Studie von Deloitte

Auf die Chipkrise folgt der Fachkräftemangel

2. Februar 2022, 7:30 Uhr | Ralf Higgelke
Nuthawut/stock.adobe.com
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Weltweit haben Chiphersteller große Investitionen in neue Fabriken angekündigt, um der Chipkrise zu beenden. Dadurch öffnet sich aber eine neue Schere: Um nur den dringlichsten Fachkräftebedarf für die neuen Fabs zu decken, sind zigtausende zusätzliche Arbeitskräfte nötig.

In seinem Ausblick auf die Halbleiterindustrie 2022 gehen die Analysten von Deloitte davon aus, dass die weltweite Chipindustrie im Jahr 2022 einen Umsatz von 600 Milliarden US-Dollar erreichen dürfte. Demnach wird es auch in der ersten Jahreshälfte 2022 zu Engpässen und Problemen in der Lieferkette kommen, die sich bis ins Jahr 2023 erstrecken dürften. Außerdem hebt dieser Bericht hervor, dass sich der bereits bestehende Fachkräftemangel noch verschärfen dürfte, wenn mehr Wafer-Fabs entstehen.

Da die Chiphersteller immer wieder neue Fabs ankündigen und auch Technologieunternehmen wie Apple oder Oppo in die Produktion von Mikrochips einsteigen, werden die neuen Produktionsanlagen höchstwahrscheinlich mit der neuesten Prozesstechnologie ausgestattet sein. Damit würden diese Anlagen auf neue Verfahren wie künstliche Intelligenz (KI) bauen, um sicherzustellen, dass sie nicht nur automatisch, sondern auch mit minimalem Personaleinsatz arbeiten können. Dennoch benötigt die Halbleiterindustrie nach wie vor qualifizierte Fachkräfte benötigt, um bestimmte Aufgaben zu bewältigen.

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Fachkräftemangel nimmt zu

Inzwischen klafft eine große Lücke bei der Besetzung von Stellen in der Halbleiterindustrie, und dieses Problem dürfte in Zukunft noch größer werden. Allein in den USA werden laut einem Whitepaper von Eightfold.ai bis 2025 etwa 70.000 bis 90.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, um nur den dringlichsten Fachkräftebedarf für die neuen Fabs zu decken. Diese Studie deckt auf, dass viele der derzeitigen Funktionen und Fachkenntnisse in der Halbleiterfertigung in der modernen Arbeitswelt rasch an Bedeutung verlieren dürften. Um den Bedarf an Fachkräften für neue Fabs für kritische Halbleiteranwendungen zu decken, müssten zum Beispiel in den USA mindestens 50 Prozent mehr Arbeitskräfte eingestellt werden, wahrscheinlich sogar deutlich mehr.

Dem Wall Street Journal zufolge fehlten im Durchschnitt monatlich etwa 27.000 Beschäftigte in der Halbleiterindustrie, ein Anstieg von 44 Prozent gegenüber 2021. In Taiwan ist die Bedarfslücke so groß wie nie zuvor. Der Mangel an hochqualifizierten Ingenieuren könnte die Bemühungen des Landes behindern, im Bereich der Spitzentechnologie führend zu bleiben.

Auch in China mangelt es an Fachkräften in der Halbleiterindustrie. Die South China Morning Post berichtete, dass ein chronischer Mangel an wissenschaftlichen und technischen Fachkräften besteht. Dies behindert die Bemühungen der Volksrepublik, eine Supermacht im Halbleiterbereich zu werden. China will seine Abhängigkeit von importierten Chips verringern. Eine Studie der Universität Peking zeigt, dass sich das Defizit von 150.000 im Jahr 2015 auf etwa 300.000 im Jahr 2019 verdoppelt hat. Ende 2019 arbeiteten rund 512.000 Menschen in der chinesischen Halbleiterindustrie, während der Bedarf an Arbeitskräften bis 2022 auf 745.000 geschätzt wird, wie aus einem aktuellen Whitepaper des China Centre for Information Industry Development hervorgeht.


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