In Nürnberg demonstrierte Advantech mit dem AIMB-234 u.a. , wie Intels Core Ultra Series 3 mit integrierter NPU und bis zu 180 Platform-TOPS Edge-KI in kompakte bildgebende Medizingeräte bringt – und wie ein einziges USB-C-Kabel klinische Displays mit Bild, Touch, Audio und Strom versorgt.
Auf der Embedded World 2026 zeigte Advantech, wie sich leistungsfähige Embedded-Systeme in der medizinischen Bildgebung und Robotik noch eleganter integrieren lassen. Im Gespräch mit Christoph Kühn, Medical-Experte bei Advantech Europe, standen zwei Plattformen im Vordergrund: das Intel AIMB-234 und die AMD Ryzen AI P100 Series – beide mit dem gemeinsamen Ziel, Medizingeräteentwicklern Bauraum, Kabel und Zertifizierungsaufwand zu sparen.
Für Medizintechniker war das Kernstück des Messeauftritts das AIMB-234 im Mini-ITX-Formfaktor (170×170 mm), das auf Intels Core Ultra Series 3 (Codename: Panther Lake) basiert und speziell für mobile medizinische Geräte ausgelegt ist. Der Prozessor integriert CPU, eine Xe3-basierte Intel Arc GPU und eine dedizierte NPU auf einem einzigen Chip und ermöglicht damit bis zu 180 Platform-TOPS für Edge-AI-Workloads. Live am Stand demonstrierte eine Echtzeit-Inferenz auf endoskopischen Videostreams die praktische Leistungsfähigkeit – inklusive einer KI-Objekterkennungs-Demo.
Das auffälligste Systemmerkmal war die USB-C-Integration: Das AIMB-234 versorgt den zugehörigen USB-C-Touch-Monitor von Advantech über ein einziges Kabel, das gleichzeitig Videosignal, Touch-Eingabe, Audio und Stromversorgung überträgt. Ein separates Netzteil am Display entfällt damit vollständig. Für Medizingeräteentwickler bedeutet das weniger Kabelstränge, weniger EMV-Risiko, einfachere Reinigung – und in zugelassenen Produkten einen reduzierten Prüfaufwand für Peripherie.
Neben der CPU-Plattform bietet das AIMB-234 eine vollständige Entwicklungsbasis: Über zwei M.2-Steckplätze lassen sich direkt auf der Platine eine NVMe-SSD sowie ein WLAN/Bluetooth-Modul bestücken; auf konventionelle Festplatten kann verzichtet werden. Die I/O-Seite umfasst USB, USB-C, DisplayPort, Gigabit-Ethernet und Audio. Die hohe Rechenleistung erfordert aktive Kühlung, was beim späteren Gehäusedesign zu berücksichtigen ist: Advantech übernimmt auf Kundenwunsch den Aufbau eines passgenauen Gehäuses inklusive Netzteil – angepasst an Luftstrom, Lüfterausrichtung und Bauraum des jeweiligen Medizinprodukts.
Ergänzend zeigte Advantech das ARK-2252, einen fanless Edge-Box-PC auf gleicher Panther-Lake-Basis: mit vier GbE-Ports, sechs seriellen Schnittstellen, CAN-Bus und dreifachem 4K-Display-Ausgang – für Anwendungen, die mehr Konnektivität und einen geschlossenen Formfaktor erfordern.
Neben dem Intel AIMB-234 zeigte Advantech am Stand die AMD Ryzen AI Embedded P100 Series als Plattform für anspruchsvolle Edge-AI-Anwendungen – eingebaut in das eigene COM-Express-Compact-Type-6-Modul SOM-6874. Die Prozessoren ermöglichen 3D-Bildgebung für Ultraschall und Endoskopie sowie KI-gestützte Gewebeklassifizierung und Tumordetektion am Edge – auf Basis etablierter Modelle wie U-Net, nnU-Net und MONAI. Darüber hinaus beschleunigt die Plattform Bild-zu-Befund-Workflows mit MedSigLIP und unterstützt klinische Entscheidungsassistenz mit Med-PaLM 2. Healthcare-OEMs können so Bildgebung, KI-Analyse und Befunderstellung auf einer einzigen, langzeitstabilen x86-Embedded-Plattform konsolidieren. Weitere adressierte Anwendungsfelder am Stand umfassten chirurgische Robotik, AOI (Automated Optical Inspection), autonome Roboter für die Kliniklogistik sowie medizinische Roboterarme.
Für den Einsatz in zugelassenen Medizinprodukten bietet Advantech mit der PAX-3-Serie normkonforme chirurgische Monitore in Größen von 24 bis 55 Zoll, die DICOM-Part-14-konform, IPX-geschützt und mit glatten, nahtlosen Oberflächen zur gründlichen Desinfektion ausgestattet sind. Das gehärtete, spiegelungsfreie Glas widersteht Kratzern, Stößen und häufigen Reinigungsmitteln; die geschützten Anschlüsse minimieren das Kontaminationsrisiko im OP. Die Monitore unterstützen bis zu vier simultane Videostreams (Multi-View, PiP, PbP), SDI-Konnektivität für latenzarme Übertragung und sind für endoskopische, CT-gestützte und roboterassistierte Eingriffe ausgelegt. Die neueste Erweiterung der Serie, der PAX-3D, bringt echte stereoskopische 3D-Bildgebung via 3D-Brille in den OP und soll Tiefenwahrnehmung, Hand-Auge-Koordination und räumliche Präzision bei komplexen Eingriffen verbessern.
In Kombination mit dem AIMB-234 oder der AMD P100-Plattform kann so ein vollständig aufeinander abgestimmter Medical-Stack entstehen: Der Medizingerätehersteller verbindet einen bereits zertifizierten Monitor mit seiner Software und seinem Gesamtgehäuse – und reduziert damit den eigenen Zulassungsaufwand messbar. Aktives Product Change Notification (PCN)-Management stellt dabei sicher, dass Bauteilabkündigungen weder Zulassung noch Betrieb gefährden – für Medizintechnikhersteller ein oft unterschätzter, aber kritischer Aspekt der Investitionssicherheit. (uh)