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Ein Kampf um Chips

02. Oktober 2020, 10:12 Uhr   |  Heinz Arnold

Ein Kampf um Chips
© WEKA Fachmedien

Die USA wollen SMIC von der Versorgung dringend erforderlicher Maschinen für die IC-Fertigung abschneiden. Der Kampf spitzt sich zu.

Jetzt schränken die USA auch den Export amerikanischer Maschinen und Software Tools an SMIC – die größte chinesische Foundry und weltweit die Nummer 4 – stark ein. Begründung: SMIC produziere auch ICs für militärische Zwecke.

Wegen Sicherheits¬bedenken hatten die USA schon Foundries wie TSMC verboten, Chips an Huawei zu liefern. TSMC hält sich an die Regulierungen der USA, und auch SMIC hatte hoch und heilig versprochen, dies zu tun. Was dem Unternehmen in China den Vorwurf eingebracht hatte, vor den USA zu kuschen. Doch hat alles nichts geholfen: De facto erhält SMIC keine Maschinen aus den USA mehr, die erforderlich sind, um Chips zu fertigen.

Die Kunden von SMIC dürften sich jetzt überlegen, die Aufträge an andere Foundries außerhalb von China zu verlagern. Am Tag, als sich die Nachricht über die US-Restriktionen gegen SMIC verbreitete, schossen die Kurse der direkten SMIC-Wettbewerber UMC und Van¬guard um 10 Prozent in die Höhe. Auch die übrigen Foundries dürften profitieren.

Doch das ist nur ein Beispiel dafür, wie die globale Halbleiterindus¬trie durch den Handelskrieg zwischen den USA und China erschüttert wird. Gerade hat Kioxia (früher Toshiba Memory) den geplanten Gang an die Börse verschoben. Zwar dürfte ein Teil der Probleme hausgemacht sein, doch die Aussicht, dass Huawei als Kunde weitgehend ausfallen könnte, hat den Börsengang nicht gerade beflügelt.

Hinter all dem stecken wohl tatsächlich Sicherheitsbedenken der USA, doch das ist nicht der Hauptgrund des Handelskrieges. Es geht vor allem um die Vormachtstellung auf dem strategisch so wichtigen Halbleitermarkt.

Da kommt es der US-Regierung nicht ungelegen, dass Softbank Geld benötigt und ARM an Nvidia verkaufen will. Doch das wäre das Ende von ARM als unabhängigem Zulieferer von Prozessor-Cores. Nicht nur die Kunden von ARM – zu denen auch HiSilicon gehört – dürfte das aufschrecken. Hermann Hauser, einer der ARM-Gründer, fordert bereits, dass die EU gegen den Plan einschreitet, und China ist ebenfalls nicht begeistert.

Der Kampf ist also noch lange nicht vorbei. Weiterhin fließt viel Energie in die Zerstörung lange gewachsener Handelsbeziehungen – als ob die Welt keine anderen Probleme hätte.

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