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Interview mit Stefan Seyfried, AMD

Mit 3 Fragen zum richtigen Prozessor

07. September 2021, 08:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Mit 3 Fragen zum richtigen Prozessor
© AMD

Stefan Seyfried, Senior Sales Manager Embedded bei AMD: »Die Prozessorauswahl hängt stark vom jeweiligen Anwendungszweck ab.«

Bei der Frage nach dem richtigen Prozessor stehen viele Entwickler vor einer hohen Hürde – die Auswahl am Markt ist riesig. Auch AMD bietet ein großes Portfolio an Embedded-Prozessoren. Stellt man sich jedoch die richtigen Fragen, fällt die Wahl gar nicht so schwer.

Markt&Technik: Herr Seyfried, worin liegen die Unterschiede zwischen den Ryzen- und Epyc-Embedded-Prozessoren von AMD?

Stefan Seyfried: Zunächst ist zu sagen, dass wir beide Prozessor-Familien auf einer einzigen Mikroarchitektur aufbauen: der »Zen«-Architektur in verschiedenen Generationen. 2017 sind wir mit Zen 1 im Consumer-Bereich gestartet, danach folgten Zen 2 und Zen 3. Der Core ist weitgehend der gleiche, egal ob wir Embedded-, Mobile-, Desktop-, Client- oder Server-Prozessoren herstellen.

Vergleicht man Epyc und Ryzen Embedded, so ist der größte Unterschied zunächst die Grafik – bei Epyc-Prozessoren ist diese nicht implementiert. Ryzen-Prozessoren hingegen sind als Accelerating Processing Unit (APU) ausgeführt, das heißt, die Grafik ist auf dem Die integriert.

In welchen Bereichen kommen die Ryzen-APUs zum Einsatz?

Bis auf wenige Ausnahmen benötigen Anwender in einem Embedded-System immer eine Grafik-Unterstützung. Entsprechend finden sich die Ryzen-Embedded-CPUs in HMIs, Medical-Anwendungen sowie Industrie-PCs. Daneben gibt es einige ausgefallene Anwendungsbereiche. Ryzen-V1000-Prozessoren arbeiten zum Beispiel im Weltall, andere im Bereich der Flugzeugtechnik, beim Vermessen von Abständen zwischen Flugzeugen. Ein weiteres Anwendungsfeld der Ryzen-Embedded-Prozessoren ist der Automotive-Bereich. Beispielsweise stattet der größte Hersteller von elektrischen Pkw sein Infotainment-System mit Ryzen-CPUs und RDNA-2-basierten GPUs aus.

Wofür eignen sich die Epyc-Prozessoren am besten?

Die Epyc-Embedded-Prozessoren sind im Gegensatz zu den Ryzen-Embedded-CPUs eher im Edge-Segment angesiedelt, da hier sehr viele Daten zu verarbeiten sind und eine hohe CPU-Performance nötig ist. Hierfür ist die Epyc-Reihe am besten geeignet, denn sie hat zum Beispiel bis zu 128 PCIe-Lanes. Hiervon profitieren etwa 5G-Systeme, die eine sehr hohe Bandbreite benötigen. Bei Server-orientierten Anwendungen ist ebenfalls weniger die Grafik entscheidend, viel mehr die hohe Rechengeschwindigkeit – mit bis zu 64 Cores im Epyc-Bereich.

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AMDs Embedded-Ryzen-Prozessoren sind als Accelerating Processing Unit (APU) ausgeführt, das heißt, die Grafik ist auf dem Die integriert.

Für Edge-Computing-Anwendungen würden Sie also die Epyc-Reihe bevorzugen?

Edge Computing deckt ein riesiges Feld ab, und welcher Prozessor für welche Anwendung geeignet ist, hängt sehr stark vom jeweiligen Einsatzbereich ab. Eine klassische Edge-Anwendung ist zum Beispiel ein Netzwerk für einen 5G-Firmencampus. Hier kann auch ein Ryzen V2000 ausreichen, da er genug PCIe-Lanes bietet. Gleichzeitig besitzt der V2000 eine sehr geringe Thermal Design Power (TDP) und mit bis zu acht Cores eine hohe CPU-Performance.

Auf der anderen Seite gibt es die klassischen Edge-Anwendungen, die viele IoT-Geräte in einer Fabrik miteinander vernetzen. Sie sind ausschließlich auf das Verarbeiten von Daten ausgelegt. Hier könnte wiederum eine Epyc-CPU mit ihren vielen PCIe-Lanes besser geeignet sein. Sie sehen, die Auswahl des Prozessors ist sehr anwendungsspezifisch.

Also muss der Entwickler je nach Use Case individuell den Prozessor auswählen?

Genau, das ist ebenfalls ein Grund, weshalb zum Beispiel Computermodul-Hersteller wie Congatec oder Kontron verschiedene Module mit unterschiedlichen Prozessoren anbieten. So ist für jeden Entwickler und für jeden Anwendungsfall das Richtige dabei.
Sollen also Hersteller von Computermodulen verschiedene Prozessoren adaptieren?

Ja, denn mit einem Prozessor kommt man nicht aus. Möchte ein Modulhersteller den ganzen Markt abdecken, sollte er sowohl Ryzen- als auch Epyc-Prozessoren verwenden. Würde er lediglich auf Ryzen-CPUs setzen, bliebe das komplette Networking- sowie vieles vom Edge-Segment außen vor. Übrig bliebe lediglich der klassische Industrie-PC- sowie IoT-Gateway-Bereich. Sieht man die Wachstumsraten im Bereich Networking und Storage am Edge, wäre es schade, sich diesem Segment zu verschließen.

Wann lande ich als Entwickler bei einer AMD-CPU und warum?

Hierfür muss man sich als Entwickler zunächst die Frage stellen: x86 oder Arm? Letzten Endes greift x86 auf ein größeres Ökosystem als Arm zurück. Mit Ökosystem meine ich die Entwicklungs-Tools, aber auch Compiler oder fertige Software. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob man Leute findet, die die Software programmieren. Gerade an den Unis programmiert nahezu jeder Student auf x86-Basis – das ist ein riesiger Vorteil für uns. Neben den Vorteilen der Performance ist außerdem das reichhaltige Ökosystem der Grund, warum sich x86 immer wieder durchsetzt.

Arm dagegen ist vom Ökosystem her eingeschränkter. Nichtsdestotrotz ist Arm für sehr viele Anwendungen interessant, gerade im Ultra-Low-Power-Bereich. Geht es jedoch darum, eine möglichst flexible Software-Lösung anzubieten, ist x86 weit überlegen.

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