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Wegen Stromknappheit in China

Lieferkette neuerlich in Gefahr

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© Wetzkaz/stock.adobe.com

Weil die chinesische Zentralregierung strengere Vorgaben beim Energiebedarf macht, wird ganzen Industriezweigen dort der Strom abgedreht. Dadurch könnte die Lieferkette ausgerechnet vor dem Weihnachtsgeschäft wieder instabil werden, wie die Nikkei Asia berichtet.

Mehrere wichtige Zulieferer beispielsweise von Apple und Tesla haben die Produktion in einigen ihrer chinesischen Werke gestoppt. Dies berichtet die Nikkei Asia. Dies könnte erneut die globale Technologie- und Automobil-Lieferkette erschüttern, die bereits unter beispiellosen Engpässen bei Chips und anderen elektronischen Bauteilen gelitten hat und noch immer von Ausfällen durch Covid-19-Varianten in Vietnam und Malaysia betroffen ist.

Chinas rigoroses Vorgehen gegen den Energiekonsum hat mehrere Gründe: steigende Preise für Kohle und Erdgas, Pekings Bemühungen um eine Senkung der Emissionen und ein Anstieg der Energienachfrage. Peking hat in letzter Zeit verstärkt Provinzen wie Liaoning, Jilin und Heilongjiang ins Visier genommen hat, weil diese es versäumt hätten, ihren gesamten Energiekonsum zu senken. Andere Provinzen wie Jiangsu, Zhejiang und Guangdong, in denen viele Technologieunternehmen ansässig sind, unterliegen ebenfalls Beschränkungen für die industrielle Stromversorgung.

Überbrücken mit Lagerbestand

Eson Precision Engineering, eine Tochtergesellschaft von Foxconn – dem weltgrößten iPhone-Montagebetrieb – und ein wichtiger Zulieferer mechanischer Teile für Tesla, hat am Sonntag mitgeteilt, dass es seine Fertigung in seinen Werken in Kunshan (Provinz Jiangsu) von Sonntag bis Freitag aussetzen werde. Dies sei eine unmittelbare Reaktion auf die Politik der Stadt, die Stromzufuhr für die industrielle Nutzung einzustellen. »Das Unternehmen wird seinen Lagerbestand nutzen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, während die Fertigung ruht«, so Eson in einer Mitteilung an die taiwanesische Börse. »Wir gehen davon aus, dass wir die Produktion an den Wochenenden oder in den anstehenden Ferien sicherstellen können, um die Nachfrage der Kunden zu bedienen.«

Unimicron Technology, ein großer Hersteller von Leiterplatten und wichtiger Apple-Zulieferer, teilte mit, dass auch seine Tochtergesellschaften in Suzhou und Kunshan die Fertigung von Sonntagmittag bis Ende des Monats einstellen müssten. Das taiwanesische Unternehmen teilte mit, dass es Fertigungskapazitäten in seinen anderen Standorten aktivieren werde, um die Auswirkungen abzufedern, wie es am Sonntag an der Börse mitteilte.

Die Concraft Holding, ein Zulieferer von Lautsprecherkomponenten für das iPhone, der Werke in Suzhou besitzt, teilte in einem Börsenbericht mit, dass er die Produktion für fünf Tage bis Donnerstagmittag aussetzen und seine Lagerbestände nutzen werde, um die Nachfrage zu decken.

Der iPhone-Montagebetrieb Pegatron, der sowohl in Kunshan als auch in Suzhou große Produktionsstätten betreibt, teilte gegenüber Nikkei Asia am Sonntagabend mit, dass seine Anlagen im Moment wie gewohnt liefen. Aber es seien bereits Stromaggregate für den Fall vorbereitet, dass das Unternehmen weitere Mitteilungen von den Stadtverwaltungen erhalte.

Die Werke von Foxconn in Longhua, Guanlan, Taiyuan und Zhengzhou, dem weltgrößten Produktionszentrum für iPhones, waren nach Angaben von zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen am Sonntag bislang noch nicht von den Einschränkungen bei der Stromversorgung betroffen.

Auch Halbleiter betroffen

Mehrere wichtige Dienstleister für das Packaging und Testen von Halbleiterchips, die Intel, Nvidia und Qualcomm beliefern, erhielten ebenfalls die Aufforderung, die Produktion in ihren Anlagen in Jiangsu für mehrere Tage auszusetzen, wie Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, gegenüber Nikkei Asia erklärten.

Chang Wah Technology, ein führender Hersteller von Werkstoffen für Chipgehäuse, der NXP, Infineon und ASE Tech Holding beliefert, teilte am späten Sonntag in einem Börsenbericht mit, dass er der Aufforderung der Regierung nachkommen müsse, die Produktion vom Abend des 26. September bis zum Monatsende einzustellen.

Viele kleine und mittlere Unternehmen haben die Energiekrise ebenfalls zu spüren bekommen, da die lokalen Regierungen versuchen, Pekings neue Richtlinien umzusetzen. »Auch wir haben eine Mitteilung erhalten, dass der Strom vom 25. bis 28. September jeden Tag von 8 Uhr morgens bis Mitternacht abgestellt wird«, so ein in Dongguan ansässiger Elektroniklieferant gegenüber Nikkei Asia. »Wir konnten unsere Mitarbeiter in der Produktion nur bitten, Nachtschichten einzulegen, um einige Produkte schnell ausliefern zu können.«


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