German Edge Cloud geht an den Start

»Der Kunde hat die volle Datenkontrolle!«

1. August 2019, 13:58 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Edge-Cloud aus der Box

Warum Daten für die Cloud vorsortiert werden müssen, erklärt Ritz anhand des Schwesterunternehmens Rittal: »Rittal betreibt eines der modernsten Industrie-4.0-Werke. Alleine die Produktionslinie, die Rittal in Zusammenarbeit mit GEC aufgebaut hat, verfügt über 10.000 Datenpunkte. Für unsere Auswertungen nutzen wir derzeit nur einen Bruchteil der Daten. Würden wir alle in der Produktion anfallenden Daten einfach in die Cloud schicken, würde das Unsummen an Netzwerkkosten verursachen, und ein Teil der Daten muss sowieso direkt vor Ort ausgewertet werden. Diese Aufgaben müssen an der Edge gemacht werden.«

Also liegt die Lösung in der Cloud vor Ort, die erste Anlaufstelle vor Ort für die Datenverarbeitung. Über die Edge geht es schließlich in Richtung ERP-System, MES, Scada oder Cloud. »Die Verarbeitung der Daten erfolgt also sehr nahe an dem Ort, wo die Daten produziert werden, und in der Industrie ist das die Fabrikhalle«, führt Ritz aus.

Und warum die Datensouveränität so wichtig ist, verdeutlicht folgendes Beispiel: VW hat sich offiziell für Amazon Web Service als Cloud-Plattform für die Ausprägung einer Supply-Chain-übergreifenden digitalen Produktionsplattform DPP bzw. Industrial Cloud entschieden. Den gleichen Weg geht BMW mit Microsoft Azure und baut die Open Manufacturing Platform OPM auf. Daraufhin ergibt sich für viele Zulieferer die Frage, wie die Daten auf ihrer Seite aufbereitet werden müssen und wie sie ihr Know-how schützen und gleichzeitig die Anforderungen von VW und BMW erfüllen können. Zudem möchten die Zulieferer nicht für jeden Automobilisten jeweils eine proprietäre Daten-Plattform aufbauen müssen. Die Antwort kann in einer datensouveränen und offenen Edge-Plattform liegen, auf der die entsprechenden Supply-Chain-Daten vorbereitet sind und mittels sogenannter „Industrial Track & Trace“ anwendbar gemacht werden. Die GEC arbeitet hier mit IoTOS und SupplyOn zusammen, um eine solche Track-and-Trace-Anwendung auf der Industrial Edge-Cloud von GEC anzubieten.

Über eine weiterführende Industrial-Data-Space- (IDS-) Implementierung können die Daten transparent, souverän gemanagt und kontrolliert außerhalb des eigenen Unternehmens verteilt werden. Die German Edge Cloud arbeitet hierfür mit verschiedenen Fraunhofer-Instituten zusammen.

Edge-Cloud aus der Box

Was benötigt der Kunde für den Einstieg ins Edge-Computing mit GEC? »Genau wie ein Kunde ein Rittal-Kühlgerät kaufen kann, wird in Zukunft auch die Edge-Cloud-Box erhältlich sein«, führt André Theilig aus, Manager Business Development bei GEC. Aber auch die hat es in sich, schließlich müssen auch dabei die Anforderungen aus der Produktion umgesetzt werden. »Sobald die IT integraler Bestandteil des Produktionsprozesses ist, muss Zuverlässigkeit und Robustheit bzgl. der Verfügbarkeitsklassen abgebildet werden. Das sind andere Anforderungen als in der klassischen IT«, betont Theilig.

Die Edge-Cloud-Box ist quasi ein kleines Rechenzentrum mit echtzeitfähiger Hardware und Open-Source-Kubernetes-Cloud-Plattform, im Unterschied zum Industrie-PC, der bereits vielfach an Maschinen zum Einsatz kommt. Ebenfalls integriert ist ein Open-Source-KI-Stack, der ebenso echtzeitfähig ist. Die KI führt Machine-Learning-Anwendungen und Bottleneck-Analysen aus. »Diese Kombination habe ich so noch nicht am Markt gesehen«, erklärt Ritz. GEC bietet nicht nur die Hardware, sondern alles aus einer Hand inklusive Betrieb, wenn der Kunde das möchte.

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