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Keine Rettung für Schoeller Electronics

03. November 2020, 13:12 Uhr   |  Karin Zühlke

Keine Rettung für Schoeller Electronics
© Bild: Adobe Stock

Der letzte verbliebene Interessent für eine Übernahme des Leiterplattenherstellers Schoeller zieht sich aus den Gesprächen zurück. 180 Mitarbeiter sind betroffen.

Der Leiterplatten-Hersteller Schoeller Electronics Systems stellt trotz einer gezielten und aktiven Suche nach Investoren den Betrieb ein. Der Grund: „Auch der letzte verbliebene Interessent hat uns nun mitgeteilt, dass er sich aus dem Bieterprozess zurückzieht“, teilt Insolvenzverwalter Dr. Michael Lojowsky von Schultze & Braun mit. Der Insolvenzverwalter ist daher in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss gezwungen, den Geschäftsbetrieb einzustellen. Nach derzeitigen Planungen endet der Produktionsprozess spätestens zum 31. Januar 2020.

Die rund 180 Mitarbeiter hat Lojowsky von den anstehenden Kündigungen in Kenntnis gesetzt. Mit dem Betriebsrat verhandelt der Insolvenzverwalter derzeit einen Interessenausgleich und Sozialplan. „Wir haben bis zuletzt gehofft und dafür gekämpft, dass die vorhandenen Investoren Schoeller Electronics Systems übernehmen“, sagt Lojowsky. „Es hat dafür sehr viel Unterstützung aus dem Kunden- und Lieferantenkreis, dem Gläubigerausschuss sowie der örtlichen Politik gegeben. Leider konnte der Interessent aber trotz diverser Zugeständnisse nicht davon überzeugt werden, Schoeller fortzuführen.“

Schoeller Electronics Systems ist einer der führenden Leiterplattenhersteller in Europa. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Sondertechnik-Schaltungen wie Flex- und Starrflex-Schaltungen, Platinen mit Laser-Mikrolöchern, Metallkernen oder besonderen Basismaterialien, etwa für Hochfrequenzschaltungen. Gefertigt wird vom Entwicklungsmuster bis zur Serie. Zu den Kunden gehören die großen europäischen Elektronikkonzerne.

Das Amtsgericht Marburg hatte Anfang Mai das vorläufige Insolvenzverfahren und Dr. Lojowsky zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Da die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt führungslos war, da der Geschäftsführer in Großbritannien weilte und corona-bedingt nicht ausreisen konnte, wurde Dr. Lojowsky als sogenannter „starker“ vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Zusammen mit dem erfahrenen Interimsgeschäftsführer Felix Hick gelang es ihm, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Ursache der Schwierigkeiten in dem Unternehmen war eine unzureichende Ausstattung mit Liquidität und daraus resultierenden Engpässen bei der Versorgung mit Produktionsmaterial sowie Lieferverzögerungen bei den Kunden.

„Bei meinem Eintreffen im Unternehmen stand die Produktion bereits nahezu still. Daher war es die erste Aufgabe, das Unternehmen wieder hochzufahren und Mitarbeiter und Kunden bei der Stange zu halten. Das ist gut gelungen, insbesondere weil die Belegschaft sich sehr engagiert hat“, lobt Dr. Lojowsky.

Zwar gelang es Dr. Lojowsky und dem Interimsgeschäftsführer Hick, mit ihren Maßnahmen das Unternehmen während des Verfahrens zu stabilisieren. „Es war aber von Beginn an klar, dass es ohne einen strategischen Partner für Schoeller Electronics mittel- und langfristig nicht weitergehen kann“, so Dr. Lojowsky. Deshalb beauftragte er schon kurz nach Beginn des Verfahrens die Wirtschaftsprüfungs­gesellschaft Deloitte mit einer weltweiten Suche nach Investoren und verhandelte in den vergangenen Wochen mit mehreren Interessenten. „Letztendlich stiegen diese Interessenten aber nach und nach aus den Gesprächen aus. Nachdem sich nun auch der letzte potentielle Investor zurückgezogen hat, bleibt uns keine andere Wahl als die Entscheidung, den Geschäftsbetrieb einzustellen“, berichtet Dr. Lojowsky.

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