Laut Reuters warnte das chinesische Handelsministerium am Samstag vor der Möglichkeit einer erneuten globalen Krise in der Halbleiter-Lieferkette infolge »neuer Konflikte« zwischen dem niederländischen Chiphersteller Nexperia und seiner chinesischen Tochtergesellschaft.
Die Produktion in der weltweiten Automobilindustrie war bereits im Oktober gestört worden, nachdem Peking Exportkontrollen für in China hergestellte Nexperia-Chips verhängt hatte. Dies geschah, nachdem Den Haag das Unternehmen seiner chinesischen Muttergesellschaft Wingtech Technology entzogen hatte. Die Chips von Nexperia werden in elektronischen Systemen von Autos weit verbreitet eingesetzt.
Obwohl sich die Chipknappheit nach diplomatischen Verhandlungen wieder etwas entspannt hat, hat sich der Konflikt zwischen der Nexperia-Zentrale in den Niederlanden und seiner chinesischen Einheit weiter verschärft. Die Zentrale unterstützt die Aufhebung der Kontrolle durch Wingtech, während die chinesische Einheit fordert, dass diese Kontrolle wiederhergestellt wird.
Die Warnung Pekings am Samstag erfolgte laut Reuters einen Tag nachdem die chinesische Packaging-Sparte von Nexperia der Zentrale in den Niederlanden vorgeworfen hatte, die Office-Konten aller Mitarbeiter in China gesperrt zu haben.
»Dies hat neue Konflikte ausgelöst und neue Schwierigkeiten sowie Hindernisse für Verhandlungen zwischen den Unternehmen geschaffen«, erklärte das chinesische Handelsministerium in einer Stellungnahme auf seiner offiziellen Website.
»Nexperia Netherlands hat den normalen Produktion- und Betriebsablauf des Unternehmens erheblich gestört. Sollte dies erneut eine globale Krise in der Halbleiterproduktion und -lieferkette auslösen, muss die Niederlande die volle Verantwortung dafür übernehmen«, fügte das Ministerium hinzu.
In einer Erklärung vom Freitag bestritt die niederländische Niederlassung von Nexperia die IT-Maßnahme nicht, widersprach jedoch der Behauptung der chinesischen Tochtergesellschaft, dass dies die Produktion in der Montage- und Testfabrik des Unternehmens in der chinesischen Provinz Guangdong beeinträchtigt habe.
Die chinesische Tochtergesellschaft von Nexperia reagierte im September auf den Entzug der Kontrolle durch Wingtech mit der Erklärung, sie sei unabhängig von ihrer niederländischen Muttergesellschaft. Seitdem beschuldigen sich beide Unternehmen gegenseitig, unredlich zu verhandeln, während die niederländische Zentrale die Wafer-Lieferungen an das Werk in Guangdong ausgesetzt hat.