Schwerpunkte

Neuer Fertigungsansatz für Halbleiter

Forschungsverbund entwickelt Sensorsysteme für autonomes Fahren

30. September 2019, 16:30 Uhr   |  Stefanie Eckardt

Forschungsverbund entwickelt Sensorsysteme für autonomes Fahren
© Robert Bosch

Im Forschungsverbund OCEAN12 werden Sensorsysteme für das automatisierte Fahren und Fliegen entwickelt. Möglich macht es ein neuer Fertigungsansatz für Halbleiter.

Automatisiertess Fahren erfordert leistungsfähige und energiesparende Sensoren und Steuersysteme. Hier setzt das Projekt OCEAN12 an, in dem europaweit 27 Partner aus den Bereichen Halbleitertechnik, Elektronik, Luftfahrt- und Automobiltechnik zusammenarbeiten. Bosch leitet das deutsche Konsortium.

Das Mobilitätsangebot in Metropolen wird immer vielfältiger. Menschen sind zu Fuß, auf dem Rad oder eBike, in Bussen und Bahnen, mit dem eigene Auto und künftig auch in automatisierten Fahrzeugen unterwegs. Auch für Flugzeuge ergeben sich neue Möglichkeiten: In Ballungsräumen könnten autonome Flugtaxis oder Drohnen für den Transport von Personen oder zeitkritischen Waren und Medikamenten eingesetzt werden. Alle diese Anwendungen erfordern leistungsfähige Sensoren und Steuersysteme, die gleichzeitig so energiesparend wie möglich arbeiten. Hierfür wurde das Projekt OCEAN12 ins Leben gerufen, in dem europaweit 27 Partner aus den Bereichen Halbleitertechnik, Elektronik, Luftfahrt- und Automobiltechnik zusammenarbeiten. Bosch leitet das aus 14 Organisationen bestehende deutsche Konsortium. Gemeinsam entwickeln die Projektpartner bis Ende 2021 verschiedene, energieeffiziente Komponenten, die die Umgebungsdaten von Fahrzeugen und Flugzeugen erfassen und verarbeiten können. Dazu zählen Umfeldsensoren wie  Kameras, Lidar- oder Radarsensoren sowie Mikroprozessoren zur Verarbeitung der Daten. Die Elektronik wandelt die erfassten Daten in Steuerbefehle für nachgelagerte Komponenten um. Das können die Bremsen oder die Lenkung beim Auto sein oder auch die Steuerung des Antriebs bei einem Flugtaxi.

Wesentliche Basis für die Entwicklung im Projekt ist die sogenannte Fully-Depleted-Silicon-On-Insulator-Technologie (FD-SOI-Technologie) des Projektpartners Globalfoundries. Dahinter steckt ein Fertigungsansatz für Halbleiter, bei dem eine zusätzlich eingebrachte, sehr dünne Isolationsschicht im Chip die Leckströme reduziert. Das minimiert den Stromverbrauch und führt zu einer höheren Rechengeschwindigkeit. Auf Basis dieser Technologie können die Partner des Forschungsverbundes anschließend Komponenten entwickeln, die maximale Energieeffizienz und hohe Rechenleistung optimal kombinieren. »Ziel des Projektes OCEAN12 ist, dass neue Sensorsysteme für zukünftige Mobilitätskonzepte bis zu 90 Prozent weniger verbrauchen als heutige Systeme«, erklärt Dr. Tilman Glökler von Bosch. Zudem ermöglicht es die neue Technik, kleine Sensorsysteme zu bauen, weil Sensoren einschließlich leistungsstarker integrierter Auswerteschaltungen auf einem SoC integriert werden. »Für das automatisierte Fahren und Fliegen sind energiesparende Sensorsysteme unabdingbar. Mit dem Projekt OCEAN12 kommen wir diesem Ziel mit unserer Kompetenz im Bereich der Mikroelektronik schrittweise näher«, betont Glökler.

Das Projekt OCEAN12 wird von der Europäischen Union und nationalen Organisationen gefördert. In Deutschland unterstützen das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Freistaat Sachsen. Alle Förderer zusammen stellen im Projektzeitraum zwischen Mitte 2018 und Ende 2021 rund 48 Millionen Euro bereit. Zum deutschen Konsortium zählen neben Airbus, Audi, Bosch und Globalfoundries auch mittelständische Unternehmen beispielsweise Unity Semiconductor oder MunEDA sowie Forschungsinstitute und Universitäten wie Fraunhofer IIS und EMFT, die Universitäten Paderborn, Tübingen, Dresden oder der Bundeswehr München.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Verwandte Artikel

Robert Bosch, GLOBALFOUNDRIES Europe Ltd., Audi AG , Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF, Fraunhofer IIS Inst. f. Integrierte Schaltungen, Airbus Group