KI-gestützte Behandlungsplanung

Brainlab-Kooperation für Therapie jenseits der Blut-Hirn-Schranke

4. März 2026, 14:11 Uhr | Elektronik Medical (uh)
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Brainlab und das kalifornische Biotech-Unternehmen Precision NeuroMed wollen gemeinsam eine KI-gestützte Behandlungsplattform für die sogenannte Convection Enhanced Delivery (CED) entwickeln – eine Methode, um Therapeutika direkt ins Hirngewebe einzubringen und so die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen.

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Die Blut-Hirn-Schranke ist eine der größten Hürden in der Neurologie: Sie verhindert, dass systemisch verabreichte Medikamente in therapeutisch wirksamen Konzentrationen das Gehirn erreichen. Die sogenannte »Convection Enhanced Delivery« (CED) umgeht dieses Problem – sie bringt Wirkstoffe direkt ins Hirngewebe ein, ermöglicht präzise Konzentrationen auch großmolekularer Substanzen und minimiert gleichzeitig systemische Nebenwirkungen. Genau hier setzen das Münchner Medizintechnikunternehmen Brainlab und das Biotechunternehmen Precision NeuroMed (PNM) aus dem kalifornischen Redwood City an.

Simulationsoftware gegen Kapitalbeteiligung

Die beiden Unternehmen haben eine strategische Partnerschaft bekanntgegeben, um gemeinsam eine KI-gestützte Behandlungsplanungsplattform speziell für CED-Eingriffe zu entwickeln und zu kommerzialisieren. Das cloudbasierte CED Treatment Planning System (CED TPS) soll medizinische Bildgebung, Simulationsmodellierung und KI-Optimierung kombinieren, um die Wirkstoffverteilung individuell für jeden Patienten zu planen – mit dem Ziel, Präzision, Reproduzierbarkeit und klinische Konsistenz zu verbessern. Brainlab will seine Erfahrung in der Digitalisierung klinischer Workflows einbringen; PNM steuert seine proprietäre Molekularflusssimulationssoftware bei. Als Teil der Vereinbarung erhält Brainlab eine Kapitalbeteiligung an PNM.

Die Plattform soll chirurgischen Teams automatisierte Planungs- und Simulationswerkzeuge bereitstellen, mit denen sie CED-Applikationen patientenindividuell planen und überprüfen können – auch in Krankenhäusern außerhalb großer Zentren. Erste Anwendung findet das System bei PNMs Prüfpräparat PNM-201 gegen rezidivierendes Glioblastom, einer aggressiven und häufig tödlichen Hirntumorform mit bislang stark limitierten Therapieoptionen.

Vom Hirntumor über Parkinson bis Alzheimer

Mittelfristig sollen über die Plattform auch Wirkstoffe und Gentherapien für weitere ZNS-Erkrankungen applizierbar werden – darunter Epilepsie, Parkinson, Alzheimer und ALS. »Gemeinsam arbeiten wir daran, Klinikern Planungswerkzeuge bereitzustellen, die Planungssicherheit und Präzision bei der Behandlung einiger der komplexesten neurologischen Erkrankungen verbessern sollen«, sagt Rainer Birkenbach, CEO von Brainlab. Dr. Sandeep Kunwar, CEO und Mitgründer von Precision NeuroMed, ergänzt: »Unser Ziel ist es, einen neuen Standard für patientenspezifische, präzise und reproduzierbare Behandlung zu etablieren – beginnend mit Glioblastom und mit dem Potenzial, krankheitsmodifizierende Therapien für einige der schwersten neurologischen Erkrankungen zu erschließen.« (uh)


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