Schwerpunkte

Grundsteinlegung in Köln

Ford baut Crash-Testanlage aus

18. November 2020, 15:00 Uhr   |  Stefanie Eckardt

Ford baut Crash-Testanlage aus
© Ford

Ford baut eine neue Crash-Testanlage, die neue Testreihen ermöglicht, in denen Fahrzeuge und Barrieren beim Crash aufeinander zufahren.

Ford investiert 15,5 Millionen US-Dollar in den Ausbau seiner Crash-Testanlage im Kölner Entwicklungszentrum. Die bestehende Anlage wird um eine 100 m lange Anlaufbahn und eine mehr als 2.000 m2 große Crash-Arena erweitert.

Schon seit der Gründung des Entwicklungszentrums im Jahr 1968 untersuchen die Ingenieure im Crash-Testzentrum, welche Folgen Kollisionen für die Fahrzeuge und ihre Insassen haben. Seitdem sind die Autos sicherer geworden und die Anforderungen an die Testprozeduren stetig gewachsen. Um den künftigen Bestimmungen von Euro NCAP zu genügen, baut Ford nun an die bestehende Anlage einen neuen Flügel.

Die Crash-Experten haben festgestellt, dass ein mobiler Widerstand im Vergleich zu einem starren Hindernis Einfluss auf die Unfallfolgen hat, etwa auf die Rotation des Fahrzeugs nach dem Zusammenprall. In Zukunft fahren also Fahrzeug und Barriere mit jeweils 50 km/h aufeinander zu. Bei der Kollision überdecken sich Fahrzeugfront und Barriere zu 50 Prozent. Die neuen Testreihen bilden so einen Frontalzusammenprall von zwei Fahrzeugen noch realistischer ab und ermöglichen damit noch bessere Rückschlüsse für den Entwicklungsprozess.

Um das zu realisieren, brauchte es mehr Platz. Deshalb entsteht derzeit in Merkenich die neue, 100 m lange Anlaufbahn. Auf einer Schiene werden hier die Probanden, also die Crash-Test-Dummies in ihren Testkarossen, von einem Stahlseil gezogen und auf das vorgesehene Tempo beschleunigt. Diese Bahn mündet in der Crash-Arena, ebenfalls ein Neubau. In der mehr als 2.000 m2 großen Halle crasht es dann über einer sechs Meter tiefen Filmgrube mit neuester Video-Technik. Der Aufprall wird nicht nur von unten, sondern auch seitlich und von oben mit High-Speed-Kameras festgehalten. Spezielle Lichtsysteme werden dafür installiert. Die Barriere fährt für den Crash-Test aus der bestehenden Anlage in die Arena ein. Dabei laufen die Mittelachsen von bestehender und neuer Halle genau aufeinander zu.

Den elektrischen Antrieb, der Proband und Barriere beschleunigt, erneuert Ford ebenfalls. Er wird wesentlich leistungsstärker, schließlich sind ja nun zwei Komponenten zu bewegen. Der bisherige Motor hatte eine Leistung von 400 kW, beim neuen werden es 1.470 kW sein. Damit die Barriere so realistisch wie möglich ein entgegenkommendes Auto simuliert, besteht ihre Oberfläche aus Aluminium-Waben, deren Wandstärke zunimmt.

Mit den sechs neuen Dummies verfügt Merkenich nun über eine 40-köpfige Dummy-Familie, an der die Unfallfolgen für Menschen nachgeahmt werden. Zwar kann man immer mehr physikalische Vorgänge am Computer simulieren, so auch bei der Sicherheit. Reale Testreihen mit echten Kollisionen bleiben aber fester Bestandteil der Homologation eines neuen Modells.

Systeme des Insassenschutzes im Fahrzeug, also vor allem Sicherheitsgurte und Airbags, testet der Autobauer ohne Crash auf einer so genannten Schlittenanlage. Hier simuliert man das Unfallgeschehen durch enorme Beschleunigungskräfte, wobei die Karosse unbeschädigt bleibt.

Die neue Anlage soll bis Mitte 2021 fertig gestellt sein. Anschließend wird die bestehende Anlage modernisiert. Das gesamte Projekt will Ford bis Ende 2021 abschließen.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Mahle baut globales Entwicklungszentrum für Mechatronik
Wettlauf um einen einheitlichen Standard
Daimler Trucks und Torc kooperieren mit Luminar
Telematik-System ist nun herstellerunabhängig nutzbar
So wird der Betrieb vollelektrischer Fahrzeuge optimiert
Neuronale Netze für sicherheitskritische Anwendungen verifizieren

Verwandte Artikel

FORD-WERKE GmbH