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Marktforschung

Der PC-Markt schwächelt

Die fünf größten PC-Hersteller
Die fünf größten PC-Hersteller und ihre Marktentwicklung seit dem dritten Quartal 2020
© IDC

Die beiden Marktforschungsunternehmen Gartner und IDC haben den PC-Markt analysiert und festgestellt, dass er deutlich an Schwung verloren hat. Lieferengpässe und Marktveränderungen werden als Gründe genannt.

IDC beziffert den weltweiten PC-Markt (incl. Desktops, Notebooks und Workstations) im dritten Quartal auf 86,7 Mio. Einheiten, 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr und damit das sechste Quartal in Folge mit einem Wachstum. Als Grund für das Wachstum nennen die Marktforscher die Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Nachfrageschub. Corona habe aber auch zu Engpässen bei den Komponenten und Lieferproblemen geführt. »Die PC-Industrie wird nach wie vor durch Liefer- und Logistikprobleme behindert, und leider haben sich diese Probleme in den letzten Monaten nicht wesentlich verbessert«, erklärt Jitesh Ubrani, Research Manager für IDCs Mobile and Consumer Device Trackers. »In Anbetracht der aktuellen Umstände beobachten wir, dass einige Hersteller ihre Lieferungen auf verschiedene Märkte verteilen, so dass die Schwellenländer ihre Wachstumsdynamik beibehalten können, während einige reife Märkte langsamer werden.«

»Engpässe in den Lieferketten und anhaltende logistische Herausforderungen haben dazu geführt, dass der PC-Markt in den USA zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie einen jährlichen Rückgang der Auslieferungen zu verzeichnen hat«, so Neha Mahajan, Senior Research Analyst, Devices and Displays bei IDC. »Nach einem Jahr beschleunigter Nachfrage dank Remote/Home-Working und -Learning, haben sich die Ausgaben für PCs auch vergleichsweise verlangsamt, was der Abschwächung des US-PC-Marktes geführt hat. Dennoch bleibt das Angebot in den wichtigsten Segmenten deutlich hinter der Nachfrage zurück, da die Lagerbestände immer noch unter dem normalen Niveau liegen.«

Gartner

Gartner wiederum hat für das dritte Quartal ein weltweites Volumen 84,1 Mio. Einheiten ermittelt, was aus der Sicht der Gartner-Analysten ein Wachstum von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dass das Wachstum sich verlangsamt, begründen die Gartner-Analysten mit der zunehmenden Verfügbarkeit von COVID-19-Impfstoffen und dem damit einhergehenden Trend, dass Verbraucher und Bildungseinrichtungen ihre Ausgaben von PCs auf andere Prioritäten verlagern würden. »Als viele Schulen weltweit wieder öffneten, gab es keinen unmittelbaren Bedarf mehr an PCs und Chromebooks zur Unterstützung der Ausbildung zu Hause«, erklärt Mikako Kitagawa, Research Director bei Gartner.

»Die Nachfrage nach Business-PCs blieb stark, angeführt von der wirtschaftlichen Erholung in wichtigen Regionen und der Rückkehr einiger Arbeitnehmer ins Büro«, fügte Kitagawa hinzu. »Allerdings konzentrierte sich das Wachstum bei den Business-PCs auf das Desktop-Segment, da die Halbleiterknappheit die Auslieferung von Laptops weiterhin einschränkte. Es wird erwartet, dass diese Bauteilknappheit bis in die erste Hälfte des Jahres 2022 andauern wird.«

Seit diesem Quartal hat Gartner Chromebooks in seine traditionellen PC-Markt-Ergebnisse aufgenommen. Die Auslieferungen von Chromebooks gingen im dritten Quartal 2021 um 17 Prozent zurück, was auf eine geringere Nachfrage auf dem Bildungsmarkt zurückzuführen ist. Dies war der erste zweistellige Rückgang der Chromebook-Verkäufe im Jahresvergleich seit der Markteinführung im Jahr 2011.

Die drei führenden Anbieter auf dem weltweiten PC-Markt blieben im Jahresvergleich unverändert, wobei Lenovo weiterhin die Nummer 1 bei den Auslieferungen ist. Allerdings fiel das Wachstum von Lenovo nach fünf aufeinanderfolgenden Quartalen mit zweistelligen Wachstumsraten im dritten Quartal 2021 deutlich geringer aus. Probleme bereitete vor allem Japan, wo die Auslieferungen um über 50 Prozent zurückgingen, da ein Regierungsprogramm in der Region zum Kauf von PCs für den Bildungsbereich weitgehend auslief. In allen anderen Regionen konnte Lenovo zulegen. Insgesamt wurden die Auslieferungen von Lenovo durch die Verlangsamung im Verbrauchermarkt und Lieferengpässe im Unternehmensmarkt beeinträchtigt. Gleichzeitig profitierte Lenovo von einer stabilen Nachfrage nach Business-PCs und konnte dank eines höheren Anteils an Eigenfertigung flexibler auf Komponentenengpässe reagieren.

HP verzeichnete laut Gartner-Analysten bereits zum zweiten Mal in Folge einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. HP bereitet der 30-prozentige Rückgang der Auslieferungen in den USA aufgrund der schwächeren Nachfrage nach Chromebooks im Bildungsbereich Probleme. HP hatte auch in diesem Quartal mit Schwierigkeiten in der Lieferkette zu kämpfen: Ein großer Rückstand an nicht ausgeführten Aufträgen führte dazu, dass HP möglicherweise Chancen verpasste, die seine Wettbewerber nutzten.

