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Huaweis OpenLab-Strategie

Offene Kooperation statt Abschottung

25. September 2020, 08:43 Uhr   |  Heinz Arnold

Offene Kooperation statt Abschottung
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Die Industrie-4.0-Testumgebung im OpenLab von Huawei in München. Im Hintergrund leuchtet violett der Schrank mit den 5G-Servern.

Politische Probleme sollten nicht auf dem Rücken von Unternehmen gelöst werden, schon gar nicht über Sanktionen, erklärt David Wang, Deutschland-Chef von Huawei.

Am Beispiel des OpenLab in München zeigt das Unternehmen, was es unter offener Zusammenarbeit versteht – und wie die Früchte der Kooperation aussehen.

»Wer Sanktionen gegen Huawei verlangt, trifft den Falschen!«, davon ist David Wang, Deutschland-Chef von Huawei, überzeugt. »Wer mit der Politik Chinas – etwa in Hongkong – nicht einverstanden ist, muss sich an die chinesische Regierung wenden!« Es müsse also scharf zwischen dem getrennt werden, was auf staatlicher Ebene geschieht, und dem, was Unternehmen beträfe. Huawei habe sich nachweislich immer an die Gesetze der jeweiligen Länder gehalten, in denen das Unternehmen tätig ist. Speziell auf Deutschland bezogen: »Huawei hat seit 30 Jahren einen guten Job gemacht.« Im OpenLab in München, das seit fünf Jahren besteht, zeige sich das für jeden sichtbar. Geheimniskrämerei gebe es dort nicht, schon seit vielen Jahren nicht.

Doch so richtig stark in den Medien vertreten ist Huawei hierzulande erst seit rund zwei Jahren. Selbstverständlich liegt das zu einem guten Teil an dem Handelsstreit zwischen den USA und China, unter dem nun mit Huawei ein Unternehmen zu leiden habe, das schon immer auf Offenheit Wert gelegt habe. Um die Sanktionen gegen Huawei zu begründen, führen die USA Sicherheitsbedenken an.

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David Wang: »Ich bin deshalb überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern weltweit diese Zeit nicht nur unbeschadet überstehen, sondern gestärkt draus hervorgehen werden.«

Diese Begründung hält David Wang für vorgeschoben: »Security ist nicht das Thema, es geht um Wettbewerb.« Die USA wollten ganz einfach einen unliebsamen, weil – wie ein Blick auf die Unternehmenszahlen zeige – sehr erfolgreichen Wettbewerber loswerden. Schlussendlich schade dies vor allem den amerikanischen Unternehmen und ihrer Wettbewerbsfähigkeit – aber dieses Thema will David Wang nicht vertiefen, schließlich soll es in diesem Gespräch um Deutschland gehen.

Immerhin trauen auch hierzulande quer durch die Parteien zahlreiche Politiker Huawei nicht. Auch sie wollen das chinesische Unternehmen am liebsten vom Aufbau der 5G-Infrastruktur ausschließen. Denn sie fürchten ebenfalls, dass die Infrastruktur von Huawei der chinesischen Regierung Tür und Tor öffnen könnte, um zu spionieren oder gar über geheime „Schalter“ die Kommunikationsinfrastruktur eines solchen Landes kurz einmal auszuknipsen.

Viel hätte David Wang zu den technischen Einzelheiten zu sagen, die erforderlich wären, um solche Dinge zu ermöglichen – und warum das nicht so ganz unbeobachtet von den Behörden der jeweiligen Länder geschehen könnte. Aber das ginge zu sehr ins Detail. Viel wichtiger sei: »Wir können immer wieder nur auf die lange Geschichte von Huawei in Deutschland hinweisen. Selbst das BSI sagt, dass kein anderes Unternehmen derart offen sei wie Huawei.«

Huawei unterhält in Bonn sogar ein eigenes Labor und arbeitet schon über Jahre sehr eng mit dem BSI zusammen. Dafür findet Wang viele lobende Worte: Deutschland sei eines der wenigen Länder, das sich sehr pragmatisch mit der Angelegenheit befasst habe. »Das BSI geht sehr rational vor.« Die gute Zusammenarbeit mit dem BSI zeige: »Wir haben nachweislich immer schon völlig sauber bezüglich der Sicherheit gearbeitet. Wir hören und diskutieren alle Bedenken und können sie lösen.«

Unterdessen greifen aber die Maßnahmen der US-Regierung. Huawei ist auf die Chips der US-Hersteller und von Foundries wie TSMC und SMIC angewiesen. Dürfen sie nicht liefern – wie es im Moment der Fall ist –, funktionieren die Geräte wie Smartphones, Tablets, die Infrastruktur für die Kommunikation nicht, die Huawei entwickelt und herstellt. Die Lage sieht ernst aus. Das gibt auch David Wang zu: »Ja. Wir befinden uns in Schwierigkeiten.«

Doch er ist optimistisch, die Situation beherrschen zu können. Nicht zuletzt, weil die meisten Mitarbeiter schon lange Anteile an „ihrem“ Unternehmen besitzen, weshalb die Fluktuation – ungewöhnlich für chinesische Unternehmen – außerordentlich niedrig läge. Deshalb seien die meisten Mitarbeiter sehr interessiert daran, alles zu geben, um durch die schwierige Zeit zu kommen.

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2. "Gestärkt aus der Situation hervorgehen..."

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