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Preise steigen auf breiter Front

Leiterplatten werden teuer und knapp

18. Dezember 2020, 08:44 Uhr   |  Heinz Arnold

Leiterplatten werden teuer und knapp
© Data4PCB

Michael Gasch, Geschäftsführer von Data4PCB: »Die Frage ist nicht: Preiserhöhung zu akzeptieren oder nicht, sondern Vormaterial zu bekommen oder nicht – und lieferfähig zu bleiben.«

Logistikpreise steigen, Materialien werden knapp, die Leiterplattenpreise klettern in die Höhe: Im ersten Quartal könnte es zu Engpässen kommen.

»Steigende Nachfrage, höhere Logistikpreise, steigende Rohstoffpreise und Sondereffekte durch Unfälle in Produktionsstätten, da braut sich für die Leiterplattenbranche und ihre Anwender sowie für die gesamte Elektronikindustrie etwas zusammen. Das erste Quartal dürfte für einige eng werden«, sagte Hans. J. Friedrichkeit, Geschäftsführer von PCB-NETWORK, im Interview mit Markt&Technik.

Doch was braut sich aus welchen Gründen zusammen? Während sich Deutschland im Lockdown befindet, brummen anderswo die Geschäfte. Das Bruttoinlandsprodukt in China wächst, es finden dort bereits wieder mehr Flugbewegungen statt als vor dem Ausbruch der Pandemie.

Die Nachfrage nach elektronischen Produkten wächst ebenfalls, insbesondere im die Sektoren IT-Infrastruktur, 5G, im Automobilsektor wegen der Elektrifizierung sowie im Bereich der erneuerbaren Energien, nicht nur in China, sondern weltweit. Um nur das jüngste Beispiel zu nennen: Apple plant, die Produktion der iPhones in der ersten Jahreshälfte 2021 um fast 30 Prozent auf 96 Mio. Stück anzuheben, wie Nikkei in Japan berichtet. Insgesamt wolle Apple 2021 rund 230 Mio. iPhones fertigen lassen, was einer Steigerung von 20 Prozent entspräche.

Christian Dunger, Vorstand der WDI AG: »Die Logistik ist extrem angespannt, seit Mitte des Jahres gibt es Kapazitätsengpässe, für Luftfracht werden erhebliche Zuschläge verlangt, es kommt zu Verteilungskämpfen allerorten.«
© WDI AG

Christian Dunger, Vorstand der WDI AG: »Die Logistik ist extrem angespannt, seit Mitte des Jahres gibt es Kapazitätsengpässe, für Luftfracht werden erhebliche Zuschläge verlangt, es kommt zu Verteilungskämpfen allerorten.«

Frachtraten steigen massiv, Container werden knapp

Der starke Bedarf lässt sich auch an den Frachtraten von Containern ablesen: Laut dem globalen Freightos Baltic Index (FBX) stieg der Preise für einen 40-Fuß-Container von Ende Mai bis 11. Dezember 2020 von 1460 Dollar auf fast 2800 Dollar, im Dezember 2019 hatten er noch bei 1300 Dollar gelegen. Container werden knapp.

Das ist zu einem großen Teil auch darauf zurückzuführen, dass die Luftfrachtkapazitäten wegen der Pandemie deutlich zurückgegangen sind. Denn in praktisch jedem Passagierflugzeug wurde ein erheblicher Teil an Luftfracht mitbefördert. Laut Michael Gasch, Geschäftsführer von Data4PCB, sind rund 60 Prozent des Frachtaufkommens weltweit mit Passagiermaschinen geflogen. Laut dem statistischen Bundesamt sind die Kapazitäten im kommerziellen Sektor auf Jahresbasis um 60 bis 70 Prozent eingebrochen, zweitweise sogar um 99 Prozent, weil es jetzt viel weniger Passagierflüge gibt als vor Ausbruch von Covid-19.

Zwar unterhalten die großen Zusteller wie DHL, Fedex und UPS eigene Flugzeugflotten, doch die können den Ausfall im Passagierflug nicht ausgleichen. Zudem haben auch se Probleme durch die Quarantäne, die den Pilotenwechsel schwierig machen. »Die Logistik ist extrem angespannt, seit Mitte des Jahres gibt es Kapazitätsengpässe, für Luftfracht werden erhebliche Zuschläge verlangt, es kommt zu Verteilungskämpfen allerorten«, sagt Christian Dunger, Vorstand der WDI AG. Deshalb erlebt die Seefracht, die noch im vergangenen Jahr wegen Überkapazitäten am Boden lag, einen neuen Boom. »Wer immer noch von sinkenden Preisen träumt, will die Realität nicht zur Kenntnis nehmen: Knappheiten führen immer zu steigenden Preisen«, so Dunger.

