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Elektronikbranche stark betroffen

Corona erschüttert weltweite Lieferketten

06. Februar 2020, 07:06 Uhr   |  Heinz Arnold

Corona erschüttert weltweite Lieferketten
© Adobe Stock

Wegen der Reisebeschränkungen in China kommen viele Mitarbeiter nicht an ihre Arbeitsplätze. Firmen von Foxconn über Apple bis zu Tesla sind betroffen.

Besonders die Elektronikbranche ist betroffen, so rechnen wichtige Zulieferer von Apple mit Engpässen. Denn in China bestehen strenge Reisebeschränkungen, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Deshalb können viele Arbeitskräfte nach den sowieso schon staatlich verlängerten Neujahrsferien – sie sollen nun am 10. Februar enden – nicht von ihren Besuchen in der Heimat an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Das könnte laut Nikkei Asian Review unter anderem Apple treffen. Das Unternehmen plante, in der ersten Hälfte 2020 rund 80 Mio. iPhones bei den Zulieferern fertigen zu lassen. Doch auch chinesische Hersteller wie Huawei, Oppo, Vivo und Xiamo werden die Auswirkungen zu spüren bekommen. Samsung dagegen hat die Smartphone-Produktion schon früher komplett nach Vietnam verlagert.

Auch der Mobile World Congress in Barcelona (24. bis 27. Februar 2020) ist betroffen. LG Electronics hat bereits bekannt gegeben, wegen des Corona-Ausbruchs nicht an der Messe teilzunehmen, zu der über 100.000 Besucher erwartet werden. Die chinesischen Hersteller Huawei, ZTE und Oppo wollen dagegen wie geplant teilnehmen. ZTE sagte, dass Mitarbeiter aus China zwei Wochen in Quarantäne bleiben müssten, bevor sie nach Europa reisen dürften. Die meisten Mitarbeiter würden aber sowieso aus Europa kommen. Außerdem würde der Stand täglich desinfiziert. Der Veranstalter GSMA erklärte, dass die Messe wie geplant stattfinden werde.

Analysten hatten bereits gewarnt, dass die Auswirkungen der Corona-Infektion die weltweite Mobiltelefon-Produktion in diesem Jahr um 10 Prozent senken könnte. Akash Palkhiwala, CFO von Qualcomm, befürchtet signifikante Auswirkungen  auf die Lieferkette rund um Smartphones, wie er anlässlich der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse erklärte. CEO Steve Mollenkopf ab sich aber zuversichtlich, dass Qualcomm etwaige Rückgänge in China über andere Regionen kompensieren könnte. Die größten 5G-Märkte in diesem Jahr seien die USA, Korea und Japan.

Von der Corona-Virus-Ausbreitung sind besonders EMS-Firmen, allen voran Foxconn, betroffen, die in China rund 430.000 Mitarbeiter in der Fertigung beschäftigt. Zwar dürfe Foxconn laut Nikkei Asian Review an ihren größten chinesischen Standorten in Shenzhen und Zhengzhou weiter produzieren, doch dazu müssen die Arbeitskräfte erst einmal dorthin gelangen. Außerdem müssen die Werke aufwändig desinfiziert werden, falls sich ein Mitarbeiter mit dem Corona-Virus angesteckt hat. Foxconn musste aber auch Werke in China schließen und rechnet damit, die Produktion ab dem 10. Februar wieder aufnehmen zu können. Reuters zitiert einen Foxconn-Mitarbeiter, der von einer chaotischen Situation gesprochen habe. Die Fertigung soll am 10. Februar wieder aufgenommen werden, dann würde es aber ein bis zwei Wochen dauern, bis die volle Produktion wieder erreicht werden könnte.

Zudem steht zu befürchten, dass schon die Verlängerung der Neujahrsferien zu Störungen in der Lieferkette weltweit führen können. Das betrifft nicht nur Rohstoffe und Komponenten wie   Leiterplatten und passive Bauelemente, sondern erstreckt sich bis zu den Verpackungsmaterialien, ohne die die Produkte nicht ausgeliefert werden können.  

Speicher-IC-Fabs arbeiten weitgehend normal

Die Analysten von Trendforce haben ermittelt, dass die DRAM- und NAND-Fabs in China normal weiter produzieren würden, keine sei von Schließungen oder Teilschließungen betroffen. Der nach Angaben von Trendforce größte chinesische Hersteller CXMT ist in Hefei in der Nähe von Wuhan ansässig, die Fab dort würde normal arbeiten. Das gelte auch für JHICC.

Unter den nichtchinesischen DRAM-Herstellern betreibt SK Hynix eine Fab in Wuxi, weit von Wuhan entfernt. Die Fab arbeite ebenfalls wie gewohnt weiter.

Bei den chinesischen NAND-Flash-Herstellern YMTC und XMC könne es aufgrund von Quarantänemaßnahmen zu Verzögerungen kommen, die Auswirkungen auf den Weltmarkt seien aber gering, weil die Fab von YMTC einen Anteil von nur rund 1 Prozent an der weltweiten NAND-Flash-IC-Produktion habe. Außerhalb von Wuhan betreiben Samsung in Xi`an und Intel in Dalian NAND-Flash-Fabs.  Diese Fabs würden wie geplant fertigen.

Tesla leidet

Wuhan, von wo aus das Virus sich verbreitete, ist ein Zentrum der chinesischen Autoindustrie. In Wuhan dürfen die Firmen die Produktion nicht vor dem 24. Februar aufnehmen.  Hier wird es voraussichtlich zu stärkeren Auswirkungen kommen.

Betroffen ist auch Tesla. Vice President Tao Lin gab bekannt, dass es in der Fab in Shanghai zu Verzögerungen in der Produktion käme. Sie musste auf Anordnung der Behörden schließen, die  Fertigung soll ab 10. Februar wieder aufgenommen werden. Auf die Nachricht hin fielen die Aktien nach dem Gewinn von 25 Prozent in der vergangenen Woche wieder um 17 Prozent.

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