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Elektronische Bauteile beschaffen

Was Kunden beim Online-Kauf beachten müssen

21. Juli 2021, 11:29 Uhr   |  Karin Zühlke

Was Kunden beim Online-Kauf beachten müssen
© Sourcengine

Michael Mühlenhoff, Sourceability »Wenn ich als strategischer Einkäufer online nach Preisen suche, bekomme ich Katalogpreise oder Distributionspreise, die mir als Einkäufer aber nur bedingt weiterhelfen. Aber sie helfen zumindest, um einordnen zu können, in welchem Preis­bereich ich mich befinde.«

Einfach online bestellen ist auch bei der professionellen Bauteilebeschaffung en vogue. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Michael Mühlenhoff, Director of Enterprise Sales EMEA von Sourceability, erläutert, worauf es ankommt.

Markt&Technik: Wo sehen Sie konkret die Herausforderungen beim Online-Einkauf?

Michael Mühlenhoff: Die Herausforderungen sind für alle nahezu gleich. Die Stoßrichtungen sind zum Teil unterschiedlich: Der eine braucht es strategischer und preisorientierter, der andere braucht Lagerware, sodass es unterschiedliche Ansatzpunkte gibt. Im Wesentlichen lassen sich die Herausforderungen aber auf fünf Punkte eingrenzen: 1. Wo suche ich? – 2. Bei wem kaufe ich? – 3. Garantie? – 4. Kosten? – 5. Qualitätssicherung und Originalität der Quelle?

Der Reihe nach: Wo suche ich als Einkäufer am besten?

Es gibt im Internet endlos viele Quellen, in denen ich suchen kann: beim Hersteller direkt, bei der klassischen Distribution, Katalogdistribution und auf dem freien Markt. Aber dabei muss ich beachten, wer die Produkte in meiner Region autorisiert vertreibt. Darüber hinaus gibt es Aggregator-Seiten jeweils für die Regionen Asien, Europa und USA, wie ICGOO, Octopart NetComponents, Find IC oder FindChips, welches u.a. zu SupplyFrame gehört und kürzlich von Siemens erworben wurde. Diese Seiten werden von unterschiedlichen Anbietern betrieben und basieren auf unterschiedlichen Business Models (Click-by-View- oder Advertisement-Prinzipien).

Und wo ordnen Sie die Sourcengine ein?

Die Sourcengine ist keine Suchmaschine wie vorher beschrieben, sie ist der führende E-Commerce-Marktplatz für elektronische Bauteile, darunter Hersteller, Franchise-Distributoren weltweit. Wenn ich auf die jeweilige Hersteller-Website gehe, finde ich nur die Produkte des Herstellers. Je nachdem wird dort auf mehrere Distributoren verwiesen. Schaue ich auf Aggregator-Seiten, zeigen diese mir alles, was am Markt verfügbar ist, allerdings muss ich mich mit meinem Account beim Lieferanten jeweils separat anmelden. Beim Hersteller kann ich wiederum nur seine bestimmten Produkte erwerben, beim Distributor kann ich ein bestimmtes Konglomerat an Bauteilen kaufen, welche er herstellerautorisiert vertreibt. Die Aggregator-Seiten zeigen unabhängig davon die Suchtreffer, wo ich die Bauteile kaufen kann. Wir zeigen Hersteller, Franchise-Distributoren sowie qualifizierte Third-Party-Anbieter aus EU, Asien und USA. Das bekommt der Kunde bei einer normalen Distributions-Anfrage nicht aufgeführt, denn er kann nur jeweils das Angebot seines Distributors in seiner Region sehen. Selbst wenn ein Distributor dieselbe Ware in einer anderen Region verfügbar hat, ist es oft schwierig, dass dieser Distributor Ware aus anderen Regionen dem Kunden per Intercompany-Transaktion zur Verfügung stellt.

Und was genau ist der Unterschied zu Octopart und Findchips?

Das Geschäftsmodell von diesen Seiten basiert auf „Click by View“. Das heißt, wenn man ein Bauteil anklickt, hat Octopart schon Geld verdient. Zum Teil sind die Daten bzw. Lagerbestände auch nicht aktuell, weil die Betreiber darauf angewiesen sind, dass die Daten von den Distributoren korrekt aktualisiert sind. Der Kunde sieht also unter Umständen einen Lagerbestand, der so gar nicht mehr vorhanden ist. Das heißt, die Suche geht für den Kunden weiter, sollte er die Ware nicht vollständig dort finden. Bei uns kann er auf einen Click sämt­liche Angebote der Hersteller, Distributoren und qualifizierten Third Parties sehen, die wir als Lieferanten gelistet haben.

