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Produktion, Vertrieb, Arbeitszeitmodelle

Wie EMS-Firmen die Coronakrise meistern

22. Oktober 2020, 06:00 Uhr   |  Karin Zühlke

Wie EMS-Firmen die Coronakrise meistern
© GPV

Thomas Kaiser, GPV: »Wir sind sehr glücklich über die Situation, dass wir bislang komplett schadlos durch diese Krise gekommen sind.«

Die EMS-Industrie ist äußerst flexibel und gewohnt, mit Krisen fertig zu werden. Für die Corona-Pandemie gab es allerdings keine Blaupause. Doch auch diesmal stellt die Branche ihre Resilienz unter Beweis. Die Teilnehmer des virtuellen EMS-Forums schildern ihre Erfahrungen.

Oberste Priorität räumen alle Befragten dem Gesundheitsschutz der Mitarbeiter ein: Nach diesen Gesichtspunkten erfolgte die Neuausrichtung aller Abläufe in Produktion und Fertigung. Dazu gehört nach den Worten von Andreas Pfeiffer, Bereichsleiter Kundenberatung und Marketing von Ginzinger electronic, dafür zu sorgen, »dass das Unternehmen nicht durch potenzielle Virenträger und behördliche Einschränkungen lahmgelegt wird und wir nicht mehr lieferfähig sind«. So wurden bei Ginzinger unter anderem Corona-Tests nach der Rückkehr aus dem Betriebsurlaub durchgeführt. Homeoffice ist bei allen Teilnehmern des virtuellen EMS-Forums das Mittel der Wahl in Bereichen, die keine unbedingte Präsenz erfordern: Die Firmenvertreter nennen hier die Bereiche Back Office, Verwaltung, IT, Vertrieb, Entwicklung, Fertigungsvorbereitung und Einkauf. Die »Auflösung der klassischen Bürokultur«, wie es Andreas Schneider nennt, Leiter Business Unit bei BMK, und der Transfer von Meetings in virtuelle Räume funktioniert zwar technisch erwartungsgemäß gut. Ganz reibungslos ist das ungewohnte Kommunikationsverhalten allerdings nicht immer: »Abstimmungen durch Rückfragen, besseres Zeitmanagement und schnelle Reaktion auf Kundenwünsche oder Neuproduktanläufe sind aufwändig und kräftezehrend – Stichwort Produktivitätsverluste«, gibt Ralf Hasler, Geschäftsführer von Lacon, zu Bedenken.

Als wichtig erachten viele der befragten EMS-Firmen in der aktuellen Situation daher auch die interne Kommunikation, wie Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, unterstreicht: »Natürlich ist durch das Coronavirus auch bei unseren Mitarbeitern im Unternehmen eine besondere Situation entstanden. Diese versuchen wir aber durch eine offene, initiative Kommunikation aufzufangen.«

Zollner Elektronik
© Zollner Elektronik

Johann Weber, Zollner Elektronik »Unsere Corona-Taskforce hat auf die rasante Entwicklung der Pandemie mit vielerlei Maßnahmen schnell reagiert, und der Zusammenhalt sowie die Unterstützung im Unternehmen waren groß.«

Die „Hygiene-Strategie“ in den Werken selbst sieht bei vielen EMS-Firmen ähnlich aus: So gelten unternehmensweite Hygienekonzepte nach den gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes sowie ein sich nicht überlappender Schichtbetrieb und/oder eine Zonen- bzw. Sektorenregelung in den Werken. Schichtübergaben finden wenn dann nicht mehr persönlich, sondern virtuell statt. Zum Teil erforderten die Abstandsregelungen auch Änderungen der Arbeitssysteme, wie etwa Andreas Schneider für BMK erläutert. Des Weiteren erfolgten zum Teil Anpassungen der Klima- und Lüftungskonzepte an die neue Situation.

Flexible Arbeitszeitmodelle und Kurzarbeit

Einige EMS-Firmen haben nach eigenen Angaben Kurzarbeit angemeldet, um Auftragsrückgänge abfedern zu können. Gleichzeitig durfte die Flexibilität nicht verloren gehen, um auf kurzfristige Auftragsverschiebungen und Materialengpässe reagieren zu können. cms electronics hat dies nach Auskunft von Geschäftsführer Michael Velmeden mittels einer Umstellung der Schichten abgefedert, indem auf eine 6-Tage-Woche mit 12-Stunden-Schichten und einem Zweigruppenmodell gewechselt wurde. Bei productware kam laut Geschäftsführer Marco Balling das flexible Arbeitszeitmodell zum Tragen, Kurzarbeit hingegen gab es nicht. Und Balling sieht die Notwendigkeit mit Sicht auf die aktuelle Auslastung auch weiterhin nicht.

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2. Globale Produktion
3. Vertrieb in Pandemiezeiten

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