Hans. J. Friedrichkeit, Geschäftsführer von PCB-NETWORK: »Da braut sich für die Leiterplattenbranche und ihre Anwender sowie für die gesamte Elektronikindustrie etwas zusammen. Das erste Quartal dürfte für einige eng werden.«
© PCB-NETWORK

Hans. J. Friedrichkeit, Geschäftsführer von PCB-NETWORK: »Da braut sich für die Leiterplattenbranche und ihre Anwender sowie für die gesamte Elektronikindustrie etwas zusammen. Das erste Quartal dürfte für einige eng werden.«

Durch Brände zerstörte Werken verschärfen die Lage

Die Lieferketten, die ohnehin schon unter der Corona-Pandemie leiden, werden in dieser Situation durch eine Reihe von Unfällen in Produktionsstätten, die für elektronische Produkte sehr wichtig sind, noch zusätzlich erschüttert: In Japan brannte eine Fab von AKM nieder. Weil hier zwischen 80 und 90 Prozent der weltweit eingesetzten ICs für temperaturkompensierte Oszillatoren gefertigt wurde, und diese Oszillatoren fast überall in elektronischen Baugruppen eingesetzt werden, wird dies einige Branchen erheblich erschüttern.

Außerdem kam es innerhalb von kurzer Zeit zu mehreren Bränden in Produktionsanalgen für Harze (Epoxy), einem Rohstoff, der unter anderem für die Fertigung von Laminat für Leiterplatten-Basismaterial erforderlich ist. Im November ist eine Produktion von LG Chemical abgebrannt und im Werk von Guodu Chemical in Kunshan City (Provinz  Jiangsu, China) kam es zu einer Explosion. Diese Firmen stellen Epoxy her. Epoxy bildet zusammen mit Glasfasern das isolierende Material der Leiterplatten. Diese Materialien werden laminiert und mit Kupferfolien versehen, „Kern“ genannt. Aus diesem Kern stellen dann hierzulande Firmen wie Unimicron (früher Ruwel), Schweizer oder Würth die Leiterplatten im Kundenauftrag her.

»Es handelt sich bei den Epoxy-Herstellern um systemrelevante Firmen, der Ausfall lässt sich deutlich an der Preisentwicklung ablesen: Die Preise für Glasgewebe sind im zweiten Halbjahr 20 Prozent in die Höhe gestiegen, die für Harz von November bis Dezember um 60 Prozent«, sagt Michael Gasch.

»Sowohl die Preise für Glasfaser-Epoxid-Gemische als auch die Preise für Kerne steigen auf breiter Front«, bestätigt Thomas Beck, Geschäftsführer von Würth Elektronik. Laut Michael Gasch sind bereits Erhöhungen von 15 Prozent angekündigt, im ersten und zweiten Quartal würden mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere folgen.

Kupferpreise klettern rasant

Dazu kommt, dass der Bedarf an Kupfer weiterhin schnell wächst, getrieben durch die Bedarfe für Elektrifizierung der Autos und durch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Lag der Kurs am Tiefpunkt in diesem Jahr Ende März bei etwas über 4.600 Dollar pro Tonne, so kletterte er bis jetzt auf über 7.800 Dollar. Der Kupferbedarf für E-Autos und erneuerbare Energien werde laut Michael Gasch von 900.000 t im Jahr 2020 auf 1,9 Mio. t bis 2030 steigen, der Bedarf allein für E-Autos im selben Zeitraum von 170.000 t auf 1,7 Mio. t. Zum Vergleich: Der Weltbedarf an Kupfer liegt derzeit bei 24 bis 25 Mio. t. »Der Bedarf wird das Angebot schon 2021 überholen«, so Gasch.

»Wegen all dieser Faktoren rechnen wir mit Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent für Leiterplatten«, sagte Stefanie Kölbl, Director TQ Embedded, gegenüber Markt&Technik.

Allein der Preis für Kupferfolie ist laut Hans J. Friedrichkeit seit Anfang 2020 um 34 Prozent in die Höhe geklettert. Ein großer und auch preislich interessanter Markt für Kupferfolien sind die boomenden Batterien: »2020 liegt der Bedarf bei 56.000 t für Lithium Batterien in E-Autos und soll bis 2030 auf 1 Mio. t Kupferfolien steigen.«

Für Leiterplatten könnte es deshalb knapp werden, wie Hans J. Friedrichkeit erklärt. Zumal die Unternehmen zum Jahresende ihre Lagerbestände heruntergefahren haben und das erste Quartal eines jeden Jahres für die Leiterplattenbranche das stärkste sei: »Da kommt eine Welle auf uns zu.« Michael Gasch formuliert es so: »Die Frage ist nicht: Preiserhöhung zu akzeptieren oder nicht, sondern Vormaterial zu bekommen oder nicht – und lieferfähig zu bleiben.«

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