Vom 5. bis 7. Mai 2026 bringt die MedtecLIVE die Medtech-Zulieferer und -Hersteller wieder in Stuttgart zusammen. Was die Medizintechnik-Community 2026 erwartet, wie der Branchen-Treffpunkt punktet und welche Themen Besuchern und Aussteller bewegen, verrät Veranstaltungsleiterin Silke Ludwig.
Die MedtecLIVE auf einen Blick
Silke Ludwig: Zunächst einmal: wir sind gut gebucht und freuen uns in diesem Jahr auf rund 300 Aussteller auf den Fildern. Unser großes Plus ist die gute Mischung aus Gemeinschaftsständen der großen Verbände wie Medical Mountains, VDMA, Bayern Innovativ sowie VDWF und auch neuen Partnern wie dem Kunststoff-Netzwerk Franken. Italien ist dieses Jahr das erste Mal mit einem Stand von über 10 Ausstellern vertreten, auch der Schweizer Medizintechnikverband SwissMedtech ist wieder mit einem schönen Gemeinschaftsstand und über 15 Firmen vor Ort. Neben den deutschen Netzwerken möchten wir auch den europäischen Fokus der MedecLIVE weiter stärken – so erwarten wir u.a. auch Besucherdelegationen aus Tschechien, den Niederlanden und Irland.
Aber ja, gerade die deutschen Zulieferer stehen aktuell unter Druck. Unsere Aussteller aus dem Werkzeug- und Formenbau z.B. arbeiten nicht ausschließlich für die Medizintechnik, sondern auch für Branchen wie die Automobilindustrie oder die Automatisierungstechnik. Und genau dort läuft es im Moment einfach nicht rund – das spüren diese Unternehmen natürlich unmittelbar. Für diese oft kleinen und mittelständischen Unternehmen spielen die Gemeinschaftsstände eine große Rolle. Bei den reinen Medizintechnikzulieferern läuft es aus unserer Sicht sehr stabil, und das sind gute Nachrichten.
Der wichtigste Unterschied ist, dass es mit der Medica und Compamed in Düsseldorf und der WHX in Dubai jetzt zwei große internationale Medizintechnikmessen gibt. Daneben geht der Trend aber eher zu kleineren, kuratierten Plattformen und spezifischen Kongressen – wo nicht unbedingt das Verkaufen, sondern der Wissensaustausch und mögliche Partnerschaften im Vordergrund stehen. Für viele unserer Aussteller, die branchenübergreifend tätig sind, können zusätzlich auch weitere Industriemessen interessant sein. Wir bewegen uns da in einem sehr vielfältigen Umfeld.
Das sagen die Aussteller - Psilkon
Psilkon ist von Anfang an dabei – und das im wörtlichen Sinne: Für das auf Silikonformteile und Mikroventile spezialisierte Unternehmen war die erste MedtecLIVE 2019 auch der erste eigene Messeauftritt nach der Firmengründung. Seitdem ist das unterfränkische Team um Geschäftsführer Philipp Metz jedes Jahr zurückgekehrt: Auf dem Messeparkett wurden nicht nur Kontakte und Kooperationen geknüpft; neben einem wachsenden Kundenportfolio entstanden auch direkte Geschäftsabschlüsse. Mit der Lage Stuttgarts im Herzen einer der wichtigsten Medizintechnik-Regionen Europas und in direkter Nähe zu Frankreich und der Schweiz, punktet der Zulieferertreffpunkt für Philipp Metz vor allem mit seinem Messekonzept: »Das Team der MedtecLIVE geht auf die Wünsche der Aussteller ein – und das ist eine Seltenheit.« Fachlich schätzt Psilkon eine auf anderen Messen rare Kombination:
»Wir treffen auf der MedtecLIVE nicht nur die Entscheider, sondern auch die Entwickler der jeweiligen Medizinprodukte – das macht den Unterschied.«
Philipp Metz, Psilkon
Wir sind zu 100 Prozent Medizintechnik – mit einem klaren Fokus auf Zulieferer und Hersteller aus Deutschland und Europa. Auf einer kompakten Veranstaltung wie der MedtecLIVE können Besucher ‚mit ein paar Schritten‘ die ganze Wertschöpfungskette entdecken; das Produkt, die Maschinen, die Materialien. Und so ganz spezifisch und effizient neue Firmen kennenlernen und Projekte anbahnen. Das fängt am Stand an: Auf der MedtecLIVE sind nicht nur Vertriebler, sondern auch Produktentwickler, Qualitätsmanager oder eben auch der Eigentümer oder Geschäftsführer vor Ort. Auf fachlicher Augenhöhe lassen sich konkrete Probleme, Ideen und neue Lösungen am besten diskutieren.
