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TSMC Technology Symposium

Kampf der Automotive-Chipknappheit

04. Juni 2021, 08:11 Uhr   |  Heinz Arnold

Kampf der Automotive-Chipknappheit
© TSMC

C.C. Wei, CEO von TSMC: »ADAS und autonomes Fahren verlangen nach High Performance Computing im Auto.«

Dass TSMC den Automotiv-Chips höchste Priorität einräumt, unterstrich C.C. Wei, CEO von TSMC, auf dem diesjährigen Technology Symposium.

Hier stellte TSMC den neuen »N5A«-Prozess vor, der es erlaubt, mit Hilfe des im vergangenen Jahr eingeführten 5-nm-Prozess nun auch ICs herstellen zu können, die den besonderen Anforderungen im harschen Automotive-Umfeld genügen. Dazu mussten einige entscheidende Abwandlungen vorgenommen werden, so dass die Chips beispielsweise über den weiten Temperaturbereich verlässlich funktionieren.

Doch wozu der große Aufwand? »Gerade findet ein starker Umbruch in der Automobilbranche statt. Die Digitalisierung, die Elektrifizierung des Antriebs und die zunehmenden Anforderungen an die Sicherheit führen dazu, dass jetzt auch die neusten Prozesstechniken in das Auto Einzug halten«, sagte dazu Maria Marced, Preisident TSMC Europe, auf dem Technology Symposium. Und C.C. Wei ist überzeugt: »ADAS und autonomes Fahren verlangen nach High Performance Computing im Auto.« Mit Hilfe des neuen Prozesses erhöhe sich die Rechenleistung noch einmal deutlich. Einiges von dem, was bisher in der Cloud berechnet werden musste, kann nun im Auto vor Ort geschehen: Gegenüber Vorgängerprozess »7NA« verbessert sich die Leistungsfähigkeit um 20 Prozent, die Leistungsaufnahme um 40 Prozent und die Logikdichte um 80 Prozent.

Zudem wird das Auto künftig eine große Rolle in der vernetzten Welt spielen, wozu ebenfalls Chips erforderlich sind, die mit Hilfe der jeweils neusten Prozesstechniken gefertigt werden – nicht nur alleine mit Logikprozessen. An anderen Prozessen hat TSMC einiges anzubieten: von Analog über HF, High-Voltage, BCD-Power, nichtflüchtige integrierte Speicher, Ultra-Low-Power bis zu Bildsensoren und MEMS, die ebenfalls für Automotive essentiell sind.

Reinhard Ploss, CEO von Infineon: »Wir benötigen nicht die Leading Edge Nodes, aber TSMC investiert in die Nodes, die wir brauchen.«
© WEKA FAchmedien

Reinhard Ploss, CEO von Infineon: »Wir benötigen nicht die Leading Edge Nodes, aber TSMC investiert in die Nodes, die wir brauchen.«

Jetzt will TSMC die Fab14, in der die Chips mit Hilfe solcher Spezialprozesse – unter anderem für den Einsatz in Autos – gefertigt werden, kräftig ausbauen, um dem wachsenden Bedarf gerecht werden zu können. Zwar beträgt der Anteil der Automotive-Chips am Gesamtumsatz von TSMC nur rund 5 Prozent. Doch TSMC hält einen erheblichen Anteil an der weltweiten Fertigung von Automotive-MCUs mit eingebetteten nichtflüchtigen Speichern, die TSMC für Unternehmen wie Infineon und STMicroelectronics fertigt. »Wir benötigen nicht die Leading Edge Nodes, aber TSMC investiert in die Nodes, die wir brauchen«, erklärte Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon, der zu einer Gastrede im Rahme des virtuellen Technology Symposiums von TSMC geladen war. Auch die alte Diskussion darum, ob Foundries die benötigte Qualität liefern könnten, sei längst entschieden: »TSMC kann.«

In einem Gespräch am Rande des Technology Symposiums erklärte Maria Marced dass das Geschäft mit Automotive-ICs nicht nur wegen des technischen Bedarfs, sondern auch wegen der Auswirkungen der derzeitigen Knappheit kräftig ausgebaut werden solle: »Die Automotive-Industrie spielt in jedem großen Land, das Autos herstellt, eine wichtige Rolle als Arbeitgeber und für das Bruttoinlandsprodukt. Das ist einer der Gründe, warum wir die Automotive-Chips in diesem Jahr priorisiert haben, nachdem im vergangenen Jahr Produktionslinien zweitweise heruntergefahren werden mussten. Wir haben einen riesigen Nachfrageschub erlebt und deshalb geben wir der Versorgung der Automotive-Industrie höchste Priorität.«

Laut Maria Marced sind die Anforderungen der europäischen Kunden ganz anders als in den übrigen Weltregionen. Das liegt an der starken Stellung europäischer Unternehmen in den Sektoren Automotive, Industrie und IoT. Mit den über die kommenden drei Jahre geplanten Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Dollar »wird TSMC dazu beitragen, Europa zur Schlüsselregion in diesen Marktsektoren zu machen.«

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