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Halbleitermarkt

Nach 5,1 Prozent Plus folgen 8,4 Prozent Plus

22. Januar 2021, 10:40 Uhr   |  Iris Stroh

Nach 5,1 Prozent Plus folgen 8,4 Prozent Plus
© WSTS

Prognose vom WSTS

Der WSTS (World Semiconductor Trade Statistics) geht in seiner Herbstanalyse davon aus, dass der weltweite Halbleiterumsatz 2020 um 5,1 Prozent auf 433 Mrd. Dollar gewachsen ist. In diesem Jahr soll das Wachstum noch größer ausfallen: +8,4 Prozent, ein Marktvolumen von knapp 470 Mrd. Dollar.

Zu dem Halbleiterwachstum im letzten Jahr haben laut WSTS fast alle wichtigen Produktkategorien beigetragen; Ausnahmen bildeten die Optoelektronik und die diskreten Halbleiter, deren Umsatz gesunken ist. Das stärkste Wachstum konnten die Speicher mit 12,2 Prozent erzielen, gefolgt von den Sensoren mit 7,4 Prozent. Regional betrachtet trieben die Regionen Americas (+18,7 Prozent) und Asia Pacific (+3,8 Prozent) das Wachstum.

Im Gegensatz zum weltweiten Halbleiterumsatz ist das weltweite GDP zurückgegangen. Die letzte Prognose vom IWF aus dem Oktober 2020 besagt, dass das weltweite GDP (reales BIP) im Corona-Jahr um 4,4 Prozent sinken wird. Im letzten Jahr sollte laut IWF lediglich China sein BIP um 1,9 Prozent steigern können, alle anderen Wirtschaftsräume sollten das Jahr mit einem Minus abschließen.
Für dieses Jahr sehen die Prognosen besser aus, wobei der IWF betont, dass die Unabwägbarkeiten außergewöhnlich hoch sind. Bislang geht der IWF aber davon aus, dass das weltweite GDP 2021 um 5,2 Prozent zulegen wird. China und Indien sollen ein Wachstum von über 8 Prozent erreichen, aber auch in allen anderen Regionen soll das GDP wachsen. Für die hochentwickelten Volkswirtschaften sieht die Prognose folgendermaßen aus:

US: +3,1 Prozent (2020: -4,3 Prozent)
Euro-Raum: +5,2 Prozent (2020: –8,3 Prozent)
Deutschland: +4,2 Prozent (2020: –6,9 Prozent)
Frankreich: +6,0 Prozent (2020: –9,8 Prozent)
Italien: +5,2 Prozent (2020: –10,6 Prozent)
Spanien: +7,2 Prozent (2020: –12,8 Prozent)
Japan: + 2,3 Prozent (2020: –5,3 Prozent)
UK: + 5,9 Prozent (2020: –9,8 Prozent)
Kanada: +5,2 Prozent (2020: –7,1 Prozent)

Ein Zurück zu 2019 wird es nicht geben

Das für dieses Jahr prognostizierte 8,4-prozentige Umsatzwachstum auf dem Halbleitermarkt wird laut WSTS vor allem durch die Produktbereiche Speicher und Optoelektronik getrieben, die im zweistelligen Bereich zulegen sollen. Aber auch alle anderen Produktkategorien sollen positive Wachstumsraten aufweisen; lediglich die Micro-Kategorie (MCUs, MPUs etc.) soll mit einem Plus von nur 1,0 Prozent im Vergleich zu den anderen Produktkategorien ziemlich schwächeln. Der WSTS geht davon aus, dass alle Regionen zum Wachstum beitragen werden, allerdings abermals angeführt von Amerika und Asia-Pacific.

»Im letzten Jahr gab es eine Entkoppelung zwischen GDP und Halbleiterumsatz, denn die weltweite Corona-Pandemie hat eine technologiegetriebene Entwicklung erzwungen, was zu dem starken Wachstum im Halbleitermarkt geführt hat«, erklärt Cliff Leimbach, Senior Research Analyst von Omdia (früher IHS Markit). Auch wenn die Corona-Pandemie dank der Impfstoffe überwunden wird, ist Leimbach überzeugt, »dass wir nicht zu dem Zustand von 2019 zurückkehren werden. Unser Verhalten hat sich während der Pandemie fundamental verändert, das heißt, dass Videokonferenzen etc. auch in Zukunft genutzt werden. Und diese Veränderung wird helfen, das Umsatzwachstum auch in diesem Jahr zu treiben«.

Das heißt, dass auch in diesem Jahr beispielsweise weiterhin zusätzliche Infrastruktur für Server und Cloud-Dienste benötigt werden. Aus Leimbachs Sicht werden in diesem Jahr aber noch zusätzliche Dynamiken eine Rolle spielen. In diesem Zusammenhang verweist er beispielsweise auf den Smartphone-Markt. »Die Umsatzentwicklung in diesem Marktsegment verlief in den letzten Jahren mehr oder minder flach, der Markt war gesättigt«, so Leimbach weiter. 5G soll das ändern, die dafür benötigte Infrastruktur wurde und wird schon installiert, sodass 5G-Smartphones nicht mehr einer kleinen Klientel vorbehalten sind, sondern aus Leimbachs Sicht »immer mehr auch dem Mainstream zugänglich werden«. Ein weiteres Beispiel sind Spielekonsolen der nächsten Generation, ein kleinerer Markt, aber auch hier soll dieses Jahr Wachstum erreicht werden. Darüber hinaus gibt »es Anzeichen, dass sich auch der Automotive-Markt wieder erholt«, so Leimbach weiter.

Realer Bedarf?

Im dritten Quartal 2020 sind die Bedarfe deutlich nach oben geschnellt. Die entscheidende Frage ist, ob es sich dabei um reale Nachfrage oder Hamsterkäufe handelt. »Viele Unternehmen mussten Anfang des letzten Jahres mit unterbrochenen Lieferketten zurechtkommen und keiner wollte das noch einmal erleben. Es gibt also viele Unternehmen, die Lagerbestände aufbauen, um dieses Risiko zu verringern«, so Leimbach weiter. Wobei er betont, dass der gestiegene Bedarf nicht ausschließlich auf der Risikominimierung beruht, sondern dass »die Nachfrage wirklich angezogen hat«, so Leimbachs Überzeugung. Wie jetzt das Verhältnis zwischen gestiegener Nachfrage und höheren Lagerbeständen ist, »muss man abwarten«.

China – Geld allein reicht nicht

Leimbach erklärt, dass es am Halbleitermarkt hohe Hürden für Neueinsteiger gibt. Zum einen ist es eine sehr teure Industrie, zum anderen braucht es auch Zeit, sich hier als wichtiger Player zu etablieren. Leimbach: »China ist im Speichermarkt aktiv. Hier agieren Unternehmen wie YMTC oder CXMT seit Jahren. Schaut man sich aber den Speichermarkt an, spielen diese Unternehmen trotzdem heute noch keine wesentliche Rolle«, fährt Leimbach fort.

Und abschließend: »Die Wachstumstreiber vom letzten Jahr bestehen auch dieses Jahr. Beispielsweise wird der Halbleiterbedarf im Server-Bereich weiter anhalten, wenn auch nicht ganz so stark wie im letzten Jahr. Dazu kommen aber zusätzliche Wachstumstreiber wie Smartphones, Spielekonsolen etc. Das heißt, das Wachstum ist in diesem Jahr ausgeglichener, weil alle wichtigen Wachstumstreiber einen positiven Trend erfahren.«

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