Über die Gemeinschaftsstände, die Netzwerkabende und unser Rahmenprogramm wollen wir zudem unser nationales und europäisches Ökosystem unterstützen, gerade auch die KMUs. Viele dieser Unternehmen sind hochspezialisiert, innovativ und zum Teil echte »Hidden Champions« in ihren jeweiligen Fachbereichen: Uns ist wichtig, dass wir neben der eigentlichen Messe auch die Community stärken.
Und das zu Recht, aus vielen guten Gründen. Aber wir dürfen bei all der Begeisterung nicht vergessen, dass Europa der zweitstärkste Markt für die Medizintechnik ist, innerhalb von Europa ist es Deutschland. Und ein Großteil dieser Firmen sind kleine und mittelständische Unternehmen, oft noch eigentümergeführt. Die eigentlichen Herausforderungen – von Regulatorik und Bürokratie bis hin zu Fachkräftemangel, Kostendruck und der Digitalisierung in Kleinstbetrieben – werden auf einer WHX nicht gelöst. Und die großen strukturellen Themen, vor denen wir in Europa stehen, lassen sich eben nicht in Dubai regeln.
Auch der Generationenwechsel eigentümergeführter Unternehmen spielt eine Rolle. Auf der MedtecLIVE, wo viele Aussteller die Unternehmen und Besucher um sich herum persönlich kennen, ist auch die Zeit und der Raum vorhanden, über den Messe-Small-Talk hinaus zu fragen: ‚Mensch, wie geht’s dir wirklich? Ich hab‘ gehört der Nachwuchs übernimmt nicht …‘. Das ist, was die MedtecLIVE ausmacht. Hier wird das wirklich nachhaltige Geschäft gemacht, z.B. über regionale Partnerschaften und Kooperationen. Viele der Unternehmen, mit denen ich spreche, verspüren eine große Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und ihrer Region.
Das sagen die Aussteller - LLT Applikation
Auch LLT Applikation aus Thüringen ist seit der ersten MedtecLIVE als Aussteller vertreten. Für den auf Lasermikrobearbeitung spezialisierten Zulieferer ist der Standort Stuttgart dabei das entscheidende Argument. Geschäftsführer Benjamin Wagner sagt: »Für ein Medizintechnikunternehmen aus Tuttlingen ist ein Halbtagesbesuch in Stuttgart möglich – woanders eben nicht.« Das Resultat: Die Hersteller schickten keine einzelnen Entscheider, sondern oft auch mehrere Entwickler auf die Messe. Für Wagner punktet die MedtecLIVE außerdem mit dem klaren Fokus auf das deutschsprachige und mitteleuropäische Zuliefernetzwerk – für LLT als Mittelständler der deutlich wichtigere Markt. Dazu überzeugt ihn auch, was zwischen den Messetagen passiert: Das Team der MedtecLIVE pflege das Netzwerk aktiv und sorge auch zwischen den Messeterminen für einen regen Austausch der Branche.
Dass die Messebegegnungen echte Resultate bringen, hat er selbst erlebt: 2022 entdeckte ein Stent-Hersteller aus Baden-Württemberg den Stand von LLT schlicht im Vorbeigehen – ein ungeplanter Moment, aus dem später zwei Spezialmaschinen und eine langfristige Kundenbeziehung wurden. Online schlicht undenkbar.
