Leichterer Einstieg schnellerer Workflow

Innovationen mit KI-Unterstützung beschleunigen

10. März 2026, 14:30 Uhr | Andreas Knoll
Mario Fleischmann, Lauterbach: »Unser Chatbot ebnet den Weg für noch bessere KI-Unterstützung im ganzheitlichen Hardware-Debugging-Workflow.«
© Lauterbach GmbH

Lauterbach, Anbieter von Debug- und Profiling-Tools, zeigt auf der embedded world 2026 erstmals seinen neuen Chatbot, der das Leben für Embedded-Entwickler, die mit Lauterbachs »TRACE32«-Software arbeiten, dank KI erheblich vereinfachen und beschleunigen soll.

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Mit immer komplexeren und leistungsfähigeren Chips steigen auch die Anforderungen an Entwicklungstools: Datenblätter für High-End-SoCs können mittlerweile mehrere tausend Seiten umfassen. Ein Alleinstellungsmerkmal von Lauterbachs TRACE32-Debug- und -Profiling-Tools besteht darin, alle noch so komplexen Chips sämtlicher Hersteller zu unterstützen, was sich in einem wachsendem Feature-Set und daraus abgeleitet einer immer umfangreicheren Dokumentation niederschlägt.

Mit einem neuen KI-Chatbot, dem Lauterbach zufolge ersten in der Tool-Industrie überhaupt, will das Unternehmen die steigende Komplexität im täglichen Umgang mit seinen Tools reduzieren. Der in Höhenkirchen bei München ansässige Tool-Anbieter hat dabei vor allem zwei Use-Cases im Fokus: Den Einstieg für neue Entwickler bei seinen Kunden zu vereinfachen und zu beschleunigen sowie die fortlaufende Unterstützung im Entwicklungs-Workflow.

Philipp Foth, AI-Engineer bei Lauterbach
Philipp Foth, Lauterbach: »Der Chatbot macht den Einstieg für neue Entwicklerinnen und Entwickler schneller und einfacher.«
© Lauterbach GmbH

Einen typischen Anwendungsfall erklärt Philipp Foth, AI-Engineer bei Lauterbach: »Neue Entwickler bei unseren Kunden bekommen bestehende Scripte in unserer mächtigen Sprache PRACTICE auf den Tisch und die Aufgabe, diese zu erweitern oder zu verändern. Dazu müssen sie aber erstmal verstehen, was ihre Kollegen da überhaupt programmiert haben. Natürlich konnten sie das auch bislang schon anhand der umfangreichen TRACE32-Dokumentation Schritt für Schritt nachvollziehen, aber nunmehr fragen sie einfach den Chatbot ‚I have received a PRACTICE script and don’t know what it does‘ und bekommen eine umfangreiche Analyse, welche Programmzeilen was genau tun.« Schaubild 1 zeigt die Ausgabe für ein PRACTICE-Script, das den Flash-Speicher eines Mikrocontrollers programmiert.

Der neue Chatbot von Lauterbach für die TRACE32-Software.
Der neue Chatbot von Lauterbach für die TRACE32-Software.
© Lauterbach GmbH

Den zweiten Anwendungsfall sieht Lauterbach in der täglichen Arbeit auch bei erfahrenen Entwicklern. Mario Fleischmann, Embedded Systems Engineer bei Lauterbach, erklärt: »TRACE32 bietet zahlreiche Features, die die Fehlersuche erheblich erleichtern können. Unser KI-Assistent kann dabei helfen, die relevanten Features für den aktuellen Use-Case zu identifizieren.« Entwickler können derartige Aktivitäten zwar schon heute über die TRACE32-GUI oder die Kommandozeile vornehmen, wozu sie aber die entsprechenden Befehle im Kopf haben und diese dann auch noch fehlerfrei eintippen müssen. Wenn sie stattdessen dem Chatbot beispielsweise sagen: »I want to set a conditional breakpoint that only triggers when register x10 is 15 (decimal)« bekommen sie auf Basis der umfangreichen TRACE32-Dokumentation nicht nur den entsprechenden Befehlstext einschließlich Syntaxcheck zurückgeliefert (Schaubild 2), sondern können in der Chatbot-App sogar per Knopfdruck die Ausführung in der TRACE32-Software automatisch starten.

Hintergrundinformationen

Schaubild 1: KI-Chatbot von Lauterbach erklärt Programmier-Scripte.
Schaubild 1: KI-Chatbot von Lauterbach erklärt Programmier-Scripte.
© Lauterbach GmbH

Lauterbachs Chatbot lässt sich als agentenbasiertes RAG-System (retrieval-augmented generation) kategorisieren. In der Praxis bedeutet dies, dass er drei wichtige Fortschritte bei modernen Large Language Models (LLMs) nutzt, um komplexe Arbeitsabläufe zu unterstützen, wie etwa das Debugging und Profiling mit TRACE32-Tools:

1. Der Aufruf von Tools ermöglicht es dem LLM, mit externen Ressourcen zu interagieren. So kann der Chatbot beispielsweise die offizielle TRACE32-Dokumentation durchsuchen oder generierte PRACTICE-Skripte (die Lauterbach-eigene Scriptsprache) auf Syntaxfehler validieren.

2. Lange Kontextfenster ermöglichen es, dem LLM umfangreiche Teile der technischen Dokumentation zur Verfügung zu stellen, die er analysieren kann, um relevante Informationen zu extrahieren.

3. Verbesserte Fähigkeiten in puncto Ziehen von Schlussfolgerungen ermöglichen es dem Modell, mehrstufige Probleme zu zerlegen und Entscheidungen auf der Grundlage von Zwischenergebnissen zu treffen.

Auf Basis dieser Fähigkeiten führt der Chatbot für jede Benutzeranfrage eine strukturierte sogenannte »Agent Loop« aus. Das LLM wertet die Anfrage aus, bestimmt, welche Informationen aus der Dokumentation abgerufen oder welche Tools aufgerufen werden sollen, und wiederholt diesen Prozess, bis er eine akzeptable Antwort generieren kann.

Fazit

Schaubild 2: Der Chatbot liefert Befehle, um bestimmte Aktionen auszuführen, und startet diese auf Wunsch aus Knopfdruck in Lauterbachs TRACE32-Software.
Schaubild 2: Der Chatbot liefert Befehle, um bestimmte Aktionen auszuführen, und startet diese auf Wunsch aus Knopfdruck in Lauterbachs TRACE32-Software.
© Lauterbach GmbH

Mit dem KI-Chatbot will Lauterbach die Lücke zwischen statischer Dokumentation und interaktiver technischer Unterstützung durch sein Service-Center schließen. Zukünftige Pläne umfassen, die TRACE32-Expertise des Chatbots auch für ganzheitliche KI-Agenten-Workflows verfügbar zu machen, die in der Lage sein werden, die gesamten Hardware-Debugging-Entwicklung zu unterstützen, etwa durch die Integration von Expertise über das Zielsystem / den Chip.

Die neue KI-Software ist ab sofort für ausgewählte Lauterbach-Kunden mit aktivem Wartungsvertrag auf Anfrage kostenlos erhältlich. Das erste Release ist eine Webanwendung, eine weitere Variante in Form einer eigenen Chatbot-App ist geplant.

Lauterbach auf der embedded world 2026: Halle 4, Stand 210


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