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Verband der Automobilindustrie

Klimaneutralität bis spätestens 2050

VDA-Präsidentin Hildegard Müller: »Wir sind bereit.«
VDA-Präsidentin Hildegard Müller: »Wir sind bereit.«
© VDA

Die deutsche Automobilindustrie will klimaneutrale Mobilität bis spätestens 2050 erreichen. Damit bekennt sie sich zum »Climate Target Plan 2030« der EU-Kommission. Dazu werden aber alle Technologien gebraucht, so der Verband der Automobilindustrie.

Mit dem »Climate Target Plan 2030« will die EU-Kommission das Klimaziel für 2030 von -40 Prozent auf mindestens -55 Prozent verschärfen. Damit sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Europa bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden kann. Der VDA nimmt diese Herausforderung an und hat ausgerechnet, was das von der EU-Kommission priorisierte 50-Prozent-Flottenziel bedeutet:

  • 2030 muss ein Elektrifizierungsgrad von ca. 60 Prozent (statt ca. 40 Prozent) der europäischen Neuwagenflotte erreicht werden (BEV & PHEV), in entwickelten Märkten wie Deutschland oder Frankreich deutlich mehr.
  • Die Gesamtstückzahl elektrifizierter Fahrzeuge bis 2030 erhöht sich um 36 Prozent von 39 Mio. auf 53 Mio. in 2030.
  • Der Bedarf an Batteriekapazität im Jahr 2030 steigt im Vergleich zum 37.5 Prozent-Szenario von 194 GWh auf 320 GWh (+65 %).
  • EU-weit ist ein Mindestbedarf an 60 Mio. privaten und 6 Mio. öffentlichen Ladepunkten erforderlich (1,125 private, 0,1 öffentliche Ladepunkte und 0,1 öffentliche Schnelladepunkte pro Pkw).

VDA-Präsidentin Hildegard Müller: »Wir sind bereit.«

Zum Beschluss des Vorstandes des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), der die Hersteller und Zulieferer in Deutschland vereint, erläutert die Präsidentin des VDA, Hildegard Müller: »Die deutsche Automobilindustrie nimmt die Herausforderung des Klimaschutzes an. Unser Ziel ist klimaneutrale Mobilität bis spätestens 2050 – im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen. Wir sind bereit. Unser Beitrag zum Klimaschutz sind Innovationen und neue Technologien. In diesem Sinne werden wir einen konkreten Umsetzungsplan, die VDA-Klimastrategie 2050, erarbeiten, um die Ziele noch schneller auf die Straße zu bringen.«

Der schnelle Hochlauf der Elektromobilität habe für die deutsche Automobilindustrie bis 2030 klare Priorität, vor allem bei PKWs und leichten Nutzfahrzeugen. Bis Ende 2023 können die Kunden aus mehr als 150 verschiedenen E-Modellen wählen, das sei eine beeindruckende Leistung der Branche, lobt Müller. Dazu investieren die Unternehmen in den nächsten Jahren über 50 Mrd. Euro in den Ausbau der Elektromobilität.

Um das Ziel eines klimaneutralen Verkehrs 2050 zu erreichen, werden auch alternative Antriebe und Kraftstoffe wie Wasserstoff und E-Fuels Teil der Lösung sein. Diese Technologien können einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr leisten, weil sie die CO2-Emissionen im Fahrzeugbestand verringern und beim Ausstieg aus den fossilen Energien eine gute Ergänzung der Elektromobilität sind.
Eine Entscheidung über die Verschärfung von Klimazielen und Flottengrenzwerten sollte nur nach einer sorgfältigen Folgenabschätzung getroffen werden. Dabei sind alle relevanten Technologien und alle sozialen und ökonomischen Auswirkungen so zu berücksichtigen, dass die Automobilindustrie auch in Zukunft Wohlstand und Beschäftigung für viele Menschen in Deutschland schaffen kann.