Dell, die Nummer 3 im Markt, war zu Beginn der Pandemie zurückgeblieben, konnte im dritten Quartal 2021 dafür starke Ergebnisse erzielen und das vierte Quartal in Folge ein zweistelliges Wachstum erreichen. Außerdem knackte das Unternehmen zum ersten Mal die Marke mit 15 Millionen Auslieferungen.

Apple (Nr. 4 im Markt) konnte trotz eines schwachen Verbrauchermarktes ein Wachstum von 7,4 Prozent erzielen. Die M1-basierten PCs des Unternehmens wurden von den Anwendern gut angenommen, was die Auslieferungen pushte. Jedoch haben einige Apple-Käufer den Kauf eines neuen Laptops aufgeschoben, weil in den kommenden Monaten ein Produkt-Update erwartet wird, was sich negativ auf das Liefervolumen im 3. Quartal 21 auswirkte.

Regionaler Überblick

Nach fünf aufeinanderfolgenden Quartalen mit zweistelligem Wachstum ist der PC-Markt in den USA im dritten Quartal 2021 insgesamt um 8,8 Prozent zurückgegangen. Die Desktop-Lieferungen stiegen um 8 Prozent, angetrieben durch die steigende Nachfrage auf dem Business-Sektor, aber die Schwäche auf dem Verbraucher-PC-Markt hielt an. Trotz der Schulanfangsverkäufe und der wieder aufgefüllten Lagerbestände im Einzelhandel gingen sowohl die Auslieferungen von Laptops als auch von Chromebooks in den USA im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 Prozent zurück. »Das Verhältnis von Geräten pro Schüler auf dem US-Bildungsmarkt nähert sich allmählich dem Wert 1:1, was das Wachstumstempo verlangsamt hat«, erklärt Kitagawa. Dell sicherte sich mit einem Marktanteil von 26,1 Prozent den ersten Platz auf dem US-PC-Markt, gemessen an den Auslieferungen. HP folgte mit 24,5 Prozent des US-PC-Marktes.

Der PC-Markt in der EMEA-Region wuchs im Jahresvergleich um 11,8 Prozent auf 23,5 Mio. Einheiten, was ebenfalls ein gemischtes Bild aus starker Unternehmensnachfrage und schwächerer Verbrauchernachfrage widerspiegelt. Desktop-PCs verzeichneten ein robustes Wachstum von 23 Prozent im Jahresvergleich.

Ohne Japan wuchs der asiatisch-pazifische PC-Markt im Jahresvergleich um 5,7 Prozent und verzeichnete damit das sechste Quartal in Folge ein Wachstum. Trotz der Auswirkungen der Delta-Variante sind die Länder des asiatisch-pazifischen Raums weitgehend zur Normalität zurückgekehrt, so dass die anfänglichen Auswirkungen der Pandemie das Wachstum des PC-Marktes weniger stark beeinflussen. Der japanische PC-Markt verzeichnete jedoch einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Neben dem Auslaufen des Regierungsprogramms, das die Anschaffung von Geräten für den Bildungsbereich finanzierte, wirkte sich auch die Zurückhaltung japanischer Unternehmen bei der Einführung eines hybriden Arbeitsansatzes erheblich auf das Gesamtwachstum des Marktes aus. »Im Gegensatz zu Unternehmen in Westeuropa und Nordamerika sind japanische Unternehmen nicht motiviert, Laptops für hybrides Arbeiten aufzurüsten, da viele Unternehmen die Fernarbeit bereits ganz eingestellt haben oder planen, sie zu beenden, wenn sie Büros eröffnen«, sagt Kitagawa.

Für das vierte Quartal 2021 ist die weltweite Einführung von Microsoft Windows 11 geplant, dem ersten großen Betriebssystem-Upgrade von Microsoft seit 2015. Gartner erwartet, dass die Einführung von Windows 11 nur begrenzte Auswirkungen auf den Unternehmensmarkt haben wird, da PCs der Unternehmensklasse wahrscheinlich noch bis 2023 mit Windows 10 erhältlich sein werden. Gartner prognostiziert, dass bis Anfang 2023 weniger als 10 Prozent der neuen Unternehmens-PCs mit Windows 11 ausgestattet sein werden. Insgesamt deuten die Daten von Gartner darauf hin, dass die PC-Lieferungen in der kommenden Weihnachtssaison schwächer ausfallen werden als vor einem Jahr, wobei die Nachfrage hauptsächlich durch Ersatzbeschaffungen und nicht durch Neuanschaffungen getrieben wird.

Die folgende Tabelle zeigt die Verkaufszahlen der PC-Hersteller im Vergleich 3. Quartal 2021 und 3. Quartal 2020 von Gartner.

Relevante Anbieter

           
Unternehmen Q321 Auslieferungen (Mio. Einheiten) Q321 Marktanteil (%) Q320 Auslieferungen (Mio. Einheiten) Q320 Marktanteil Q321/Q320 Wachstum (%)
Lenovo 19,945 23,7 19,601 23,5 1,8
HP 17,624 20,9 18,718 22,5 -5,8
Dell 15,242 18,1 12,048 14,5 26,5
Apple 7,222 8,6 6,725 8,1 7,4
Acer Group 6,036 7,2 6,327 7,6 -4,6
ASUS 6,028 7,2 5,714 6,9 5,5
Andere 12,049 14,3 14,153 17,0 -14,9

 


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