Microsoft-KI analysiert Patientendaten

Copilot Health startet und will zum Hausarzt werden

16. März 2026, 13:13 Uhr | Elektronik Medical (uh)
© Microsoft

Der »Copilot Health« von Microsoft startet: der dedizierte, sichere KI-Assistent führt persönliche Gesundheitsdaten, Krankenakten und Wearable-Daten zusammen. Patienten sollen ihre Gesundheit verstehen und informiert für Arzttermine sein. MS will das Tool zur »Medical Superintelligence« ausbauen.

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Datenaggregation als Kernkonzept - Was Microsoft mit Copilot Health vorlegt, ist technisch betrachtet keine neue KI, sondern eine Intelligenzschicht über bestehenden Datensilos. Über die Plattform HealthEx können sich Patienten ihre Krankenakten aus mehr als 50.000 US-amerikanischen Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen importieren – inklusive Arztbriefe, Medikationspläne und Laborwerte. Über den Dienst »Function« fließen zusätzlich persönliche Gesundheitsdaten von mehr als 50 Wearables wie Apple Health, Oura und Fitbit Aktivitäts-, Schlaf- und Vitaldaten ein. Die Microsoft-KI erkennt Muster in diesen kombinierten Datensätzen und bereitet sie in einem zusammenhängenden Gesundheitsbild auf.

Kein Arzt, aber »informierter Begleiter«

Microsoft betont ausdrücklich, dass Copilot Health weder Diagnosen stellt noch Therapien empfiehlt. Der Ansatz ist explizit patientenzentriert: Nutzerinnen und Nutzer sollen besser auf ihre Arztbesuche vorbereitet sein – mit konkreten Fragen und einem klaren Überblick über ihre eigene Krankengeschichte. Dr. Dominic King, Vice President of Health bei Microsoft AI, sagt: »Es geht darum, Verbrauchern und Patienten Einblicke in ihre eigenen Daten zu geben und ihnen zu helfen, sich in einem System zurechtzufinden, das wir für sie geschaffen haben.« Die Antworten in Copilot Health werden mit Quellenangaben versehen und durch von Ärzten verfasste Antwortkarten von Harvard Health ergänzt – gestützt auf verifizierte Informationen von Gesundheitsorganisationen aus 50 Ländern.

Sicherheit und Zertifizierung

Gesundheitsgespräche innerhalb von Copilot Health sind vollständig von der allgemeinen Copilot-Nutzung getrennt und unterliegen verschärften Datenschutz- und Sicherheitskontrollen. Microsoft versichert, dass die Gesundheitsdaten nicht für das KI-Training verwendet werden. Das System ist nach ISO/IEC 42001 zertifiziert, dem internationalen Standard für KI-Management-Systeme, der Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Zuverlässigkeit fordert. An der klinischen Sicherheitsprüfung waren mehr als 230 Ärztinnen und Ärzte aus 24 Ländern beteiligt.

Wettbewerb um die Gesundheitsdaten

Der Launch reiht sich in eine bemerkenswerte Welle ein: OpenAI stellte im Januar 2026 ChatGPT Health vor, Anthropic folgte im selben Monat mit Claude for Healthcare. Microsoft verweist darauf, dass sein Copilot-Assistent bereits heute mehr als 50 Millionen gesundheitsbezogene Fragen täglich beantwortet. Copilot Health ist dabei als Zwischenschritt zu einer deutlich ambitionierteren Vision gedacht: Microsoft spricht von einer »Medical Superintelligence« – einer KI, die das Breitenwissen einer Hausärzt:in mit der Tiefe einer Fachspezialist:in verbinden soll. Als Forschungsvehikel dafür gilt der Microsoft AI Diagnostic Orchestrator (MAI-DxO), der nach Unternehmensangaben in klinischen Evaluierungsumgebungen bereits vielversprechende Ergebnisse liefert.

Rollout und Verfügbarkeit

Copilot Health wird schrittweise eingeführt und ist zunächst für englischsprachige Erwachsene in den USA verfügbar. Eine Warteliste ist bereits geöffnet. Der Dienst startet kostenlos; Microsoft kündigt künftig ein Abo-Modell an, ohne bislang konkrete Preise zu nennen. Nutzende könnten ihre Gesundheitsdaten jederzeit löschen oder einzelne Datenquellen deaktivieren. (uh)


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