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Girls‘ Day

Hört ihr uns?

21. April 2021, 13:47 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Hört ihr uns?
© Screenshot Livestream/Initiative D21

Der virtuelle Auftakt zum diesjährigen Girls‘Day – Mädchen-Zukunftstag mit Berliner Schülerinnen, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und D21-Präsident Hannes Schwaderer.

Seit vielen Jahren versuchen verschiedene Initiativen, Frauen für MINT-Berufe zu begeistern. Ein wichtiger Baustein ist der Girls' Day, der am 22. April bundesweit digital stattfindet. Denn gerade im 'I' und im 'T' von 'MINT' ist ihr Anteil noch überschaubar.

Am 21. April eröffneten Bundeskanzlerin Angela Merkel und D21-Präsident Hannes Schwaderer den diesjährigen Girls‘Day – Mädchen-Zukunftstag. Der Auftakt fand erstmals rein digital statt – dafür schaltete sich die Bundeskanzlerin virtuell in Berliner Schulen.

Sechs Mitgliedsorganisationen der Initiative D21 hatten zuvor den Schülerinnen praxisorientiert moderne MINT-Berufsbilder nähergebracht: Etwa Intel mit einem Recycling-Projekt, in dem per künstlicher Intelligenz automatisiert Wertstoffe im Müll erkannt werden.  Oder Sopra Steria mit Smart Farming, bei dem Schülerinnen einen Roboter programmierten, der im 3D-Modell einer Farm landwirtschaftliche Prozesse simuliert und selbstständig ausführt. Als die drei jungen Frauen vom Heinrich-Hertz-Gymnasium in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel dieses Projekt vorstellen, stockt die Übertragung, es gibt nur ein eingefrorenes Standbild aus der Schule zu sehen – "Hört Ihr mich?", fragt die Bundeskanzlerin irritiert aus dem Studio. Übertragungsschwierigkeiten bei der Videokonferenz – kann passieren, wer kennt das nicht vom Homeschooling. 

"Hört ihr mich?" ist auch eine hübsche Metapher dafür, wie Industrieverbände und verschiedene Initiativen seit vielen Jahren versuchen, Frauen für MINT-Berufe zu begeistern. Etwa der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen »Komm, mach MINT«, eine bundesweite Netzwerk-Initiative mit Partnern u.a. aus Politik und Wirtschaft. Es geht darum, moderne Berufsbilder in MINT-Fächern zu vermitteln.
 

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"Junge Frauen haben Kreativität und Problemlösungskompetenzen mit digitaler Technik, aber noch zu wenige sehen darin auch berufliche Optionen", so Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21. Zum Leidwesen der Industrie, denn Frauen sollen dabei helfen, den Fachkräftebedarf für die Zukunft zu decken. Wichtiger jährlicher Baustein dafür ist der Girls‘ Day, der in diesem jahr am 22. April – Coronabedingt nur digital – in Unternehmen und Forschungseinrichtungen stattfindet. 

Dazu öffnen Unternehmen, Betriebe und Hochschulen in ganz Deutschland ihre Türen für Schülerinnen ab der 5. Klasse. Der Aktionstag möchte den Stellenwert der MINT-Fächer in der Berufswahl junger Frauen stärken. Im Studienjahr 2019/2020 lag der Frauenanteil in den MINT-Fächern insgesamt bei 31,4 Prozent, zum Vergleich: im Bereich Gesundheit und Soziales sind es über 73 Prozent. Weniger sind es in Informatik, hier liegt der Frauenanteil im Erstsemester seit Jahren konstant bei einem Viertel, freilich immer noch getoppt von 17 Prozent in Elektrotechnik/IT nach Berechnungen des VDE auf Basis des Statistischen Bundesamtes 2021.  

Unter allen Elektroingenieuren machen Frauen nur 7,5 Prozent aus, auch das zeigen VDE-Berechnungen. Der Verband hat dazu den Mikrozensus 2020 herangezogen. 

"So erfreulich es ist, dass die Zahl der Informatikstudierenden insgesamt steigt, so bedauerlich ist es, dass es bislang nicht gelungen ist, signifikant mehr junge Frauen für eine Karriere in der IT zu begeistern. Es muss das Ziel sein, ihren Anteil deutlich zu erhöhen, um Frauen Chancen zu eröffnen, die Digitalisierung vielfältiger zu gestalten und nicht zuletzt auch dem anhaltenden Fachkräftemangel zu begegnen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Das Klischee des ITlers als klassischer Männerberuf hält sich hartnäckig. Wir müssen diese Stereotype durchbrechen und gerade jungen Mädchen zeigen, dass sie mit digitalen Technologien die Gesellschaft aktiv mitgestalten können. Der Grundstein für die spätere berufliche Laufbahn wird schon in jungen Jahren gelegt.“

Auf dem IT-Arbeitsmarkt haben Frauen nicht nur wegen des Fachkräftemangels besonders gute Chancen. „86.000 IT-Jobs können nicht besetzt werden, weil die Fachkräfte fehlen. Viele Unternehmen suchen speziell nach Frauen, denn Studien zeigen, dass divers zusammengesetzte Teams erfolgreicher sind.“ 

Um die Einstiegshürden zu senken, bieten einige Hochschulen spezielle Frauenstudiengänge an. Dazu zählt beispielsweise die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. „Spezielle Frauenstudiengänge können Hürden abbauen, die Frauen daran hindern, einen Weg in der IT einzuschlagen. Die Erfahrung zeigt, dass die Erfolgsquote in diesen Studiengängen überdurchschnittlich hoch ist, ohne dass inhaltliche Abstriche gemacht werden. Dazu trägt nach Ansicht des Bitkom auch die enge Kooperation mit Unternehmen bei, wodurch ein hoher Praxisbezug entsteht.“

Das Konzept gibt es auch in Elektrotechnik. So bietet auch die Ernst-Abbe-Hochschule Jena den Studieneinstieg in Elektrotechnik als reinen Frauenstudiengang an. 

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