Telematikinfrastruktur im Rechenzentrum

Telekom löst mit »TI-Connect« den Konnektor ab

3. März 2026, 14:50 Uhr | Ute Häußler
TI-Connect soll den lokalen Konnektor in den Praxen ersetzen - und Ärzte von einem Flaschenhals der Telematikinfrastruktur befreien.
© Telekom

Mit TI-Connect ersetzt die Deutsche Telekom den Hardware-Konnektor in der Praxis durch einen zentralen VPN-Zugang ins Rechenzentrum. Das reduziert IT-Aufwand, eliminiert Vor-Ort-Updates und legt den Grundstein für die TI 2.0 – ein Schritt, der die gesamte Versorgungsinfrastruktur neu aufstellt.

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Der Konnektor ist gefühlt das unbeliebteste »Medizingerät« in deutschen Arztpraxen. Teuer, wartungsintensiv, fehleranfällig – und verbunden mit einer Abhängigkeit, die Praxen kaum steuern können. Fällt er aus – ob durch veraltete Verschlüsselung, Softwarefehler oder schlichte Überlastung – steht laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Praxisbetrieb quasi still: kein eRezept, keine eAU, kein Zugriff auf die ePA, kein Abgleich mit Versichertendaten. Die Deutsche Telekom hat jetzt eine Antwort auf das strukturelle Problemkind: TI-Connect.

VPN statt Gerät vor Ort

Das Prinzip ist technisch vergleichsweise einfach. Statt eines eigenen Konnektors in der Praxis verbindet sich die Einrichtung per VPN mit einem TI-Gateway im Telekom-Rechenzentrum. Dort laufen zentral betriebene Hochgeschwindigkeitskonnektoren (HSK) – redundant, dauerhaft zertifiziert. Updates laufen im Rechenzentrum – die Praxis merkt davon nichts. Das TI-Gateway als Zugangsmodell ist von der Gematik spezifiziert und bereits von mehreren Anbietern zugelassen, darunter Secunet und Telekonnekt. Die Telekom kombiniert diesen Ansatz mit einem Komplettpaket: TI-Anschluss, KIM-Kommunikation, Karten und Kartenlesegeräte aus einer Hand.

Konnektor-Ende als Systementscheidung

Die Zielgruppe ist breit: Haus- und Facharztpraxen, Zahnärzte, Apotheken, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser – und perspektivisch auch Labore, Hebammen, Sanitätshäuser und öffentliche Gesundheitseinrichtungen. Kleinere Institutionen profitieren besonders von der unkomplizierten Anbindung, die keine lokale IT-Infrastruktur voraussetzt. Größere Häuser können den Anschluss eigenständig konfigurieren; für mobilen Zugriff – etwa im Bereitschaftsdienst – steht eine Mobile-Office-Option bereit.

Der zeitliche Kontext ist kein Zufall. Die Gematik hatte erst im Juni 2025 beschlossen, dass Einbox-Konnektoren bis maximal Ende 2030 betrieben werden dürfen, für neue TI-Anschlüsse ist das TI-Gateway bereits die bevorzugte Lösung. Das nun vorgestellte TI-Connect ist damit kein Komfortangebot – sondern der strukturell vorgezeichnete Migrationspfad in Richtung TI 2.0, deren Einführung ebenfalls gerade begonnen hat.

Was das für Entwickler bedeutet

Die Schnittstelle zur TI wandert aus dem Gerät in der Praxis in die Cloud-Infrastruktur des Anbieters. Das vereinfacht die Systemintegration auf Einrichtungsseite erheblich – verlagert aber Sicherheitsverantwortung und Zertifizierungsaufwand konsequent auf den Gateway-Betreiber, der dafür eine Gematik-Anbieterzulassung vorweisen muss.

Wer heute Praxissoftware oder Dokumentationssysteme mit TI-Anbindung entwickelt, kann den lokalen Konnektor als feste Systemgröße streichen und sollte die Gateway-Architektur bereits als Standardszenario einplanen. Das TI-Gateway ist keine Option mehr – es ist die Richtung.


Die Telekom präsentiert TI-Connect auf der DMEA (21.–23. April) in Berlin,
Halle 3.2, Stand A-103

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