Wie viele Lieferanten umfasst die Sourc­engine?

Aktuell mehr als 3000 Lieferanten, stetig steigend. Der Kunde kann seine komplette BOM oder jeweils nur einen Baustein einfach und bequem bestellen.

Wie stellen Sie sicher, dass die Be­stände aktuell sind?

Wir fragen bei den Lieferanten per API ab. Das Intervall hängt davon ab, wie uns der Lieferant die Daten zur Verfügung stellt, z.B. ein Szenario ist Früh, Mittag, Abends oder auch jede Stunde. Bei Octopart kann es passieren, dass der Stand auch mal drei Tage oder älter ist. Dieser Tage bewegt sich die Ware aber sehr schnell, weswegen eine gute Datenpflege der Plattform unumgänglich ist.

Welche Quelle ist also aus Ihrer Sicht die richtige?

Es gibt im Grunde drei Quellen: Wenn ich beim Hersteller kaufe, weiß ich, ich bekomme die Ware direkt aus den Herstellerbeständen. Kaufe ich beim Distributor, nehme ich höhere Preise in Kauf. Auf dem freien Markt habe ich noch höhere Preise und unter Umständen ein Qualitätsproblem.

In der Sourcengine ist das alles transparent dargestellt. Der Kunde kann mit einer Anfrage sehen, ob die Ware Factory Direct ist, hier haben wir z.B. Microchip und TI an Bord, oder vom Franchise-Distributor stammt oder von einer qualifizierten Third Party.

Eigentlich konsolidieren viele Her­steller ihre Vertriebskanäle. Wie überzeugen Sie die Hersteller, dennoch auf Ihre Plattform zu setzen?

Der Hersteller kann sich auf das reine Projektgeschäft mit seinem großen Distributor konzentrieren und das kleine und mittlere Geschäft u. a. auf dem E-Commerce-Marktplatz über uns abwickeln lassen. Der Hersteller will nicht wie ein Distributor fungieren, daher konsolidieren viele Hersteller sich meist auf ein Minimum an Distributoren. Das Brot- und Buttergeschäft wird über einen Webshop abgewickelt oder eben über Value Added Services wie die Sourcengine. Unser Konzept findet bei Herstellern wie Microchip und TI großen Anklang und erweitert deren digitalen Footprint.

Und wo liegen die Vorteile für den Kunden, wenn er nicht direkt im Hersteller-Web­shop, sondern über die Sourcengine kauft?

Kauft der Kunde direkt im Hersteller-Web­shop, muss er die Ware auf einmal abnehmen. Schlussendlich liegt sie dann bei ihm auf Lager. Bei uns kann der Kunde die Ware kaufen und frei nach Rolling Forecast einteilen. Wir kaufen beim Hersteller die Ware komplett zu, legen uns die Ware in einem unserer Distributionszentren auf Lager und versenden gemäß Forecast an den Kunden. Das hat natürlich deutliche Vorzüge für den Kunden.

Sie haben eingangs auch die Garantie als Herausforderung aufgezählt. Die sollte ja eigentlich gesetzlich geregelt sein.

Wenn ich beim Hersteller oder Distributor einkaufe, habe ich in der Tat die gesetzliche Garantie. Wir geben auf die Bauteile aber sogar drei Jahre Garantie. Dadurch, dass bei uns die Track & Traceability optimal gewährleistet ist, indem uns der Lieferant Daten wie Date Code, Art und Zustand der Verpackung übermitteln muss, ist dies einfach nachvollziehbar. Für alle Eventualitäten sind wir zudem mit einer Versicherung für Schadenfälle ausgestattet.

Und wo liegen die Fallstricke bei den Kosten?

Wenn ich als strategischer Einkäufer online nach Preisen suche, bekomme ich Katalogpreise oder Distributionspreise, die mir als Einkäufer aber nur bedingt weiterhelfen. Aber sie helfen zumindest, um einordnen zu können, in welchem Preisbereich ich mich befinde.

Immer wieder für Diskussionen sorgt der deutliche Preisunterschied zwischen USA, Europa und Asien.

Wir haben es in der Tat mit drei unterschiedlichen Preisregionen zu tun: Europa ist in dieser Riege eher hochpreisig; hier finden viele Design-in-Aktivitäten statt. In den USA verhält es sich heterogen und Asien gilt als Niedrigpreis-Region, weil dort viele EMS-Leistungen stattfinden.

EMS-Firmen in Europa beklagen sich – auch auf meinen EMS-Foren – immer wieder über diese Preispolitik. Woran liegt diese Preisstruktur?

