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Ein schwieriger Partner

22. Oktober 2020, 12:04 Uhr   |  Gerhard Stelzer

Ein schwieriger Partner
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China arbeitet schon länger an der weltweiten Ausdehnung seiner Einflusssphären. Die Corona-Krise, die ihren Ursprung dort nahm, scheint nun diese Entwicklung zu beschleunigen – ein Kommentar.

in jeder Krise gibt es Verlierer und Gewinner, so auch in der Corona-Krise. »China wird zum Gewinner der Corona-Krise« titelte letzte Woche ein Artikel auf Spiegel Online von Claus Hecking und ist damit nicht allein. Die Spiegel-Leser votierten in einer Live-Abstimmung zu 82 Prozent für diese Aussage und Frank Bethmann vom ZDF hat Chinas Anteil am Welthandel vor Corona und aktuell verglichen und festgestellt, dass dieser von 20 auf 25 Prozent angestiegen ist. Ein enormer Anstieg, der stark von Medizinprodukten und Ausstattung für das Home Office beflügelt worden sein soll.

Das ist sicher Wasser auf die Mühlen der Trump-Administration, spricht der US-Präsident doch andauernd trotzig vom »China-Virus«. Während wir in Europa nun mit einer zweiten Welle kämpfen und in den USA eine Besserung der Corona-Pandemie überhaupt nicht in Sicht ist, scheint China und seine Wirtschaft diese weitgehend überwunden zu haben. Dass die Corona-Pandemie in China los ging, nun aber zahlreiche andere Länder weltweit darunter leiden, während China gleichzeitig seine Einflusssphäre ausdehnt und von der Pandemie profitiert, dürften viele als unfair empfinden.

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Gerhard Stelzer ist Editor-at-Large der Elektronik und Elektronik automotive.

In der Mitte der Corona-Krise meldete China nun eine Steigerung der Wirtschaftsleistung von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal und – noch beeindruckender – um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sogar die kumulierten Exporte im Stichtagsvergleich sollen höher sein als 2019. Doch sowohl Hecking als auch Bethmann melden Zweifel an, denn sie trauen Chinas nationaler Statistikbehörde nicht. In China dürfte sogar für die offiziellen Zahlen der Primat der Politik gelten.

Allerdings spricht diesmal auch einiges dafür, dass China seine Statistiken nicht so frisiert hat wie früher. China kurbelt nämlich mit seiner Nachfrage deutsche Exporte an und hat Frankreich als zweitgrößten Absatzmarkt abgelöst. Von Januar bis August beliefen sich die deutschen Exporte ins Reich der Mitte auf 60,3 Mrd. Euro. Auf Platz 1 liegen mit 65,8 Mrd. Euro nach wie vor die USA.

Für Deutschlands Automobilindustrie ist China in diesem Jahr ein Rettungsanker. Im zweiten Quartal setzte Volkswagen 53 Prozent seiner Fahrzeuge dort ab, gefolgt von Daimler mit 45 Prozent und BMW mit 44 Prozent. Gleiches gilt auch für die deutsche Elektroindustrie: Neben der Türkei war China das einzige Land, in das nach Angaben des ZVEIdie Elektroexporte in diesem Jahr zulegen konnten.

Das Verhältnis Deutschlands zu China ist allerdings schwierig, vor allem wenn man so stark von diesem gigantischen Absatzmarkt abhängig ist. Der Bayerische Rundfunk zitierte Bundeskanzlerin Merkel damit, dass »derzeit 75 Prozent der deutschen Exporte nach Asien nach Ostasien gingen, die Hälfte allein nach China. Wichtig seien dabei die Gleichbehandlung der Unternehmen, Transparenz, Rechtssicherheit und der Schutz geistigen Eigentums. In allen vier Bereichen klagen deutsche Unternehmen immer wieder über Probleme in China.«

China ist und bleibt ein schwieriger Partner.

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