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Automotive SerDes Conference 2020

Wettlauf um einen einheitlichen Standard

28. Oktober 2020, 08:21 Uhr   |  Ingo Kuss

Wettlauf um einen einheitlichen Standard
© ASA / SerDes

Rund 160 Teilnehmer, Referenten und Aussteller tauschten sich auf der virtuellen Automotive SerDes Conference im Oktober 2020 aus.

Das Interesse an einer schnellen Datenübertragung via SerDes im Fahrzeug wächst. Entsprechend groß war auch die Beteiligung an der ersten internationalen Automotive SerDes Conference.

Das sichtbarste Erkennungszeichen für die wachsende Bedeutung von SerDes-Verbindungen (Serializer/Deserializer) im Auto sind die immer größeren werdenden Displays im Innenraum. Für die Anbindung von besonders hoch auflösenden Bildschirmen rechnen Experten inzwischen mit Datenraten von über 33 Gbit/s. Hinzu kommt noch die ebenfalls steigende Auflösung der Kameras für moderne Fahrerassistenzsysteme. Entsprechend groß ist der Bedarf an schnellen SerDes-Verbindungen, die solche Datenmengen bewältigen können.

Und entsprechend groß war auch der Andrang bei der ersten Automotive SerDes Conference, die im Oktober als virtuelles Event stattfand. Rund 160 Teilnehmer, Referenten und Aussteller aus den USA, Europa und Asien informierten sich zwei Tage lang über die neuesten Entwicklungen der SerDes-Technologie. Ein zentrales Thema auf der von der Markt&Technik veranstalteten Konferenz war die Frage nach einem zukünftigen einheitlichen Standard für Automotive SerDes.

Während aktuell mehrere unterschiedliche proprietäre Systeme im Einsatz sind, bemühen sich insbesondere zwei Verbände um einen offiziell anerkannten Standard. Die bereits 2003 gegründete Mobile Industry Processor Interface Alliance (MIPI), die sich insbesondere mit Schnittstellen für mobile Geräte befasst, setzt auf den sogenannten A-PHY. Die Automotive SerDes Alliance (ASA) wiederum, die 2019 ausschließlich mit dem Ziel der Entwicklung eines Automotive-SerDes-Standards ins Leben gerufen wurde, hat den sogenannten ASA Motion Link entwickelt.

Auf der Automotive SerDes Conference hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, Informationen über die jeweilige Technologie aus erster Hand zu bekommen. So gab die MIPI kurz vor Konferenzbeginn die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding mit dem IEEE bekannt. Die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Ingenieursverband soll die Annahme der MIPI-A-PHY-Spezifikation als offizieller IEEE-Standard erleichtern. In technischer Hinsicht kann die maßgeblich von Valens entwickelte Physical-Layer-Schnittstelle der MIPI mit einer hohen Störfestigkeit sowie einer einfach zu realisierenden Integration anderer bereits etablierter MIPI-Schnittstellen wie DSI und CSI punkten.

Aus Sicht der ASA steht insbesondere die Entwicklung eines offenen Marktes mit zahlreichen Anbietern von untereinander kompatiblen Lösungen im Vordergrund. Der Motion-Link-PHY wurde daher unter Mitwirkung von mehreren Halbleiterherstellern gemeinsam als eine neue Lösung entwickelt. So soll keiner der zukünftigen Anbieter über einen klaren technologischen Vorsprung verfügen, der den Markt für die anderen Hersteller uninteressant machen könnte. Mit BMW, Ford und Hyundai/Kia unterstützen zudem bereits wichtige Automobilhersteller die Automotive SerDes Alliance, die ebenfalls auf eine Überführung ihrer Spezifikationen in einen IEEE-Standard setzt.

Insgesamt zeichnet sich damit ein spannender Wettlauf zwischen den beiden Industrieverbänden ab, welches Lager sich letztlich bei der Standardisierung von Automotive SerDes durchsetzen wird. Auch bei der Automotive SerDes Conference im nächsten Jahr wird es also wieder reichlich Gesprächs- und Informationsbedarf geben.

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