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Aufholjagd in Sachen Logik

02. Mai 2019, 12:11 Uhr   |  Heinz Arnold

Aufholjagd in Sachen Logik

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de

Wieder einmal hat Samsung entdeckt, dass die eigene Logiksparte noch Raum für Verbesserungen bietet. Ob die Aufholjagd diesmal gelingt?

Die Preise für Speicher fallen. Die wenigen verbliebenen Hersteller von DRAMs und Flash-Speicher-ICs, die über die letzten Jahre von Rekordergebnis zu Rekordergebnis gejagt waren, mussten über die vergangenen Quartale herbe Umsatz- und Gewinneinbußen verkraften. In Zeiten, zu denen der Markt nur eine Richtung kennt, nämlich nach oben, scheint die zyklische Natur gerade des Speichermarktes immer wieder einmal in Vergessenheit zu geraten. Befinden wir uns überhaupt in einem echten Abwärtszyklus? Darüber lässt sich trefflich streiten. Und ganz abgesehen davon, ob es sich im Moment um einen „typischen“ Zyklus – was auch immer das ist – oder nur eine Korrektur handelt, der Blick fällt in solchen Situationen auf Marktsektoren, die es auch noch gibt. Denn jetzt können selbst tolle Wachstumszahlen die schlichte Tatsache nicht übertünchen: Es ist sehr gefährlich, sich von dem höchst volatilen Speicher-IC-Markt abhängig zu machen.

Das ist sicherlich für Samsung nicht neu; umso schmerzlicher dürfte es sein, dass es bisher trotz wiederholter Versuche nicht gelungen ist, im Sektor der Prozessoren und der Logikchips auch nur annähernd an die Erfolge im Bereich der Speicher-ICs anzuschließen. Zumal neu entstehende Märkte rund um IoT und Industrie 4.0 den Bedarf an Logik-ICs noch kräftig befeuern werden. Der Einzug von KI macht neue Prozessorarchitekturen erforderlich, was auch nicht ohne Einfluss auf die zugehörigen Speicher bleiben wird. Es lohnt sich also schon aus diesem Grund, auf dem Prozessor- und Logik-IC-Markt präsent zu sein – ganz abgesehen davon, dass Diversifizierung an sich schon sinnvoll wäre.

Deshalb sah sich Samsung veranlasst, eine Großoffensive anzukündigen: Bis 2030 will der Konzern auf dem Gebiet der Logik-Chips die weltweite Führung übernommen haben. Zahlen sollen die Ernsthaftigkeit des Unterfangens unterstreichen. Mit über 10 Mrd. Dollar pro Jahr will Samsung die Aufholjagd befeuern, über 50 Prozent des Geldes werde in R&D fließen, der Rest in den Aufbau von Kapazitäten. Das dürfte ungefähr dem Betrag entsprechen, den die weltgrößte Foundry, TSMC, pro Jahr investiert. A propos Foundry: Einen Teil des Geldes will Samsung dazu verwenden, parallel auch das Foundry-Geschäft auszubauen.

Doch schon den Vorsprung auf dem Gebiet der Logik aufzuholen dürfte für Samsung trotz des vielen Geldes – und woher es dann auch immer kommt – nicht einfach werden. Vor allem aber ist Samsung nicht allein: Auch China steckt riesige Summen in den Halbleitersektor.

Bleibt also abzuwarten, ob es Samsung diesmal wirklich ernst meint. Oder ist die Milliarden-Ankündigung einfach nur eine Reaktion auf den derzeitigen Speicherabschwung und als positive Nachricht nach dem Desaster um das faltbare Smartphone gedacht?

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