobilität nicht, umstiegswillige Verbraucher fragen nach Lieferketten und Herstellungsmethoden. Denn für wen regional-saisonale Lebensmittel oder der Einkauf im Biomarkt die neue Normalität darstellen, der möchte auch im Auto echte alltagstaugliche Nachhaltigkeit spüren – ob es beim Carsharing oder im eigenen Elektro-Flitzer ist.

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