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IHS Markit: Halbleitermarkt 2018

Auch dieses Jahr wird wieder gewachsen


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Kommunikation, Consumer und Industrie

Kommunikation (bedrahtet und drahtlos)

Jelinek erwartet, dass die Nachfrage nach Data-Center-Ethernet-Switches im kommerziellen Bereich hoch ausfällt, und macht hierfür Cisco und seine Partnerschaften mit Unternehmen wie Google und Alibaba verantwortlich. Ebenfalls sehr positiv bewertet Jelinek die Aussichten für Smart­phones der mittleren Leistungsklasse. Sie sollen seiner Meinung nach im Smartphone-Markt am stärksten wachsen. Darüber hinaus sollen M2M-Module deutlich zunehmen, nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in den kommenden. Denn sie werden zunehmend auf vielen verschiedenen vertikalen Märkten eingesetzt. In naher Zukunft sollen aus Jelineks Sicht folgende Bereiche die größten Volumina von M2M-Modulen treiben: Automobil-, Energie- und Versorgungsunternehmen sowie Asset-Management.

Im Gegensatz dazu soll der Umsatz mit Media-Tablets schrumpfen, und zwar in allen Leistungssegmenten. Zum einen seien die Margen in den unteren Leistungsbereichen bereits extrem dünn, zum anderen spiele Apple wieder eine stärkere Rolle in der an sich schwächeren High-End-Kategorie. Jelinek: »Die Nachfrage nach Tablets im mittleren Leistungsbereich wird im Prognosezeitraum voraussichtlich weiter sinken, da mehr dieser Einheiten in das untere Leistungssegment abwandern und weniger Modelle den Übergang von der Spitzenklasse zum mittleren Leistungssegment nachvollziehen.« Auch die Mobilkommunikationsinfrastruktur soll deutlich schwächeln. Hierfür macht Jelinek die immer noch verhaltene LTE-Einführung verantwortlich, kombiniert mit gestiegenen Ausgaben für Software (keine Hardware), die die OEMs in Erwartung des kommenden 5G-Standards investieren. Jelinek weiter: »Außerdem erwarten wir, dass SONET/SDH Optical durch optisches WDM ersetzt wird.«

Consumer

Na endlich: Auf dem Konsumgüter-Markt sollen in diesem Jahr die Smart Watches signifikant zulegen. Dies führt Jelinek auf die Tatsache zurück, dass Apple mit der Serie 3 einen aggressiven Schritt nach vorne gemacht hat, um den Umsatz zu beschleunigen: Hat das Unternehmen zwischen der ersten Smart Watch und den Serie-2-Modellen noch 18 Monate verstreichen lassen, war es jetzt nur noch ein Jahr bis zum Modellwechsel. Jelinek: »Dies wirkt sich erheblich auf die Prognose aus, da die Liefervolumina von Apple stark mit Produkteinführungen und -aktualisierungen korrelieren.« Auch den UHD-LCD und UHD-OLED-Fernsehern prognostiziert Jelinek eine starke Nachfrage; allerdings geht er auch davon aus, dass die Preise für diese Geräte sinken werden, sodass das Stückzahlwachstum über dem Umsatzwachstum liegen wird. Darüber hinaus soll die Nachfrage nach Haushaltsgeräten – weiße Ware – steigen. Zum einen, weil die Konsumenten energieeffiziente Geräte wollen, zum anderen, weil auch immer mehr an sogenannten Connected-Geräten mit Spracherkennung interessiert sind. Schlecht sieht es dagegen für ältere Technologien aus. So erwartet Jelinek, dass die Nachfrage nach beispielsweise MP3-Playern, älteren Fernsehermodellen (einschließlich HD-LCDs) und Blu-Ray-Videoplayern und -Recordern schrumpft, da die Konsumenten zunehmend auf neuere Technologien setzen.

Industrie

Für das Industriesegment erwartet Jelinek einen deutlichen Umsatzzuwachs im Bereich „Military & Civil Aerospace“ und zwar aufgrund eines starken Auftragsbestands und vielen neuen Flugzeugen, die in Produktion gehen. »Die kommerzielle Luftfahrt wird ein Wachstum in Milliardenhöhe erfahren. Der Auftragsbestand stellt sicher, dass der Markt auch die kommenden Jahre auf Wachstumskurs bleiben wird«, so Jelinek weiter.

Auch die Medizinelektronik soll deutlich zulegen. Denn zum einen werden alternde klinische Geräte, aber auch bildgebende Systeme durch intelligentere, effizientere Geräte ersetzt, ein Trend, der schon geraume Zeit besteht und der sich auch in diesem Jahr fortsetzen soll. Außerdem erklärt Jelinek, dass im medizinischen Consumer-Markt Billig- oder Nischenprodukte einen erheblichen Teil des Marktes ausmachen, in dem auch viele kleinere Unternehmen konkurrieren können. »Der schnelle Anstieg der kostengünstigen Fertigung in China, Lateinamerika und Südostasien hat viele neue Hersteller auf den Markt gebracht«, so Jelinek. Und nachdem bei diesen Konsumenten-orientierten Medizingeräten ein starker Trend in Richtung Portabilität und Akkus geht, soll sich nach Jelineks Meinung die Nachfrage nach diskreten Halbleitern und Power-Management-ICs deutlich erhöhen. Jelinek abschließend: »Im kommenden Jahr wird kein Industriesegment schrumpfen – der OEM-Umsatz für elektronisches Equipment wird im Durchschnitt um 5,1 Prozent zulegen. Der Bereich Messen und Testen wird im kommenden Jahr im Vergleich zu 2017 leicht schwächeln, weil sich die Investitionstätigkeiten im Halbleitermarkt verlangsamen.«

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Cherry Picking ist angesagt
Konsolidierung geht weiter, aber langsamer
Die Spezialisten von IHS Markit gehen davon aus, dass sich die Konsolidierung auf dem Halbleitermarkt in diesem Jahr fortsetzen wird, allerdings in einem viel langsameren Tempo. Denn die Konsolidierung hat zwei miteinander verwobene Ziele, die auch in Zukunft Bestand haben: Vergrößerung des Marktanteils und Effizienzsteigerung.

»Bei den meisten M&A-Aktivitäten besteht das Ziel darin, durch ein kosteneffizienteres Unternehmen Marktanteile hinzuzugewinnen. Aus diesem Grund kann man oft nach Abschluss eines Mergers oder einer Akquisition beobachten, dass das neue Unternehmen die besten Systeme übernimmt und danach die veralteten Systeme, die nicht länger für die tägliche Aktivität benötigt werden, abwirft«, erkärt Myson Robles-Bruce, Research Manager, Semiconductor Value Chain bei IHS Markit. Dass Konsolidierungsaktivitäten dennoch an Schwung verlieren, begründet er folgendermaßen: »Dies ist zum Teil auf die Zunahme der Unternehmensbewertungen zurückzuführen. Mit steigenden Aktienkursen steigen die Kosten für den Erwerb eines anderen Unternehmens erheblich. IHS Markit geht davon aus, dass Unternehmen im Jahr 2018 und in Zukunft möglicherweise eher bestimmte Segmente innerhalb von Unternehmen als das gesamte Unternehmen erwerben werden. Der Teil des Unternehmens, der für die langfristige Marktstrategie des Mutterunternehmens nicht von zentraler Bedeutung ist, aber für andere Unternehmen wertvoll ist, wäre für eine Veräußerung durchaus sinnvoll.«


  1. Auch dieses Jahr wird wieder gewachsen
  2. Computer und Automotive
  3. Kommunikation, Consumer und Industrie

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