»Unsere Kunden, unsere Zulieferer, unserer Partner – so einen Austauschort, den braucht unsere national geprägte Branche einfach.«
— Benjamin Wagner, Geschäftsführer LLT Applikation
Oh ja, das gibt es mehrere erfolgreiche Beispiele. Ganz plastisch lässt sich das an der Produktionsstraße zeigen, die wir 2022 auf der MedtecLIVE in Stuttgart aufgebaut hatten. Diese sechs Unternehmen, die sich damals zusammengefunden hatten, sind in der Folge eine bis heute bestehende Kooperation eingegangen – und weiterhin alle als Aussteller bei uns in Halle 3 an Bord. Wir werden 2026 also eine mobile Version der Fertigungsstraße mit allen Produktionsschritten auf dem Messeflur haben, sozusagen als Walking Act. Die Partner vermarkten sich gemeinsam und werden, basierend auf der Kooperation – das kann ich schon verraten – ein richtig cooles Giveaway produzieren und so ihre jeweiligen Kompetenzen über die Wertschöpfungskette zeigen.
Ein Aussteller hat mir mal erzählt, wie wichtig er diesen Austausch zwischen den KMU auf der MedtecLIVE findet, den finde er woanders nicht in dieser Art. Es geht für die kleineren Firma auch ein Stück weit darum, »Wie komme ich im Haifischbecken der Großen zurecht«; was müssen diese Firmen machen, was funktioniert, um weiterhin – auch international – wettbewerbsfähig zu bleiben? Eine Kooperation, mit einem gemeinsamen Produkt als Output, ist ein guter Weg.
Das sagen die Aussteller - Gindele
Matthias Gindele kennt die MedtecLIVE nicht nur als Aussteller: Der Geschäftsführer der Gindele GmbH sitzt auch im Fachbeirat der Messe. Das knapp 60-köpfige Unternehmen aus Neuhausen bei Pforzheim ist auf hochpräzise Kunststoffspritzgussteile für die Medizintechnik spezialisiert – und lebt auf der MedtecLIVE vor, was echte Vernetzung bedeutet. Gemeinsam mit fünf weiteren Zulieferern bildet Gindele das Netzwerk MedtechFORCE, das auf der Messe eine vollständige Fertigungsprozesskette zeigt: vom Rohteil über Laserkennzeichnung und Ultraschallreinigung bis zur sterilen Verpackung. Was als spontane Idee am Messestand entstand, ist heute eine belastbare Kooperation, die weit über die Messehallen hinausreicht – und zeigt, was die MedtecLIVE für den Mittelstand leistet. Gindele sagt: »Messen sind für uns viel mehr als Präsentationsflächen. Sie sind Orte, an denen Vertrauen entsteht, an denen man Partner findet und gemeinsam über die eigentliche Veranstaltung hinausdenkt.«
»Die MedtecLIVE verbindet unternehmerische Stärke mit regionaler Zukunft. Hier entstehen Netzwerke, Aufträge und Verantwortung – dafür stehen wir Unternehmer mit voller Überzeugung und Herzblut ein.«
— Matthias Gindele, Geschäftsführer Gindele
KI und die Digitalisierung sind sehr wichtig, wir entwickeln diesen ‚Elektronik‘-Komplex auf der MedtecLIVE weiter und bauen hier Stück für Stück aus. Inhaltliches Zugpferd ist derzeit vor allem das Rahmenprogramm. Die Keynote von Prof. Dr. Tobias Gantner wird sich dieses Jahr um den »Zukunftsröntgenblick« drehen, er wird sich darin konkret anschauen, was dies für die Medizintechnik und auch runtergebrochen für die Zulieferer und Hersteller bedeutet. Dazu gibt es eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Medizintechnik mit Dr. Meinrad Lugan vom BVMed. Das Thema Digitalisierung mit Cybersecurity oder auch Smart Health und Smart Production zieht sich durch das gesamte Programm, sowohl bei den Vorträgen wie auch den Guided Tours. Zukünftig wollen wir weitere Aussteller aus dem Bereich gewinnen, das ist eines unserer Wachstumsfelder.
Jetzt blicken wir erstmal gespannt auf eine erfolgreiche Messe 2026; das Netzwerken, das bunte Treiben an Besuchern und Ausstellern vor Ort, die gemeinsame Freude, wenn sich die Tore öffnen. Nach den Jahren der Neuausrichtung – Stichwort T4M – steht unsere Strategie fest. Für die MedtecLIVE heißt der Weg Europa, alle zwei Jahre in Stuttgart und damit mittendrin im Herzen der Medizintechnikhersteller.
MedtecLIVE - 5. bis 7. Mai 2026 - Landesmesse Stuttgart