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The Future of Jobs Report

WEF: Deutschland noch nicht bereit für digitale Arbeitswelt

17. September 2018, 13:17 Uhr   |  dpa

WEF: Deutschland noch nicht bereit für digitale Arbeitswelt
© everythingpossible- 123RF

In Deutschland sind weniger als die Hälfte für die digitale Arbeitswelt gewappnet, heißt es in einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF). Gewinner der Entwicklung: Datenanalysten, Wissenschaftler, Software- und Anwendungsentwickler sowie Experten für elektronischen Handel und Social Media.

Schon 2025 dürften Maschinen mehr Arbeitsstunden erledigen als Menschen. Heute betrage der Anteil erst 29 Prozent.

Eine Hiobsbotschaft für die Arbeitsmärkte sei das aber nicht: «Die Roboter-Revolution schafft netto 58 Millionen neue Arbeitsplätze in den kommenden fünf Jahren», schätzt das World Economic Forum. Der Fokus der Studie liegt auf Arbeitsplätzen bei multinationalen Konzernen. Auch die Bereiche Gesundheit, Pflege und Ausbildung hätten Wachstumspotenzial.

Das WEF ist eine Stiftung. Sie forscht zu Zukunftsthemen rund um die Arbeit. Bekannt sind ihre Wirtschaftskonferenzen in aller Welt. Die größte ist das Jahrestreffen jeweils im Januar in Davos. Das WEF hat für diese Studie Personal- und Strategiemanager in Firmen in 20 Industrie- und Schwellenländern befragt, die zusammen 70 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren.

Die Ausbildungslage wird in Frankreich, der Schweiz, Großbritannien und China zwar etwas besser beurteilt. Aber Deutschland steht nicht allein dar. Mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer weltweit müssten weitergebildet werden. In Deutschland wollten 73 Prozent der befragten Unternehmen die Beschäftigten schulen. 54 Prozent rechnen aber auch mit Kündigungen von Mitarbeitern, die mit den neuen Technologien nicht umgehen können.

Bürojobs wie in der Buchhaltung dürften schwinden, heißt es in der Studie. In Bereichen wie Marketing, Verkauf und Innovation wachse der Bedarf. Die wahren Gewinner der Entwicklung seien aber Datenanalysten, Wissenschaftler, Software- und Anwendungsentwickler sowie Experten für elektronischen Handel und Social Media. In Regionen wie Afrika, Nahost, Lateinamerika und Südasien seien auch Fabrikarbeiter weiter gefragt, wenn auch mit besserer Ausbildung als heute.

Schon bis 2022 dürften durch die Entwicklung von Maschinen und Algorithmen 75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen. Gleichzeitig würden aber 133 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, so die Studie. 50 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihre Belegschaft reduzieren und nur 38 Prozent wollten aufstocken. Allerdings wollen 48 Prozent zusätzlich Spezialisten zeitweise für bestimmte Aufgaben anheuern. Der lebenslange Job bei einer Firma wird immer rarer: Unternehmer wollten flexiblere Arbeitsverhältnisse, mehr Subunternehmer und Tele-Arbeit.

«Die Unternehmen müssen Automatisierungspläne mit Ausbildungsstrategien begleiten, das ist eine moralische und unternehmerische Verpflichtung», meinte Saadia Zahidi, eine der Autorinnen. Regierungen müssten die Schulausbildung anpassen, lebenslange Weiterbildung ermöglichen und diejenigen unterstützen, die in der automatisierten Welt keinen Arbeitsplatz mehr finden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund meldete sich daraufhin in der Zeitung ‘Welt’ zu Wort

Der DGB fordert deutlich mehr Investitionen in die Weiterbildung, um Arbeitnehmer bei der Digitalisierung der Arbeitswelt mitzunehmen. «Die Folgen werden nur von den Menschen akzeptiert und toleriert werden, ob als Beschäftigte oder Verbraucher, wenn die Technologie ihnen dient und nicht sie ihr», sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann der «Welt». Bildung und Weiterbildung würden deshalb noch viel wichtiger als bisher. «Hier muss endlich viel mehr investiert werden», mahnte Hoffmann.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende und hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel bekräftigte in der «Welt» seine Forderung nach einem «Chancenkonto, das jedem ein lebenslanges Recht auf Weiterbildung garantiert». Der FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Frank Sitta, mahnte, es müsse schon bei den Kindern angesetzt werden. «Dazu müssen Lehrpläne und Ausstattung modernisiert und in die digitale Weiterbildung der Lehrer investiert werden», sagte er der Zeitung.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping sieht auch den Staat in der Pflicht. «Ohne politische Regulierung kann die Digitalisierung zu einer Art globalen Feudalismus 2.0 verkommen, in dem einige wenige Konzerne willkürlich agieren», warnte Kipping in der «Welt». Von den Gewinnen aus der Digitalisierung dürften nicht nur wenige profitieren.

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