4,6 Mio. Euro für IP-Firma aus Dresden Deutscher Startup will neuen Speicher-Standard setzen

Weil sich die FeFETs sehr gut auf Controllern und SoCs im Megabit-Kapazitätsbereich integrieren lassen, möchte sich FMC über die kommenden Jahre auf den Markt für eingebettete Speicher konzentrieren, sie als IP anbieten und an den Lizenzgebühren verdienen.
Weil sich die FeFETs sehr gut auf Controllern und SoCs im Megabit-Kapazitätsbereich integrieren lassen, möchte sich FMC über die kommenden Jahre auf den Markt für eingebettete Speicher konzentrieren, sie als IP anbieten und an den Lizenzgebühren verdienen.

Bisher fehlte IoT-Controllern der optimale eingebettete, nichtflüchtige Speicher. Das Dresdner Startup-Unternehmen FMC will ihn jetzt gefunden haben.

Worum sich auch große IC-Firmen bisher vergeblich bemüht haben, das scheint FMC jetzt zu realisieren: nichtflüchtige Speicher effektiv in Controller einbetten und so dem IoT-Markt damit zusätzlich Schub geben.

Die Argumente des 2016 gegründeten Unternehmens, das sich stolz „The Ferroelectric Memory Company“ (FMC) nennt, dies schaffen zu können, sind offenbar gut: 4,6 Mio. Euro steckt jetzt eine Investorengruppe unter Führung von eCapital entrepreneurial Partners und mit Beteiligung des Bestandsinvestors High-Tech Gründerfonds (HTGF) in das Unter- nehmen. »FMC hat das Potenzial, mit ihren auf den FeFETs basierenden FeRAM einen neuen Industriestandard zu setzen«, ist Willi Mannheims, Managing Partner von eCaptial, überzeugt.

Mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde soll die Technik schnell zur Fertigungsreife gebracht werden. »Dazu wollen wir jetzt neue Mitarbeiter einstellen; das Ziel besteht darin, bald erste Speichermakros öffentlich vorstellen zu können«, sagt Dr. Stefan Müller, Co-Founder CEO von FMC, im Interview mit Markt&Technik. Damit will er potenzielle Kunden wie die Designhäuser der großen Foundries, IDMs (vor allem die europäischen: Infineon, NXP, STMicroelectronics) sowie Fabless-Firmen überzeugen, auf die neue Technik zu setzen.

Dass das neue Konzept funktioniert, hat FMC in Zusammenarbeit mit einer großen Foundry bereits bewiesen. Die an den dort gefertigten FeRAMs real gemessenen Werte sprechen für sich: Sie erreichen eine um den Faktor 1000 geringere Leistungsaufnahme als Flash-Speicher und um 1000 Mal schnellere Schreib- und Lesezeiten als die Speicher auf Basis alternativer Techniken – und das bei deutlich reduzierten Fertigungskosten. Oder anders ausgedrückt: Die FeRAMs von FMC erfordern um den Faktor 100 geringere Investitionskosten als MRAMs, sie erreichen eine um den Faktor 100 bessere Performance als RRAMs – bei gleichen Fertigungskosten – und sie kosten deutlich weniger als Embedded-Flash-Speicher, die kaum mehr skalieren. Denn die Flash-Arrays auf ICs, die mit Hilfe von 28-nm-Prozessen gefertigt werden, fallen inzwischen deutlich größer aus als etwa die Controller-Einheiten und dominieren damit Fläche und Preis.

Weil sich die FeFETs so gut auf Controllern und SoCs im Megabit-Kapazitätsbereich integrieren lassen, möchte sich FMC über die kommenden Jahre auf den Markt für eingebettete Speicher konzentrieren, sie als IP anbieten und an den Lizenzgebühren verdienen. »Wir wollen es den Kunden einfach machen, hocheffiziente Embedded-Speicher auf ihren Chips zu integrieren. Um Einzelheiten der Speichertechnik brauchen sie sich dann nicht mehr zu kümmern. Darauf optimieren wir unseren IP und sind dabei, uns in das gesamte Ökosystem einzubinden«, erklärt Menno Mennenga, ein weiterer Co-Founder von FMC.

Für KI-Prozessoren besonders geeignet

Eine weitere Besonderheit: Auf der FeFET-Technik lassen sich TCAMs (Ternary Content Addressable Memories) aufbauen, wie sie im Umfeld der Router und Switches für das schnelle Networking und besonders für KI-Prozessoren und das Deep Learning in Edge-Geräten gebraucht werden. Für den letzteren Bereich ist auch die Fähigkeit des FeFET interessant, mehrere Zwischenzustände (Multi-Level) zu speichern. Hier könnten sich also künftig weiterere interessante Marktsektoren eröffnen. »Auch das zeigt: Wir geben den Designern künftig ganz neue Möglichkeiten an die Hand«, so Mennenga.

Das Potenzial ist laut Mennenga enorm, denn gerade Con­trol­ler und SoCs für den Einsatz im IoT-Umfeld, denen die Analysten besonders hohe Wachstumsraten über die nächsten Jahre prognostizieren, sehnen sich geradezu nach eingebetteten nichtflüchtigen Speichern, die wenig Energie aufnehmen und kostengünstig sind, um endlich keine Kompromisse mehr eingehen und notgedrungen eFlash einsetzen zu müssen. Die hohe Temperaturbeständigkeit der ferroelektrischen Phase ist aber auch für Automotive-Anwendungen interessant.