Infineon Technologies

Neue Anwendungen für die Aurix-Familien

11. Februar 2019, 11:44 Uhr | Iris Stroh

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

KI im Automotive-Markt

Mit welchen Prozessgeometrien werden die Aurix-Familien gefertigt?

Die erste Generation in 65-nm-Embedded-Flash-Technologie, die zweite in 40-nm-Embedded-Flash.

Konkurrenten von Infineon setzen mittlerweile auch im Automotive-Bereich auf ARM, mit dem Argument, dass der Markt das fordert – auch aus Kostengründen. Ein mögliches Problem für Aurix?

Nein, da sind wir sehr gelassen. Wir haben im Automotive-Bereich in einigen Anwendungen ARM-basierte Controller durch Aurix ersetzt. Wir haben den Tricore über die Zeit kontinuierlich verbessert. Hinzu kommen eine professionelle, ISO-zertifizierte Tool-Chain und umfassende Debug-Möglichkeiten. Entsprechend breit ist die Basis. Wir haben Kunden, die Aurix-Controller in der Bremse, der Lenkung, im Airbag, im Inverter und als Domänen-Controller einsetzen. Das heißt, die Kunden nutzen den Vorteil der Software-Portabilität, so dass sie deutlich mehr Kosten bei der Entwicklung sparen können als das mit dem Komponentenpreis möglich wäre. Dazu kommt noch ein anderer Punkt: Wir haben sehr robuste Mechanismen im Aurix implementiert, so dass wir auch ASIL-D-Systeme unterstützen können. Bei funktionaler Sicherheit wird viel über Lockstep oder ECC gesprochen.

Das ist aber nur ein kleiner Teil dessen, was notwendig ist, um ein robustes System aufzubauen. Nachdem wir den Core selbst entwickelt haben, haben wir noch diverse Funktionalitäten wie beispielsweise umfassende Monitoring- und Testmechanismen implementiert, die in der Summe dazu führen, dass die Controller sehr robust sind. Etwas in dieser Form ist mit einem lizenzierten Core nur begrenzt möglich.

Künstliche Intelligenz ist derzeit ein Hype-Thema im Automotive-Markt. Wie positioniert sich hier Infineon?

Es ist offensichtlich, dass KI-Funktionalitäten ins Auto wandern. Heute geht es sehr stark um CNN und Objekt-/Bilderkennung. Es gibt viele Firmen, die Geld investieren, um einen KI-Chip zu bauen, der diese schwergewichtigen CNN-System abarbeiten kann. Das ist die eine Richtung. Ich glaube aber nicht, dass Infineon in diesem TFLOPs/Watt-Spiel mitspielen wird. KI wird aber auch in anderen Ebenen im Fahrzeug eingesetzt werden, sei es in der Aktuatorik, in der Fusion oder auf der Domänenseite. Dabei handelt es sich um kleinere Netze, die wir mit dem Tricore berechnen könnten. Das wäre allerdings nicht energieeffizient. Für uns ist klar, dass wir Beschleunigereinheiten entwickeln werden, sobald sich herauskristallisiert, welche Netze benötigt werden und wie groß sie sind.

Wie beurteilt Infineon RISC-V?

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich diese Architektur in einigen Bereichen, jenseits von Automotive, durchsetzen wird. Dementsprechend halten wir uns zum Marktgeschehen natürlich auf dem Laufenden.

Und wie sieht es mit den XMC-Familien für den Industriebereich aus, hier hört man nur noch recht wenig?

Uns ist bewusst, dass wir mit den XMC-Familien heute nicht das breiteste Portfolio in der Industrie haben. Für unsere Kern-Applikationen bieten wir aber sehr wohl ein sehr gutes Portfolio an. Das gilt beispielsweise für die Motorsteuerung für Home Appliances, für drahtloses Laden oder auch die Leistungswandlung. Auf diese Anwendungsbereiche sind unsere XMC-Controller sehr gut zugeschnitten, und hier stellt Infineon auch eine breite Produktpalette zur Verfügung.

Unsere XMC-Mikrocontroller sind auch ein gutes Beispiel für unseren Denkansatz „Vom Produkt zum System“, in dem wir Lösungsunterstützung oder sogar ganze Lösungen anbieten. Beispielsweise bieten wir für die Motorsteuerung Referenz-Designs mit Beispiel-Software und sogar Ready-to-Use-Controller mit kompletter Software. Das bieten wir auch für drahtloses Laden an, ein Bereich in dem wir mit einem Systempartner auch die komplette Software anbieten.

Außerdem fragen immer mehr Kunden aus dem Industriebereich Aurix-Controller nach. Wenn es um SIL 2 oder SIL 3 geht, kann Aurix seine Vorzüge ausspielen. Anwendungen wie Aufzüge oder Drohnen, die Radar nutzen, brauchen nämlich ebenfalls robuste Controller.

Heißt das, dass auf Basis von Tricore spezielle Industriekomponenten geplant sind?

Das werden wir uns zu gegebener Zeit anschauen. Da die Anforderungen in manchen Industriebereichen gar nicht so unterschiedlich zum Automotive-Segment sind, sind derzeit aber spezielle Tricore-Industriekomponenten nicht zwingend erforderlich.

Wir planen vielmehr erst einmal, die Nutzungsfähigkeit von Aurix für die Industriekunden zu verbessern. Beispielsweise werden wir die Guidelines, die unseren Automotive-Kunden für die Nutzung von Aurix-Komponenten zur Verfügung stehen, auf die Anforderungen der Industriekunden anpassen und zugänglich machen.

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