Mit TI-Connect ersetzt die Deutsche Telekom den Hardware-Konnektor in der Praxis durch einen zentralen VPN-Zugang ins Rechenzentrum. Das reduziert IT-Aufwand, eliminiert Vor-Ort-Updates und legt den Grundstein für die TI 2.0 – ein Schritt, der die gesamte Versorgungsinfrastruktur neu aufstellt.
Der Konnektor ist gefühlt das unbeliebteste »Medizingerät« in deutschen Arztpraxen. Teuer, wartungsintensiv, fehleranfällig – und verbunden mit einer Abhängigkeit, die Praxen kaum steuern können. Fällt er aus – ob durch veraltete Verschlüsselung, Softwarefehler oder schlichte Überlastung – steht laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Praxisbetrieb quasi still: kein eRezept, keine eAU, kein Zugriff auf die ePA, kein Abgleich mit Versichertendaten. Die Deutsche Telekom hat jetzt eine Antwort auf das strukturelle Problemkind: TI-Connect.
Das Prinzip ist technisch vergleichsweise einfach. Statt eines eigenen Konnektors in der Praxis verbindet sich die Einrichtung per VPN mit einem TI-Gateway im Telekom-Rechenzentrum. Dort laufen zentral betriebene Hochgeschwindigkeitskonnektoren (HSK) – redundant, dauerhaft zertifiziert. Updates laufen im Rechenzentrum – die Praxis merkt davon nichts. Das TI-Gateway als Zugangsmodell ist von der Gematik spezifiziert und bereits von mehreren Anbietern zugelassen, darunter Secunet und Telekonnekt. Die Telekom kombiniert diesen Ansatz mit einem Komplettpaket: TI-Anschluss, KIM-Kommunikation, Karten und Kartenlesegeräte aus einer Hand.
Die Zielgruppe ist breit: Haus- und Facharztpraxen, Zahnärzte, Apotheken, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser – und perspektivisch auch Labore, Hebammen, Sanitätshäuser und öffentliche Gesundheitseinrichtungen. Kleinere Institutionen profitieren besonders von der unkomplizierten Anbindung, die keine lokale IT-Infrastruktur voraussetzt. Größere Häuser können den Anschluss eigenständig konfigurieren; für mobilen Zugriff – etwa im Bereitschaftsdienst – steht eine Mobile-Office-Option bereit.
Der zeitliche Kontext ist kein Zufall. Die Gematik hatte erst im Juni 2025 beschlossen, dass Einbox-Konnektoren bis maximal Ende 2030 betrieben werden dürfen, für neue TI-Anschlüsse ist das TI-Gateway bereits die bevorzugte Lösung. Das nun vorgestellte TI-Connect ist damit kein Komfortangebot – sondern der strukturell vorgezeichnete Migrationspfad in Richtung TI 2.0, deren Einführung ebenfalls gerade begonnen hat.
Die Schnittstelle zur TI wandert aus dem Gerät in der Praxis in die Cloud-Infrastruktur des Anbieters. Das vereinfacht die Systemintegration auf Einrichtungsseite erheblich – verlagert aber Sicherheitsverantwortung und Zertifizierungsaufwand konsequent auf den Gateway-Betreiber, der dafür eine Gematik-Anbieterzulassung vorweisen muss.
Wer heute Praxissoftware oder Dokumentationssysteme mit TI-Anbindung entwickelt, kann den lokalen Konnektor als feste Systemgröße streichen und sollte die Gateway-Architektur bereits als Standardszenario einplanen. Das TI-Gateway ist keine Option mehr – es ist die Richtung.
Die Telekom präsentiert TI-Connect auf der DMEA (21.–23. April) in Berlin,
Halle 3.2, Stand A-103