Xilinx »Wir haben unsere Lektionen gelernt«

Victor Peng, Xilinx: »Ich persönlich glaube, dass der Halbleitermarkt sich in diesem Jahr wieder leicht erholen wird. Es wird sicherlich kein Spitzenjahr für die Halbleiterindustrie, aber ich bin mir sicher, dass der Umsatz nicht weiter schrumpfen wird.«

Laut WSTS ist der Halbleitermarkt 2019 um knapp 13 Prozent geschrumpft. Xilinx wird in seinem Geschäftsjahr rund 6 Prozent zulegen.

Markt&Technik sprach mit Victor Peng, CEO und President von Xilinx, u.a. darüber, wie das Unternehmen sich dem allgemeinen Trend entziehen konnte, aber auch über den laufenden Rechtsstreit.

Markt&Technik: Analog Devices hat Ende letzten Jahres Xilinx wegen Patentverletzungen bei Wandlern in mindestens zwei der High-End-Zynq-UltraScale+- und RFSoC-Produkte verklagt. So weit, so gut; was eher überrascht, ist die eher harsche Reaktion von Xilinx. In der offiziellen Stellungnahme hieß es fast wörtlich: Analog Devices hat sich dafür entschieden, einen Rechtsstreit zu führen, anstatt auf dem Markt zu konkurrieren. Warum so eine Reaktion?

Victor Peng: Ob die Reaktion harsch war, darüber lässt sich sicherlich streiten. Ich sehe es einfach folgendermaßen: Xilinx hat viele Jahre viel Geld in die Entwicklung dieser Produkte investiert und wir sind absolut sicher, dass es sich hier um sehr innovative Produkte handelt. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass Hersteller am Markt konkurrieren sollten und nicht vor Gericht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Patentstreitigkeiten sind für Xilinx aber nichts wirklich Neues. Xilinx und Altera hatten über Jahre hinweg Patentstreitigkeiten, das hat sich allerdings mittlerweile geändert.

Ja, in den Anfängen ging es bei beiden Unternehmen immer nur darum, wer als Erster den Sprung auf die nächste Prozesstechnologie macht. Und je nachdem, wer der Erste war, der hat dann auch für die nächsten Jahre die Führungsrolle auf dem FPGA-Markt übernommen. Aber das hat sich grundsätzlich geändert. Wir konnten zwar immer noch schneller und mit guten Ausbeuten auf die nächste Prozessgeneration wechseln. Was aber viel wichtiger war, sind die Innovationen, die wir vorangetrieben haben: Wir haben beispielsweise Zynq entwickelt, keiner hatte je zuvor ein ARM-SoC integriert. Wir haben als erster Hersteller mehrere Dies in ein Gehäuse gepackt und damit die Komplexität deutlich erhöht. Wir haben unsere Software neu geschrieben und kamen mit Vivado auf den Markt, damals auch ein absolutes Novum. Heute haben wir Analogtechnik auf dem Chip und jetzt haben wir Versal vorgestellt. Das heißt, nicht nur auf der Execution-Seite sind wir führend, sondern auch auf der Innovationsseite. Die jüngsten Neuerungen fanden bei uns auf der Business-Seite statt, beispielsweise mit neuen Business Units, einem zusätzlichen Geschäft mit Boards, einem Open-Source-Ansatz, oder freier Software. Das heißt, auch auf der Geschäftsseite sind wir nicht mehr mit dem traditionellen FPGA-Unternehmen zu vergleichen, das sich lediglich darauf konzentriert, die nächste Prozesstechnologie möglichst schnell nutzen zu können.

Der weltweite Halbleitermarkt soll laut WSTS 2019 um knapp 13 Prozent geschrumpft sein. Xilinx wird laut eigenen Erwartungen sein Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus von rund 6 Prozent abschließen. Eine beachtliche Leistung, besonders in Hinblick auf die besonderen Umstände.

Wenn wir unsere Vorgaben für das 4. Quartal unseres Geschäftsjahr 2020 erfüllen – das entspricht dem ersten Quartal des Kalenderjahres 2020 – dann wächst unser Umsatz gegenüber dem Geschäftsjahr 2019 definitiv um 6 Prozent. In unserer anfänglichen Prognose für unser Geschäftsjahr 2020 gingen wir von einem Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Dennoch sind die 6 Prozent beachtlich, denn aufgrund der Restriktionen seitens der US-Regierung gegenüber Huawei haben wir uns im Oktober dazu entschieden, dass wir innerhalb dieses Geschäftsjahres mit keinem weiteren Umsatz mit diesem Kunden mehr rechnen, und das wirkt sich natürlich negativ auf das Gesamtziel aus.