Avnet Silica: Mut zur „Einfachheit“

»We Simplify Complexity«

18. Juli 2016, 10:10 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Thema Automotive

Die von Ihnen erwähnten Cloud Services bietet Avnet Silica im Zuge der IoT-Strategie an. Gibt es hierfür ein bestimmtes Set-Up?

Die Cloud Services werden auf unterschiedliche Lösungen und Anforderungen der Kunden angepasst. So hat beispielsweise eine Factory Automation ganz andere Sicherheitsbedürfnisse als ein Wearable-Kunde. Wir arbeiten gerade an Angeboten für unterschiedliche Märkte und haben dazu ein Set-Up ausgearbeitet, das wir sukzessive ausrollen wollen, und stimmen das mit Avnet TS in der Umsetzung ab.  

Wie begegnen Sie der Tatsache, dass hier zwischen IT und Automatisierung/Elektronik zwei Welten aufeinander treffen?

Dazu haben wir einen dedizierten Mitarbeiter eingestellt, der die Brücke schlägt zwischen dem IT-Ansatz und dem Hardware Ansatz, den wir verfolgen. Das Thema wird außerdem durch Avnet unterstützt. Mit Eric Williams, Vice President Internet of Things, wurde dort eine Position geschaffen, die die Brücke zwischen Avnet TS und Avnet Electronics Marketing schlägt. Er koordiniert sämtliche IoT-Aktivitäten der Avnet weltweit und ist wiederum auch das Brückenglied zwischen dem Input der Avnet Silica und Avnet EM, um für den Kunden eine passende Lösung zu erarbeiten.

Sie sprachen vorhin vom Mehrwert, den der Kontakt mit Start-Ups auch für ihre Eigenentwicklungen bringt. Was wäre das zum Beispiel?

Eine Idee, die aus dem Start-Up-Bereich kommt, ist, dass wir unsere IoT-Plattform „Visible Things“ demnächst auch Automotive-ready machen wollen. Dazu wird es eine Visible-Things-Version mit TSN-Echtzeitprotokoll geben, zum einen für typische Datenkonzentratoren bzw. Gateways und zum anderen für den Automotive-Bereich. Hintergrund ist, dass immer mehr Firmen, die bisher nichts mit Automotive zu tun hatten, über neue Technologien in den Automotive-Sektor stoßen. Diese Unternehmen wollen wir mit „Visible Things“ entsprechend unterstützen und ihnen den Einstieg erleichtern.  

TSN ist derzeit in aller Munde und gilt auch für die Kommunikation in der Fabrikautomation „Industrie 4.0“ als viel versprechend. Worin bestehen die Vorteile von TSN im Auto?

Die Verkabelung, die man heute hat, soll über Ethernet-Kommunikation ersetzt werden. Das Entertainment und die Kommunikation kann dann über Ethernet laufen und die interne Kommunikation im Auto über zwei Bussysteme und Auto SAR. Damit wir das Auto deutlich leichter, und auch die Reichweite von eCars würde sich erhöhen, denn leichtere Autos verbrauchen weniger Energie.

Damit wären wir beim Thema Automotive angelangt. Eigentlich ist der dedizierte Fokus von Avnet Silica auf Automotive noch relativ jung – aber umso erfolgreicher und demnächst auch EMEA-weit?

Lassen Sie mich hierzu etwas ausholen. Wir sind im Sommer 2014 in Zentraleuropa dediziert ins Automotive-Geschäft eingestiegen, weil Silica zu diesem Zeitpunkt einen starken Fokus auf Demand-Fullfilment hatte. Wir haben uns daraufhin entschieden, das Thema voranzutreiben, und auf die Kunden konzentriert, die damals noch nicht durch den Mitbewerb adressiert worden waren: Das waren kleinere Automotiv-Kunden und die Technologie-Treiber bei den Hersteller-Linien.

Daraus hat sich ein beträchtliches Ergebnis entwickelt, was die Design-Values betrifft, die wir gewonnen haben und die jetzt in Produktion gehen. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass das Thema Automotive nur mit einer Dedizierung gut funktioniert. Daher haben wir ein eigenes Team aufgebaut, das sich in Vertrieb, Applikation und Innendienst nur um Automotive-Kunden kümmert. Das wurde sehr gut vom Markt angenommen, so dass sich das Executive Management von Avnet Silica jetzt entschieden hat, das Thema EMEA-weit auszurollen.  

Ist der Automotive-Markt an sich nicht schon sehr gesättigt und der sprichwörtliche Kuchen verteilt?

Nein, im Gegenteil. Es gibt wie in anderen Märkten auch im Automotive-Bereich Kunden, die ihre Kernkompetenzen aufgrund neuer verfügbarer Technologien um Kommunikationsfunktionen erweitern müssen. Solche Kunden haben zum Beispiel vorher ihre Kernkompetenz in der Blechbiegung oder Verkabelungen gehabt. Jetzt müssen sie sich zum Systemlieferanten weiterentwickeln, um die Anforderungen ihres Endkunden weiter bedienen zu können.

Ungeachtet dessen wird der Anteil der Elektronik im Auto weiter steigen, wie Erhebungen des ZVEI belegen: 2014 wurden insgesamt 34,9 Mrd. Dollar im Auto verbaut. Pro Auto sind das 387 Dollar. Dieser Content wird laut ZVEI auf 430 Dollar pro Auto steigen. Insgesamt wäre das bis zum Jahr 2019 ein Volumen von 46,4 Mrd. Dollar. Ein weiterer Trend ist das „In Vehicle Network“ – hier kommt übrigens auch wieder das vorher besprochene TSN zum Tragen – und die Kommunikation des Autos mit anderen Systemen, wie anderen Autos, Ampeln, Parkleitsystemen, und so weiter. Wenn die Datensicherheit geklärt ist, wird das Thema „Autonomes Fahren“ sehr stark an Fahrt gewinnen, und hier kommen auch wieder Firmen ins Spiel, die vorher noch nicht im Automotive-Sektor tätig waren. Sie sehen, das Potenzial ist immens.  

Mit Ihrer starken Wireless-Linecard haben Sie hier sicher eine sehr gute Ausgangsposition. Wird es im Wireless-Bereich kurzfristig noch Erweiterungen geben?

Unsere Wireless-Linecard wird demnächst durch weitere Hersteller erweitert: Hinzukommen werden im Juli drei innovative Technologietreiber, mit denen wir unser Angebot in Richtung Data Analytics und Cloud erweitern können: Arkessa, Spica und Ubiquous; Spica ist unsere Schnittstelle in die IBM-Welt. Damit haben Interfaces zur SAP-, Microsoft-, IBM- und Amazon-Welt. Das heißt, wir bieten derzeit etwa 80 Prozent der Möglichkeiten, die wir dem Kunden bieten können, und sehen uns hier sehr gut aufgestellt.

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