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»In Zukunft betonen wir das „Made in Germany“ stärker«

24. März 2020, 08:05 Uhr   |  Engelbert Hopf

»In Zukunft betonen wir das „Made in Germany“ stärker«
© Markt&Technik

Markus Bicker, Bicker Elektronik: »Wir werden in Zukunft unsere eigene Entwicklungstätigkeit mit dem „Made in Germany“-Brand noch mehr in den Fokus stellen. Dabei hilft auch der zum 1. März eingerichtete Online-Shop, über den in Zukunft ein Teil des Standardgeschäfts abgewickelt werden soll.«

Vom Standardgerät zur kundenspezifischen Stromversorgung, so lautet das Fazit der 25-jährigen Entwicklung der Bicker Elektronik. Unternehmensgründer Markus Bicker erklärt im Markt&Technik-Interview unter anderem, wie kundenspezifische Teile produziert werden.

Markt&Technik: Aktuell hält das Thema Coronavirus alle in seinem Bann. Wie gehen Sie bei Bicker Elektronik mit dieser Herausforderung um?

Markus Bicker: Panischer Aktionismus ist in meinen Augen kein Rezept. Ich bin ein Freund des gesunden Menschenverstands. Hausintern halten wir uns an die Ratschläge des Robert-Koch-Instituts. Unseren Außendienst haben wir seit der letzten Woche ausgesetzt und Mitarbeiter mit der Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice haben wir nach Hause geschickt. Ich halte aber nichts davon, das eigene Unternehmen quasi in eine Festung zu verwandeln, in die Besucher nur nach einer Messung der Körpertemperatur und der Angabe, wo sie sich die letzten zwei Wochen aufgehalten haben, eingelassen werden.

Vom Lokalen zum Globalen – welche Auswirkungen hat nach Ihrer Beobachtung das Coronavirus auf die Lieferkette aus Asien? Gibt es bereits konkrete Verzögerungen?

Bei der Power-Distribution arbeiten wir vor allem mit Delta, Artesyn Embedded Technologies und AdapterTech zusammen. Bisher registrieren wir bei Geräten und Komponenten eine Verzögerung von sechs bis acht Wochen. Unsere Kunden werden das aber nicht zu spüren bekommen, weil wir unser Lager vor dem Chinese New Year noch einmal kräftig aufgestockt haben. Betrug sein Wert Ende letzten Jahres etwa 2,5 Millionen Euro, sind es heute etwa 3 Millionen Euro.

Unter dem Slogan „Alles aus einer Hand“ bieten Sie Stromversorgungen, USVs und Systemkomponenten an. Wie differenzieren Sie sich damit vom Wettbewerb?

Wir wollen vom Kunden als Lösungsbieter wahrgenommen werden. Dazu bieten wir ihm sowohl eine große Auswahl an Off-the-Shelf-Standardstromversorgungen, darüber hinaus eben auch die Möglichkeit, nicht nur Value Add zu liefern, sondern in Zusammenarbeit mit dem Kunden eine wirklich auf ihn zugeschnittene Stromversorgunglösung zu entwickeln, die wir dann entweder bei Bestückungspartnern in Asien oder in Deutschland fertigen lassen. Wie man sich bei Standardgeräten differenzieren kann, zeigt bei uns das Beispiel Tisch- und Steckernetzgeräte. Ab einer Auftragsgröße von 50 Geräten bekommt der Kunde seine gewünschte Steckerkonfiguration. Wenn es aber speziell um das Thema USV geht, dann können wir immer häufiger mit eigenentwickelten Produkten punkten.

Sie haben den Bereich seit 2017 deutlich ausgebaut. Sie bieten dabei verschiedene Möglichkeiten der Energiespeicherung an. Welche erfreut sich dabei der größten Nachfrage?

Jede Speichertechnologie hat ihre Vor- und Nachteile. Natürlich wird immer noch häufig Blei eingesetzt. Bei Blei gibt es keine Versorgungsschwierigkeiten, und der Kunde bekommt bei Blei immer noch das beste Energiepaket bezogen auf den Preis. Kontinuierlich steigender Nachfrage erfreut sich bei uns das Thema Doppelschichtkondensatoren oder Supercaps. Sie sind absolut wartungsfrei über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren, und das entspricht in vielen Fällen auch der maximalen Lebensdauer der Elektronik, zu deren Unterstützung diese USV eingesetzt wird. Interessant ist auch die Entwicklung bei den USVs mit Lithium-Ionen-Akkus. Was uns für Kunden auch interessant macht, ist die Tatsache, dass wir mit unseren Produkten sowohl versorgen als auch überbrücken.

Noch einmal das Thema Eigenentwicklung – wäre es für Sie nicht auch interessant, ihre eigenentwickelten USVs auch selbst zu fertigen?

Das wäre für uns der nächste Schritt. Damit sich das rechnet, müssten wir aber einige tausend Stück pro Woche davon produzieren. Da USVs für uns aber mit das Aushängeschild in puncto „Made in Germany“ sind, ist das ein Ziel, das wir mittelfristig durchaus anstreben – nicht nur entwickeln, sondern auch fertigen.

Sie bieten nicht nur Stromversorgungen und USV, sondern auch Systemkomponenten an. Wie ist die Umsatzverteilung zwischen diesen Bereichen, warum verfolgen Sie diesen Ansatz?

Etwa 75 Prozent unseres Umsatzes entfällt auf das Stromversorgungsgeschäft, 25 Prozent auf den Bereich Systemkomponenten. Unser Anspruch ist der eines Lösungsanbieters. Ein Großteil unserer Kunden bewegt sich im Bereich Automatisierungstechnik, genauer gesagt der Industriecomputer und Steuerungen. Diesen Kunden wollen wir mit unserem Angebot eine One-Stop-One-Buy-Entscheidung ermöglichen. Vor diesem Hintergrund sind unsere Bundle-Angebote aus Stromversorgung und Mainboard entstanden. Interessant dabei ist, dass wir in diesem Bereich häufig über unsere Bundle-Angebote Türen öffnen können, die uns dann auch in anderen Stromversorgungsbelangen für den Kunden interessant machen.

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