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DLR-Studie zu Corona und Mobilität

Öffentliche verlieren, Individualverkehr gewinnt an Bedeutung

29. September 2020, 15:21 Uhr   |  Gerhard Stelzer

Öffentliche verlieren, Individualverkehr gewinnt an Bedeutung
© DLR | Pexels/Anna Shvets

Nach einer Studie des DLR leiden gerade öffentliche Verkehrsmittel unter der Corona-Pandemie. Auftrieb erhält der Individualverkehr mit Autos und Fahrrädern.

Der öffentliche Verkehr verliert an Boden, die Bedeutung individueller Transportmittel, insbesondere des privaten PKW, steigt. Das sind die zentralen Erkenntnisse der zweiten Befragung des Instituts für Verkehrsforschung DLR.

Anhand einer repräsentativen Befragung von 1.000 Personen im Zeitraum von Ende Juni bis Anfang Juli 2020 hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersucht, wie sich die Corona-Pandemie mit inzwischen gelockerten Maßnahmen auf das Mobilitätsverhalten auswirkt. Eine erste Befragung hatte während des Lockdowns im April 2020 stattgefunden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen mit der zweiten Erhebung den mittel- und langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf Einstellungen und Verhalten im Mobilitätsbereich untersuchen.

Es wird kein ‚Wie davor‘ geben

»Es zeichnet sich ab, dass es ein ‚Wie davor‘ nicht geben wird. Die Frage ist vielmehr, wie die neue mobile Normalität aussehen wird. Im Ausnahmezustand erprobte Verhaltensweisen haben sich eingeprägt und beeinflussen neue Routinen«, fasst Prof. Barbara Lenz, Direktorin des DLR-Instituts für Verkehrsforschung, zusammen. Diese Veränderungen sind mit Chancen und Risiken für das Gelingen der Verkehrswende verbunden. »Die Menschen probieren umweltfreundliche Alternativen aus, nutzen zum Beispiel das Fahrrad. In einigen Städten sind sogenannte Popup-Radwege entstanden, die das unterstützen. Durch das Arbeiten im Homeoffice entfällt der Weg zur Arbeit.« Gleichzeitig fände, so Lenz weiter, eine Rückbesinnung auf individuelle, weniger nachhaltige Verkehrsmittel statt: »Das eigene Auto geht als deutlicher Gewinner aus der Corona-Krise hervor, der öffentliche Verkehr als Verlierer. Auch nachhaltige Mobilitätskonzepte wie das Carsharing sind geschwächt. Der Weg zur Verkehrswende ist dadurch weiter geworden. Denn für ihren Erfolg ist ein starker öffentlicher Verkehr notwendig. Hierauf sollte in Zukunft ein deutliches Augenmerk liegen«.

Befragte nehmen Mobilität als eingeschränkt wahr

Die Analyse von Mobilfunkdaten legt nahe, dass das Verkehrsaufkommen zum Zeitpunkt der zweiten Erhebung weitgehend das Niveau vor der Corona-Krise erreicht hat. Die individuelle Wahrnehmung der Befragten ist eine andere: 43 Prozent geben an, in den letzten sieben Tagen weniger oder sehr viel weniger unterwegs gewesen zu sein als sonst üblich. Rund die Hälfte sagt, dass sich ihr Wegeaufkommen normalisiert hat.
Die Verkehrsmittel sind unterschiedlich stark betroffen: Rund zwei Drittel geben an, genauso häufig mit Fahrrad, Auto oder zu Fuß unterwegs zu sein. Rund die Hälfte erklärt jedoch, seltener und zum überwiegenden Teil viel seltener die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Dies deckt sich mit den deutlich gesunkenen Fahrgastzahlen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

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2. Auto mit Wohlfühlfaktor, ÖPNV als Verlierer

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