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Trotz Huawei-Ausfall

SMIC erhöht Investitionen kräftig

07. August 2020, 07:39 Uhr   |  Heinz Arnold

SMIC erhöht Investitionen kräftig
© SMIC

Die chinesische SMIC wird die Investitionen in neue Kapazitäten das zweite Mal in diesem Jahr deutlich erhöhen – das weggebrochene Geschäft mit Huawei spielt keine Rolle.

»Wir werden den internationalen Regulierungen vollumfänglich folgen und wir werden nicht gegen internationale Regeln verstoßen«, mit diesen Worten zitiert Nikkei Asian Review Liang Meng-Song, Co-CEO von SMIC (Semiconductor Manufacturing International), der größten Foundry des Landes. Weiter erklärte er, dass SMIC keine Angaben zum Geschäft mit einzelnen Kunden mache, fügte aber in Hinblick auf Huawei hinzu: »Wir haben viele weitere Kunden, die Chips mit uns produzieren wollen, insgesamt können wir Auswirkungen abgeschwächen.« SMIC werde versuchen, verschiedene Kunden zu finden, die dem Unternehmen dabei helfen würden, die neusten Prozesstechniken für die Fertigung von ICs weiter voranzutreiben.

Der Nettoprofit von SMIC war im zweiten Quartal um 644 Prozent auf 138 Mio. Dollar in die Höhe gesprungen, vor allem, weil Huawei sehr viele Chips produzieren ließ, um sie aufs Lager zu legen. Der Umsatz kletterte um 18,7 Prozent auf 938 Mio. Dollar. Der Anteil des Umsatzes mit chinesischen Unternehmen kletterte im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal von 56.9 auf 66,1 Prozent. Der Anteil amerikanischer Unternehmen fiel von 27,5 auf 21,6 Prozent.

SMIC leidet genauso wie TSMC unter den scharfen Exportkontrollen der USA gegen Huawei. Das Unternehmen ist der größte Kunde von SMIC, der für über 10 Prozent des Umsatzes steht. Unter den amerikanischen Bestimmungen dürfen nichtamerikanische Firmen nur mit einer speziellen Erlaubnis ICs für HiSilicon, der Chip-Design-Tochter von Huawei, fertigen, falls sie dazu Maschinen und Software von Herstellern aus den USA verwenden.  

Was sie alle tun: SMIC setzt wie andere Foundries weltweit auch einen großen Anteil von Maschinen für die IC-Fertigung ein, die US-amerikanische Hersteller zuliefern. Ab dem 14. September 2020 dürfen diese Foundries entsprechend der Bestimmungen der USA keine Chips mehr an Huawei liefern.

Dennoch will SMIC die Investitionen in diesem Jahr auf 6,7 Mrd. Dollar anheben. Anfang des Jahres waren lediglich 3,1 Mrd. Dollar geplant. Außerdem will SMIC im Rahmen eines Joint-Ventures mit der Beijing Economic-Technological Development Area zusammen arbeiten. In das Projekt sollen zunächst 7,6 Mrd. Dollar fließen. Zum Verglech: TSMC investiert in diesem Jahr 17 Mrd. Dollar in den Ausbau der Kapazitäten, Intel 15 Mrd. Dollar und Samsung will bis 2030 über 107 Mrd. Dollar in den Ausbau der Logik-ICs stecken.

Zhao Haijun, der zweite Co-CEO von SMIC, ging auf die chinesischen Equipment-Hersteller ein. Es gebe bereits eine Vielzahl chinesischer Hersteller von Ausrüstungen für die Halbleiterfertigung, die inzwischen an der Börse notiert seien. Die Zukunft sehe vielversprechend aus, auch wenn sie im Vergleich zu den heutigen Marktführern noch sehr klein seien. Aber SMIC werde mit ihnen zusammen arbeiten, auch wenn diese Firmen die führenden internationalen Hersteller nicht kurzfristig ersetzen könnten. Außerdem seien ausländische Hersteller willkommen, die von dem schnell wachsenden Markt profitieren könnten.

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