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Interview ATEcare / Baugruppeninspektion

»KI ist ein Zukunftsthema mit viel Potenzial«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

"Echte" KI versus "schwammige" KI

Kommen wir zurück auf den Kitov One. Warum bezeichnen Sie diesen als eine „echte“ KI-Lösung?

Oftmals fragen Kunden, ob der Kitov über eine künstliche Intelligenz verfügt und ob neurale Netzwerke vorhanden sind. Aber was bedeuten diese immer wieder bemühten Fachbegriffe im Einzelnen eigentlich? Sogar Unternehmen, die sich intensiv mit dieser Problematik auseinandersetzen, Algorithmen hinterfragen und KI-Bereiche kennen, werfen die Frage auf, wie sich KI interpretieren lässt. Für andere Werkzeuge gibt es wiederum noch keine Fachbegriffe – ich nenne das die „schwammige“ KI. Bleiben wir bei dem Beispiel mit dem Kratzer. Dieser lässt sich unmöglich automatisch bewerten, weil er an einer bestimmten Stelle die Funktionalität beeinträchtigen und an einer anderen einfach nur unschön sein kann. Eine KI kann das nicht beurteilen. Der Kitov ist indessen mit Werkzeugen aus KI-Schmieden ausgestattet, weshalb sich hier genau festlegen lässt, welche Probleme wo auftreten können. Überdies kann der Kitov alles sehen, was ein Mensch gut erkennen kann und sogar noch etwas besser. Nimmt das Gerät ein Produkt in Augenschein, vergleicht es dieses ähnlich wie der Mensch mit einem Gutmuster oder mit hinterlegten Bilddateien. Außerdem leuchtet der Kitov wie ein Mensch eine Stelle selbstständig so lange aus, bis er den bestmöglichen Kontrast erzielt. Im Gegensatz zu einer AOI mit statischer Kamera erkennt der Kitov auch verdeckte Teile. Dazu fährt er an eine zu inspizierende Stelle heran und begutachtet diese aus verschiedenen Perspektiven. Das so gewonnene Bildmaterial vergleicht er mit CAD-Daten, Bibliotheken und hinterlegten Instruktionen. Das Gerät kann dadurch Kategorien zuordnen und den Menschen über Abweichungen informieren. Überdies lernt der Kitov vom Menschen, wie zu prüfendes Material in Prozessindikatoren wie gut, schlecht oder ‚na ja‘ einzuordnen ist. Das Gerät verfügt also über Funktionen, die als KI anerkannt werden. Andere Geräte sind hingegen mit Funktionen ausgestattet, die als clevere Algorithmen einzustufen sind, aber nicht der Definition von KI entsprechen.

Für welche Industriezweige ist das System ausgelegt?

Es gibt unzählige Einsatzbereiche für den Kitov. Aktuell können wir diese noch gar nicht überschauen, und die Kunden kommen mit immer weiteren Ideen auf uns zu. Bislang wird das Gerät zum Beispiel genutzt, um Motoren zu inspizieren oder Kunststoffspritzgussgehäuse auf feinste, für das menschliche Auge nicht mehr erfassbare Bruchstellen zu überprüft. Genauso sind komplette Gehäuse oder THT-Inspektionen machbar.

Wird der Kitov One in Deutschland schon eingesetzt und wenn ja, in welchen Anwendungen?

In Deutschland wird der Kitov inzwischen in den Bereichen Elektronik, Automotiv, Medizin und in der Computertechnologie genutzt. Also überall dort, wo hochwertige Qualitäten erforderlich sind. So kauft einer unserer Kunden beispielsweise gebrauchte PCs und Server auf, um diese einer Überholung zu unterziehen. Hier überprüft der Kitov, inwieweit zum Beispiel die Tastaturen und Gehäuse noch nutzbar sind. Ein anderes Unternehmen automatisiert damit den Inspektionsbereich bei einem Automobilisten. Im Bereich der Medizin prüft der KI-basierte Roboter Werkzeuge, die zur industriellen Fertigung von Tabletten genutzt werden. Die Pillen müssen absolut präzise geformt und unversehrt sein. Gleichzeitig werden sie mit beträchtlicher Geschwindigkeit hergestellt, weshalb die Werkzeuge einem hohen Verschleiß unterliegen. Aber auch Flugzeugturbinenschaufeln oder andere filigrane Produkte kann der Kitov inspizieren. Er kann aber auch mobil zum Einsatz kommen und daher Groß-Produkte, wie z.B. Schaltschränke kontrollieren. Die Bandbreite der zu prüfenden Produktbereiche ist somit breit gefächert.

Dennoch fehlt deutschen Unternehmen oftmals der Mut, um in die zukunftsweisende Technologie zu investieren. Wenn wir den Standort sichern wollen, müssen wir uns diesen neuen Themen annehmen und solche Technologien implementieren. Dazu gehörten auch eine gewisse Risikobereitschaft und der Wille zu Evaluieren. Wir haben bereits nachgewiesen, dass sich die erforderlichen Investitionen schnell amortisieren.

Das Interview führte Nicole Wörner. 

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