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Huawei-Ausschluss

Japans 5G- und IC-Industrien wittern Morgenluft

20. Juli 2020, 14:19 Uhr   |  Heinz Arnold

Japans 5G- und IC-Industrien wittern Morgenluft
© Atlantik/Thundercomm

NTT und NEC bilden eine Allianz, um doch noch am 5G-Rennen teilzunehmen, TSMC soll angelockt werden, um die IC-Industrie aufzupäppeln.

Japan will TSMC und weitere Chip-Hersteller einladen, sich am Bau einer Fab in Japan zu beteiligen, die von japanischen Equipment-Lieferanten ausgerüstet werden soll, wie die japanische Zeitung Yomiuri berichtet. Die japanische Regierung wolle über die nächsten Jahre einige Milliarden Dollar in das Projekt stecken, vor allem um der eigenen Chip-Industrie auf die Sprünge zu helfen. Gegenüber Reuters wollte sich TSMC nicht dazu äußern, schloss aber nichts aus. Es dürfte aber in Hinblick darauf interessant sein, dass die japanische Equipment-Industrie unter internationaler Beteiligung die Gelegenheit erhielte, Maschinen für die Halbleiterfertigung für die neuesten Chipgenerationen zu entwickeln. Das wiederum würde nicht nur den japanischen Herstellern nützen, sondern auch die Perspektiver eröffnen, IC-Produktionslinien aufzubauen, die ohne Maschinen aus den USA auskommen könnten. Woran TSMC interessiert sein könnte, weil das Unternehmen derzeit Chips nicht an Huawei liefern darf, die auf US-Equipment gefertigt werden.

Großbritannien fragt bei NEC und Fujitsu an

Außerdem wittern japanische Telekommunikationsanbieter und Ausrüster die Chance, doch noch in die weltweite 5G-Technik einzusteigen. Aus Großbritannien kommen nach Informationen von Nikkei Asian Review bereits Nachfragen, enger mit NEC und Fujitsu zusammen zu arbeiten. Damit soll der Wettbewerb unter den übrigen Herstellern – vor allem Ericsson und Nokia – angeregt werden. Ziel sei es, dass die britischen Telekommunikationsfirmen nach dem Ausschluss von Huawei Zugang zu kostengünstigem Equipment für den Aufbau ihrer 5G-Netze erhielten.

NTT und NEC bündeln 5G-Aktivitäten

NTT und NEC wollen ebenfalls ihre Anstrengungen bündeln, um im 5G-Rennen aufzuholen. Zwar sind beide Unternehmen in Japan stark. Doch während Huawei, Nokia und Ericsson derzeit auf einen Marktanteil von 80 Prozent kommen, liegt NECs globaler Marktanteil unter 1 Prozent. Jetzt investiert NTT 600 Mio. Dollar, um einen Anteil von 5 Prozent an NEC zu erwerben. Gemeinsam wollen sie wettbewerbsfähige Produkte für den Weltmarkt entwickeln.

NEC und NTT gehören auch zu den Gründungsmitgliedern der Open RAN Policy Coalition, die in den USA gegründet wurde. Über 40 Unternehmen sind daran beteiligt, die meisten aus den USA und keines aus China. Open RAN soll es ermöglichen, Standards zu setzen, um die Geräte verschiedener Hersteller in einer Basisstation kombinieren zu können und dadurch die Kosten insgesamt zu senken.  

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