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Inpotron will Umsatz bis 2028 verdoppeln

»Wir entwickeln Netzteile für Systeme«

inpotron Schaltnetzteile
Bis 2028 will das Führungstrio (v.l.n.r.) aus Uwe Auer (Produktion, Qualität, IT und Logistik), Hermann Püthe (Vertrieb, Marketing, Finanzen) und Torsten Keinath (Entwicklung, Einkauf, Kundenservice) den Umsatz des Unternehmens von aktuell 24 Millionen Euro auf 48 Millionen verdoppeln.
© inpotron Schaltnetzteile

Mit der kurz vor der Fertigstellung stehenden Erweiterung seiner Produktionskapazitäten will inpotron Schaltnetzteile die mögliche Jahresproduktion fast verdoppeln. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern gehören LED-Stromversorgungen sowie die Gebäudesystemtechnik.

In Zukunft wird das Unternehmen zudem Geräte mit Ausgangsleistungen bis 3 kW entwickeln.

Seit März dieses Jahres gleicht die unmittelbare Umgebung des Firmensitzes der inpotron Schaltnetzteile in Hilzingen mal wieder einer großen Baustelle. Nichts Neues in der bald 25-jährigen Historie des 1997 als Spaun Schaltnetzteile gegründeten Unternehmens. »Wenn der Bau Ende dieses Jahres abgeschlossen ist«, so Hermann Püthe, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, »werden wir unsere Fertigungsfläche um netto 4800 m2 erweitert haben«. Konkret heißt das dann: Im Hauptgebäude werden sich nur noch Vertrieb und Entwicklung des Stromversorgungsspezialisten befinden.

Mit der Fertigungserweiterung wird es dann möglich sein, die heutige Jahresproduktion von rund 800.000 Stromversorgungen fast zu verdoppeln, auf dann 1,5 Millionen. Mit den Stromversorgungen für Sat-Anlagen, mit denen in Hilzingen vor fast 25 Jahren alles begann, hat das alles nichts mehr zu tun. Etwa 50 Prozent des zuletzt rund 24 Millionen Euro betragenden Umsatzes entfallen auf Industrienetzteile. Etwa 15 Prozent steuert der in den letzten Jahren stark gewachsene Bereich der LED-Stromversorgungen bei. Ebenfalls 15 Prozent entfallen auf das sich dynamisch entwickelnde Segment der Gebäudesystemtechnik. Stromversorgungen für Medien- und Infotechnik schlagen mit 10 Prozent zu Buche, das Gleiche gilt für kundenspezifische Stromversorgungslösungen für Medizintechnik, Transport und Verkehr.

inpotron Schaltnetzteile
Über 600 aktive Produkte umfasst das Stromversorgungsprogramm der inpotron Schaltnetzteile. Seit der Gründung des Unternehmens 2007 wurden fast 10 Millionen Stromversorgungen produziert.
© inpotron Schaltnetzteile

»Wir entwickeln Netzteile für Systeme«, erläutert Püthe, »und Geräte, die im 24/7-Betrieb bei +85 °C ausdauernd Performance liefern. Zu einem vertretbaren Preis gibt es das eben häufig nicht als Standardlösung«. Das dürfte der Hauptgrund für die brutale Vielfalt der Stromversorgungen aus Hilzingen sein. Aktuell umfasst das aktive Produktspektrum mehr als 600 Stromversorgungen. Das Kundenspektrum reicht vom klassischen Maschinenbau inklusive Industrie-4.0-Anwendungen über Netzwerk- und Kommunikationstechnik-Anbieter bis hin zu Industrie-PC-Spezialisten. Ob es um die Steuerung eines Rauchabzugs geht, um Zutrittskontrolle oder Beleuchtungstechnik, in all diesen Anwendungen werden Stromversorgungen benötigt, und inpotron Schaltnetzteile mit seinen knapp 50 Entwicklern, die etwa ein Viertel der Gesamtzahl der Mitarbeiter darstellen, entwickelt und fertigt diese kundenspezifischen Stromversorgungen.

Ging es in den Anfangsjahren des Unternehmens schlicht darum, Stromversorgungen für eine wachsende Reihe von Applikationen zu entwickeln, »so haben sich Stromversorgungen in den letzten Jahren zunehmend zu Datenlieferanten für unsere Kunden entwickelt«, stellt Püthe fest. Heute ist es nicht mehr ungewöhnlich, in einer Stromversorgung bis zu drei Mikrocontroller einzusetzen, oder wenn nötig auch FPGAs. Dass die Stromversorgungen dabei heute kleiner sind als noch vor zehn Jahren, dabei aber mindestens die gleiche Performance bieten und deutlich weniger Abwärme entwickeln, versteht sich quasi von selbst. Auch in puncto Leistung hat sich einiges getan. »Bisher haben wir Geräte bis zu einer maximalen Ausgangsleistung von 1 kW realisiert«, so Püthe, »in Zukunft werden wir uns auch bei Ausgangsleistungen bis 3 kW wohl fühlen«.

