Reibungsloser Bezahlprozess gefordert

Moderne Zahlungssysteme machen Parken wettbewerbsfähig

19. Februar 2026, 13:08 Uhr | Irina Hübner
© Przemek Klos/stock.adobe.com

Parken steht vor einem Umbruch. Was lange als technischer Nebenschauplatz galt, wird zu einer strategischen Frage für Städte, Betreiber und Mobilitätsplattformen: der Bezahlprozess. EU-Regulierungen, Instant Payments und digitale Wallets erhöhen die Komplexität, doch die Nutzer erwarten Einfachheit.

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Parken befindet sich mitten in einem grundlegenden Strukturwandel. Was früher ein isolierter Vorgang war, von Ankommen über Ticketziehen bis hin zum Bezahlen, ist heute Teil eines durchgängigen Mobilitätsangebots. Denn Parken verschmilzt mit anderen Mobilitätsaspekten wie Navigation, E-Ladeinfrastruktur, Abonnementmodellen, Sharing-Angeboten und zunehmend auch mit grenzüberschreitender Nutzung.

Für die Nutzer zählt infolgedessen nicht mehr nur der Parkplatz selbst, sondern ob Mobilität insgesamt reibungslos, verständlich und fair funktioniert. Während Städte und Betreiber also stark in smarte Parksysteme, Sensorik und digitale Services investieren, bleibt ein zentraler Baustein häufig unterentwickelt: der Zahlungsprozess.

Viele Zahlungslösungen sind historisch gewachsen, national fragmentiert und operativ komplex. Unterschiedliche Zahlungsarten, fehlende Echtzeitfähigkeit, manuelle Abgleiche und steigende regulatorische Anforderungen sorgen im Tagesbetrieb ebenso wie beim Nutzererlebnis für Schwierigkeiten. Die wiederum wirkt sich direkt auf Erlöse, Skalierung sowie die Akzeptanz neuer Mobilitätsangebote aus.

Mit genau diesen Herausforderungen befasst sich Jonas Suijkerbuijk seit mehr als einem Jahrzehnt. Als Gründer und CEO von Billogram verantwortet er den Aufbau einer europäischen Zahlungs- und Abrechnungsplattform, die täglich große Transaktionsvolumina in regulierten Märkten verarbeitet. Billogram arbeitet branchenübergreifend mit Unternehmen zusammen, die mit wiederkehrenden Zahlungen, hoher Komplexität und strengen regulatorischen Vorgaben konfrontiert sind – darunter Energieversorger, Telekommunikationsanbieter, Versicherungen und zunehmend auch Mobilitätsdienstleister.

Sensibelster Punkt der Mobilitätsnutzung

»Der Bezahlvorgang ist der sensibelste Moment der gesamten Mobilitätsnutzung«, erklärt Suijkerbuijk. Für ihn ist das oft der einzige direkte Kontaktpunkt zwischen Betreiber und Nutzer: »Wenn dieser Moment nicht funktioniert, entsteht unabhängig davon, wie modern Parkflächen, Apps oder Schranken sind, Frust bei Autofahrern.«

Aus dieser Erfahrung heraus betrachtet Billogram die Zahlung nicht als einzelne Transaktion, sondern als strategische Infrastruktur, die Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit und Kundenzufriedenheit gleichermaßen bestimmt.

Wichtig: Bezahlvorgänge sind Teil der Mobilität

Ob Parken, Laden oder multimodale Nutzung: Zahlungen sind heute integraler Bestandteil des Nutzungserlebnisses. Nutzer:innen erwarten Echtzeitzahlungen, vertraute Wallets, lokale Zahlarten und eine transparente Abrechnung. Und das auch über Ländergrenzen hinweg. »Payments prägen, wie Mobilität wahrgenommen wird. Wer Zahlungsprozesse strategisch aufsetzt, schafft die Grundlage für neue Services, flexible Preismodelle und stabile Erlösströme«, betont Suijkerbuijk.

Für Betreiber und Kommunen sind Bezahlmechanismen damit der Enabler neuer Mobilitätskonzepte und nicht nur reine Abwicklungsfunktion. Parallel dazu entwickelt Billogram derzeit eine Lösung zur Betrugsbekämpfung, da Zahlungsbetrug für Mobilitätsanbieter zu einer immer größeren Herausforderung geworden ist.

Fragmentierte Zahlungssysteme bremsen Innovation

Viele Parkraumbetreiber arbeiten noch mit getrennten Lösungen für Abrechnung, Zahlungsabwicklung, Mahnwesen und Reporting. Diese Fragmentierung verursacht laut Experten hohe Betriebskosten, erschwert regulatorische Compliance und verlangsamt Innovation: »Niemand akzeptiert 2030 fünf unterschiedliche Bezahlprozesse für eine einzige Mobilitätsreise«, so Suijkerbuijk. Laut ihm geraten Betreiber ohne integrierte, skalierbare Payment-Infrastruktur wirtschaftlich und strategisch ins Hintertreffen: »Nutzer vergleichen Parken nicht mehr mit dem Parkhaus nebenan, sondern mit digitalen Plattformen, bei denen Bezahlen im Hintergrund verschwindet.«

Regulierung als Wettbewerbsvorteil wird unterschätzt

Neue europäische Vorgaben wie PSD3, SEPA Instant oder digitale Identitäten erhöhen den Modernisierungsdruck auf Zahlungsprozesse. Gleichzeitig schaffen sie die Basis für Automatisierung, Sicherheit und Effizienz. »Regulierung trennt Vorreiter von Nachzüglern«, betont der Billogram-CEO Suijkerbuijk und fährt fort: »Wer frühzeitig investiert, stabilisiert Zahlungsflüsse, reduziert operative Reibung und gewinnt Vertrauen bei Nutzer:innen und öffentlichen Akteuren.«

Laut Suijkerbuijk entscheidet sich die Zukunft des Parkens in Deutschland womöglich nicht im Parkhaus, sondern im Zahlungsprozess: Moderne, integrierte Payment-Systeme sind die Voraussetzung für wirtschaftlichen Betrieb, skalierbare Mobilität und Akzeptanz neuer Services. Wer sie ignoriert, verliert vielleicht die Wettbewerbsfähigkeit.

 


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