Klimaneutrale Mobilität kann nur durch gemeinsame Anstrengungen von Industrie, Staat und Gesellschaft erreicht werden. »Wir alle müssen dazu beitragen, jetzt schnell und europaweit die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Klimaziele erreicht werden können«, fordert Müller.

Zentral seien attraktive Rahmenbedingungen. Dazu gehört prioritär der beschleunigte Aufbau einer europaweit flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Auch die alternativen Kraftstoffe aus nachhaltigen Ressourcen müssen unterstützt werden, damit sie ihren Beitrag zum klimaneutralen Verkehr 2050 leisten können. In Deutschland und Europa müssen dafür jetzt die Weichen gestellt und Förderungen auf den Weg gebracht werden. Denn alle Technologien werden gebraucht, um das Ziel ‘klimaneutrale Mobilität 2050’ zu erreichen. Dieser Beschluss des VDA-Vorstandes unterstreicht den Willen der Industrie zur Erreichung eines klimaneutralen Verkehrs 2050. »Wir setzen auf eine nachhaltige individuelle Mobilität«, resümiert Müller.

Die Unternehmen der Branche haben dabei unterschiedliche Strategien und setzen jeweils eigene Schwerpunkte. Das ist gut für den Standort Deutschland, denn Wettbewerb und das Ringen um die bessere Idee und den größten Erfolg haben die deutsche Industrie stark gemacht, allen voran die Automobilindustrie. »In diesem Sinne verfolgen wir technologieoffen alle Optionen, die zum Ziel führen«, erklärt Müller.

Die deutsche Automobilindustrie erwartet jetzt einen schnellen Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur für E-Mobilität – und zwar in ganz Europa. »Zahl und Leistung der Ladesäulen, die bisher bereitstehen, reichen bei weitem nicht aus für das, was unser Ziel ist. Das gilt für die PKW, aber auch für die LKWs. Die Infrastruktur muss das Ziel erreichbar machen«, fordert Müller.
Der moderne Verbrennungsmotor wird weiterhin eine große Bedeutung für die Erreichung der Klimaziele haben. »Wir wollen auch mit dieser Antriebsart Mobilität anbieten, weil es dafür auch in Zukunft einen großen Bedarf gibt. Deshalb sind klimaneutrale Kraftstoffe von immenser Bedeutung und brauchen mehr Investitionen«, stellt Müller fest.

»Die Dekarbonisierung des Verkehrs wird nur gelingen, wenn wir beide Wege parallel gehen: Moderne E-Mobilität mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen und klimafreundliche Verbrennungsantriebe mit sparsamen Motoren, mit synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff, die aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden. Beide Antriebsarten haben Zukunft. Wenn wir die Klimaziele bis 2050 erreichen wollen, gibt es zu dieser Doppelstrategie keine Alternative«, führt Müller aus.

Der Erfolg der Einhaltung der Klimaziele hängt an Voraussetzungen, die die Automobilindustrie allein nicht schaffen kann. Dazu gehört auch der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien und die Verfügbarkeit in allen Regionen Deutschlands.
Die Verantwortung hierfür liegt beim Bund, bei den Ländern und den Kommunen und bei der Energiewirtschaft. Zusätzlich müssten nun schnell eine flächendeckende Lade-Infrastruktur in Deutschland und der richtige Energiemix bereitgestellt werden. In Deutschland und in ganz Europa. Autos und Lkw müssen überall in Europa Strom und Kraftstoffe aus nachhaltigen Quellen tanken können. Sonst nützen auch die besten Fahrzeuge nichts.

Um die politischen und gesellschaftliche Ziele erreichen zu können, brauchen die Kunden, Hersteller und Zulieferer sowie andere Wirtschaftsbereiche klare Verhältnisse.

»Wir sind bereit und laden alle ein, gemeinsam an der Erreichung der Ziele zu arbeiten«, schließt Müller.


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