Zweifel am Entwicklungs- und Fertigungsstandort Deutschland hat der inpotron-Chef nicht. Gut 90 Prozent der Kunden kommen aus Deutschland, 5 Prozent aus dem deutschsprachigen Raum und gut 5 Prozent aus Skandinavien. »Wir haben kein Problem damit, zu zeigen, wie wir arbeiten«, so sein Credo. »Unsere Trümpfe lauten Verlässlichkeit, Vertrauen und Transparenz.« Die Rechtssicherheit des Fertigungsstandortes Deutschland dürfte ein Übriges dazu beigetragen haben, dass der Umsatz seit dem Start 2007 auf inzwischen rund 24 Millionen Euro (2020) gewachsen ist. Bis 2028 soll sich dieser Wert, auch durch die neuen Fertigungskapazitäten, auf 48 Millionen Euro verdoppeln. »Wir wachsen nicht nur mit neuen Projekten, wir wachsen mit unseren bestehenden Kunden«, erläutert Püthe, »und um diese zu halten, müssen wir in den Ausbau unserer Fertigungskapazitäten investieren«.

Etwas gebremst wird die dynamische Entwicklung bei inpotron derzeit durch ein Problem, mit dem seit Monaten alle Unternehmen der Elektronikbranche zu kämpfen haben – unzureichender Materialnachschub. »Wir arbeiten traditionell mit sechs namhaften Distributoren zusammen«, so Püthe, »die Realität sah aber in den letzten Wochen und Monaten häufig so aus, dass Bauteile, die am Morgen geliefert wurden, bereits am Mittag verbaut waren«. Das Problem beschränkt sich dabei nicht auf klassische kritische Bauteile wie Elektrolytkondensatoren und MOSFETs, es betrifft die gesamte Bandbreite der eingesetzten Komponenten: ICs, Widerstände, MLCCs, Kleinsignal- und Leistungstransistoren. Dabei können die Lieferzeiten schon mal 50 Wochen und mehr betragen. »Was heute kommen sollte, wird gerne mal auf nächstes Jahr geschoben«, beschreibt Püthe die Situation. Inzwischen hat man die Konsequenzen gezogen. Weil man nicht mehr auf eine normale Belieferung und eine stabile Lieferkette vertraut, setzt inpotron auf den konsequenten Ausbau des eigenen Lagers, mit allen damit verbundenen Risiken. »Nur so können wir die Belieferung für die Produktion einigermaßen kundengerecht umsetzen.«

inpotron Schaltnetzteile
Um eine Nettofläche von 4800 m2 wird die Produktionsfläche derzeit vergrößert. Damit wird inpotron Schaltnetzteile in Zukunft in der Lage sein, 1,5 Millionen statt wie bisher 800.000 Stromversorgungen im Jahr zu produzieren.
© inpotron Schaltnetzteile

An eine vergleichbare Situation kann sich Püthe in den letzten 24 Jahren nicht erinnern. Aktuell ist es die Aufgabe des Vertriebs, dem Kunden die Lage zu erklären und gemeinsam ein Stück weit zu priorisieren, wo die Not am größten ist. Für die Entwicklung bedeutet das, sie muss sich nach Alternativ-Bauteilen umsehen und diese neu qualifizieren. Zeit, die für die Umsetzung neuer Entwicklungsprojekte fehlt. In der Produktion schwingt das Pendel zwischen Überstunden und Leerlauf, wenn das zugesagte Material nicht kommt, hin und her. Zeitintensiv sind auch die durch die kaum vorhersehbare Belieferungssituation notwendigen häufigen Umrüstungen. Im Einkauf wiederum muss häufig unter Zeitdruck über massive Mehrkosten entschieden werden, wenn sich doch überraschend eine Versorgungsmöglichkeit eröffnet, das aber zum Faktor 5 bis 20 des sonst üblichen Preises. Dass sich diese monatelange Ausnahmesituation auch auf die Beschäftigen auswirkt, versteht sich von selbst.

Dabei hatte man sich zuletzt angesichts der weiter dynamischen Entwicklung des Unternehmens intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie der Übergang von einem kleinen zu einem immer größer werdenden Unternehmen erfolgreich gelingen kann. »Wir haben die Gesamtstruktur des Unternehmens in einzelne Teams überführt, die in einem Wertestrom zum Kundennutzen angelegt sind«, schildert Püthe die Veränderung der Firmenstruktur. »Diese Teams weisen eine Wabenstruktur auf und verfügen jeweils über eine fachliche Führungskraft und jemanden, der die Menschen in diesem Team leitet.« Ziel dieser Umorganisation war es, Mitarbeiter zu finden, die gerne Verantwortung übernehmen, sei es nun in fachlicher Hinsicht oder unter dem Aspekt der Menschenführung. »Auf diese Weise ist eine hochagile Struktur entstanden, die eine entscheidende Rolle bei unserem zukünftigen Wachstum spielen wird.«

Seine Aufgabe sieht Püthe in den nächsten Jahren darin, zusammen mit dem Technologie-Team des Unternehmens das gestartete Marken-Entwicklungsprogramm der inpotron Schaltnetzteile weiter voranzutreiben. »Der Wettbewerb wird intensiver, und wir werden uns davon in Zukunft nur durch Technologieführerschaft und den Mehrnutzen, den wir unseren Kunden mit unseren Lösungen bieten, differenzieren können.« Diesen Prozess will der Unternehmensgründer noch fünf bis zehn Jahre begleiten. Die Unverkäuflichkeit und der Erhalt des Unternehmens stehen dabei für ihn an erster Stelle. Die Weichen dafür, das Unternehmen in seinem Sinne weiter zu führen und zu entwickeln, sind im Management bereits gestellt.
 


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