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Europäische 2-nm-Foundry?

Sinnlose Geldverschwendung!

14. April 2021, 14:56 Uhr   |  Heinz Arnold

Sinnlose Geldverschwendung!
© Stiftung Neue Verantwortung

Jan-Peter Kleinhans, Stiftung Neue Verantwortung: »Anstatt das Geld in eine 2-nm-Fab zu stecken, sollte es besser in einen Sektor fließen, in dem die europäische Industrie noch viel abhängiger von Technologien aus anderen Weltregionen ist: Im Design von Prozessoren für Rechenzentren, HPC, KI und Mobilgeräte.«

Die Europäische Kommission sähe gerne den Bau einer 2-nm-Fab in Europa: Falsch investiertes Geld, sagt Berliner Think Tank.

Ein Betrag in zweistelliger Milliardenhöhe an Euros müssten in eine EU-Foundry fließen, die ab Ende diese Dekade die Fertigung von 2-nm-ICs aufnehmen könnte. Geld, das von den Regierungen und der Wirtschaft aufgebracht werden müsste. Eine schlechte Idee, findet die Stiftung Neue Verantwortung e.V., ein Thinktank für neue digitale Technologien, Politik und Gesellschaft in Berlin. Denn das Geschäftsmodell stimme nicht. Und das aus mehreren Gründen.

Eine EU-Foundry müsste vorwiegend für Kunden aus der EU produzieren. Doch es gebe nur sehr wenige Unternehmen in der EU, die heute Chips entwickeln, die auf der 5-nm- oder 7-nm-Ebene produziert werden müssten. Die meisten Chips, die europäische IC-Hersteller produzieren, würden gar nicht davon profitieren, in den neusten Prozesstechniken gefertigt zu werden. Deshalb haben diese Unternehmen seit zwei Jahrzehnten nicht in die neusten Prozesstechniken und in die neusten Fabs investiert.

Die Stiftung Neue Verantwortung kommt deshalb zu dem Schluss, dass der Bedarf, solche Chips in einer europäischen in Foundry fertigten zu lassen, in Europa gering sei. Europa müsste zuerst einmal in den Aufbau von Design-Know-how für solche Chips investieren.

Zudem wäre es überoptimistisch, um nicht zu sagen naiv, anzunehmen, eine EU-Foundry könne attraktiv für Kunden aus den USA sein. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die beiden führenden IC-Hersteller – Samsung und TSMC – in den USA Foundries bauen werden – vor allem weil der größte Teil der Chips weltweit von IDMs und fabless Herstellern in den USA designed werden, nach den neusten Zahlen von IC Insights sind es 55 Prozent der gesamten weltweiten IC-Produktion im vergangenen Jahr. Allein Samsung investierte zwischen 2017 und 2020 rund 100 Mrd. Dollar, TSMC investiert 16 Mrd. Dollar in diesem Jahr.  Diese fabless Hersteller würden dann dazu beitragen, dass Samsung und TSMC ihre Foundries in den USA auslasten könnten – nicht zuletzt, weil die USA die Abhängigkeit von Foundries reduzieren wollen, die in Asien produzieren.

Welches Argument könnte eine EU-Foundry ins Feld führen, um diese Kunden davon zu überzeugen, sie hätten Vorteile, wenn sie in Europa fertigen ließen?

Außerdem komme es nicht von ungefähr, dass sich die Zahl der Hersteller, die überhaupt in der Lage sind, ICs mit Hilfe der neusten Proesstechniken zu fertigen, über die vergangenen Jahre deutlich ausgedünnt hat. Die für neue Fabs erforderlichen Investitionen sind geradezu explodiert, breit angelegte Kooperationen auf der R&D-Ebene über die gesamte Lieferkette sind erforderlich, um an vorderster Front der technischen Entwicklung dabei zu sein. Zudem sind hohe Auslastungsraten die Voraussetzung, um die astronomischen Ausgaben für die Maschinen für die IC-Fertigung innerhalb weniger Jahre wieder einspielen zu können.

Selbst wenn Europa in der Lage wäre, gemeinsam den Bau einer 2-nm-Fab für zig Milliarden Euro zu bewerkstelligen, wäre das Geld nach Überzeugung von Jan-Peter Kleinhans, dem Autor des Positionspapiers der Stiftung Neue Verantwortung, in anderen Sektoren besser angelegt. Beispielsweise in einem Schlüsselsektor, in dem Europa noch viel abhängiger von auswärtigen Technologieanbietern sei: Im Design von Logik-ICs wie etwa Prozessoren für Datenzentren, für High Performance Computing, KI und Mobilgeräte.

Europas Achillesferse sei der Mangel an fabless IC-Herstellern, die sich auf das Design der Chips spezialisieren. Erst wenn eine solche Industrie in Europa entstanden wäre, lohne es sich, über den Bau einer EU-Foundry nachzudenken.

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