Das ist herstellergesteuert. Die Hersteller rufen in Europa ein anderes Preisgefüge auf als in Asien. Das liegt schlichtweg am Kostengefälle zwischen Asien und Europa, z.B. Gehaltsaufwendungen, die abgedeckt werden müssen. Der Hersteller hat zudem hohe Entwicklungskosten, die sich amortisieren müssen, daher fährt ein Hersteller in der Regel ein gemischtes Margenmodell in den Regionen.

Wie hilft die Sourcengine dabei, das günstigste Angebot zu finden?
Es geht darum, das wirtschaftlichste Angebot zu finden, und das ist nicht immer das günstigste. Kaufe ich nur einen Baustein, können sich günstigstes und wirtschaftlichstes Angebot decken. Anders hingegen, wenn ich eine komplette BOM einkaufen möchte. Mithilfe unseres BOM Tools lassen sich bis zu 4000 Line Items hochladen. Aus der Angebotsliste kann der Einkäufer nach seinen Kriterien konsolidieren und die für ihn besten Lieferanten selektieren. Gleichzeitig kann er dadurch auch noch Prozesskosten sparen, denn er erhält in diesem Fall von uns nur eine Rechnung. Solche Vorteile vernachlässigen manche Einkäufer bisweilen. Am Ende kann so eine Konsolidierung günstiger sein, auch wenn man bei einzelnen Posten teurer einkauft.

Findet der Kunde nicht, was er sucht, kann er bei Ihnen auch eine Anfrage stellen: unter „Quote It“. Worum handelt es sich dabei genau?

Wenn der Kunde das Gesuchte nicht oder nicht vollständig bei uns findet, haben wir die Möglichkeit, die Produkte beim Distributor oder Hersteller anzufragen. Der Kunde kann seine Attribute hinzufügen, wie z.B. Verpackungswunsch, Lieferzeitwunsch und Zielpreiswunsch, und wir versuchen das zu realisieren. Der Kunde bekommt dann ein Angebot über seinen Account digital eingestellt.

Viele Webshops verlangen Kreditkarte oder Vorauskasse, was für den Einkauf eher schwierig ist. Wie halten Sie das bei der Sourcengine?

Bei der Sourcengine hat der Kunde verschiedene Möglichkeiten: Er kann per Kreditkarte, Vorauskasse oder klassisch per Rechnung bezahlen.

Schlussendlich ist die Qualität der Ware ein wichtiges Einkaufskriterium, das bisweilen zur Herausforderung wird. Wie stellen Sie bei über 3000 Lieferanten die Qualität der Ware sicher?

Beim Hersteller versteht es sich in der Regel von selbst, dass die Ware qualitativ einwandfrei ist. Aber auch da kann es immer mal zu Qualitätsproblemen kommen. Ein Beispiel ist die fehlerhafte Verklebung des Gehäuses mit dem Die beim Packaging-Prozess, so bei einem bekannten Halbleiterhersteller geschehen. Der Distributor bekommt seine Ware im Normalfall direkt vom Hersteller, also sollte es auch hier im Regelfall keine Probleme geben.

Bei den Third Parties zeigen wir nur Ware auf der Sourcengine, deren Prüfung hinsichtlich der Track & Traceability gewährleistet wird. Darüber hinaus durchläuft jeder Wareneingang eine bis zu dreistufige Qualitätskontrolle, um zu überprüfen ob alle Standards eingehalten werden. Ist beispielsweise beim Wareneingang das Dry Pack geöffnet, dann kommt die Ware gar nicht zum Kunden, weil sie nicht den Qualitätsstandards des Herstellers entspricht. Es wird geklärt, ob diese von uns oder dem Kunden gebacken werden muss bzw. ob diese überhaupt noch verwendet werden kann. Möchte zum Beispiel ein EMS Ware verkaufen oder seinem OEM zur Verfügung stellen, dann prüfen wir im Vorfeld die Track and Traceability. Der Kunde sieht dies dann als Bestand von einer Qualified Third Party, von seinem eigenen EMS zum Beispiel.

Das heißt, der Bestand von EMS und OEM können über die Sourcengine auch miteinander verknüpft werden?

Korrekt. Wir haben die Möglichkeit, EMS und OEM in einem Account zu verknüpfen. Wir können theoretisch auch Hersteller und Distributor digital einbinden und ohne Integrationsprobleme. Wenn der OEM eine Anfrage schickt, können wir das theoretisch an den Hersteller weiterleiten, der autorisiert den EMS zum Kauf, und wenn der Hersteller die Quotation über seinen Disti machen möchte, können wir auch diesen integrieren.

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