Arbeitsmarkt erneuerbare Energien Verstärkte Nachfrage nach Jobs 'mit Sinn'

Ein Gespräch über 'grüne' Karrierechancen und Arbeitgeber, die ihre Trümpfe nicht ausspielen: Die Personalberatung Hyperion Executive Search hat sich auf die Bereiche erneuerbare Energien, Elektromobilität und Energiespeicherung spezialisiert.

Markt&Technik: Herr Kick, Sie leiten von München aus das Business der Hyperion Executive Search GmbH in DACH. Die Hitzewelle dieses Sommers und Warnungen vor einem ungebremsten Klimawandel werben ja regelrecht für die Sinnhaftigkeit des Arbeitsmarktes im Bereich erneuerbare Energien. Welche Unternehmen suchen denn derzeit besonders?

Wolfgang Kick: Zu unseren Kunden bei Hyperion zählen Unternehmen aus ganz Europa, aber auch in zunehmendem Maße Firmen in den USA. Im Bereich Smart Grid/Smart Energy sehen wir insbesondere in Großbritannien und Deutschland die größte Bewegung im Markt mit einer klaren Tendenz zu dynamischeren Netzstrukturen. Aufgrund dieser positiven Wachstumsdynamik stellt der Mangel an geeigneten Fachkräften für viele Unternehmen eine echte Herausforderung dar. Insbesondere Kandidaten mit Erfahrung in erneuerbaren Energien und Leistungselektronik sind gefragt. Dies gilt sowohl für technische als auch für kaufmännische Rollen.

Gibt es aktuell so etwas wie Aufbruchstimmung?

Aus unserer Sicht herrscht in der Branche grundsätzlich eine durchaus positive Stimmung. Wir sehen derzeit eine zunehmende Konvergenz verschiedener Sektoren, insbesondere in den Bereichen Automobil, Energie und Technologie. Wo bisher „Silo-Denken“ vorherrschte, entstehen in atemberaubender Geschwindigkeit innovative, sektorübergreifende Geschäftsmodelle, wobei die Startup-Szene eine außerordentlich wichtige Rolle spielt. Exemplarisch sind hier Angebote wie etwa „Energie oder Mobilität als Service“ zu nennen.

Registrieren Sie eine verstärkte Bereitschaft, zu Arbeitgebern und Jobs zu wechseln, die Sinn machen?

Definitiv. Wir kommunizieren natürlich mit vielen Kandidaten, die bereits seit geraumer Zeit in der Erneuerbaren-Branche arbeiten. Darüber hinaus ist aber ein deutlicher Anstieg der Interessenten aus eher traditionellen Industrien zu spüren, die auch in ihrer Karriere einen Beitrag zur Nachhaltigkeit unserer Gesellschaft leisten möchten. Vor allem Startups aus diesem Bereich punkten bei Kandidaten aus alten Industrien, die ihr persönliches Wertesystem auch in der Firmenvision wiedererkennen möchten.

Stellen etablierte Firmen aus unserer Branche denn auch ausreichend heraus, dass sie für das Gelingen der Energiewende essenziell sind?

Dem ist aus unserer Sicht leider nicht so. Es gibt natürlich Ausnahmen wie etwa Eaton, Amphenol oder Parker. Allerdings promoten viele andere Unternehmen, die einen signifikanten Beitrag zur Verkehrswende leisten, ihre Rolle in diesem fundamentalen gesellschaftlichen Veränderungsprozess viel zu wenig. Startups sind in dieser Hinsicht wesentlich effizienter und in den sozialen Medien mit ihrem Profil wesentlich aktiver.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Eines unserer aktuellsten Projekte verdeutlicht die oben genannten Entwicklungen sehr gut. Innogy, eines der führenden europäischen Energieunternehmen, engagiert sich immer stärker im Bereich der Verkehrswende. Im Zuge dieser Expansion beauftragte Innogy uns mit der Suche des Managing Directors für ihr „e-mobility“-Business in Großbritannien. Der erfolgreiche Kandidat war ein erfahrener Top-Manager aus der Automobilbranche und treibt nun Innogys Transformation in diesem Bereich in Großbritannien maßgeblich voran.

Wo gibt es Fachkräfte-Engpässe?

Der Mangel an Experten mit relevanter Erfahrung betrifft alle Bereiche und Senioritäts-Level – von Fachkräften für die Montage von Solar-Anlagen bis zur Vorstandsebene. Kurzfristig besteht der dringendste Bedarf im Bereich der Entwicklung und dem Design von Batterien. Darüber hinaus bedeutet die Digitalisierung natürlich auch hier, dass Softwareentwickler und -architekten immer wichtiger werden. Aus strategischer Sicht besteht die größte Nachfrage allerdings nach innovativen Köpfen, die in der Lage sind, neue Geschäftsmodelle sowohl in kommerzieller als auch technischer Hinsicht zu entwickeln und dem Markt zu kommunizieren.